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Der Wortfinder präsentiertsein persönlichstes Buch

Der Üriker Autor und Sprachjongleur Heinz Wegmann hat aus seinem neuesten Wurf gelesen. Er gibt in «Sag mir, wo die Blumen sind» eine intime Seite von sich preis.

Literarische Häppchen im kleinen Rahmen: Heinz Wegmann (rechts) und Thierry Kuster im Stäfner Statttheater.
Literarische Häppchen im kleinen Rahmen: Heinz Wegmann (rechts) und Thierry Kuster im Stäfner Statttheater.
Manuela Matt

Es ist erst zwei Jahre her, dahat Heinz Wegmann mit seiner Erzählung «Der Aufleser» sein 14. Buch präsentiert. Und schon liegt sein jüngster Wurf vor: «Sag mir, wo die Blumen sind» hat 152 Seiten und trägt den Unter­titel «Überlebensübungen zwischen Poetry Slam und Züri Slang». Der Üriker Autor, der das Pensionierungsalter längst überschritten hat und der seit der ­Sekundarschule schreibt, weil ihm das alles bedeutet, kann eben nicht anders. Wohin er schaut, springen ihm Themen ins Auge. Wohin er lauscht, kommen ihm Geschichten zu Ohr. Er nimmt sie auf, spinnt sie weiter und verdichtet sie zu jenen schrägen ­Erzählungen, die so typisch sind für seinen Stil.

Musikalische Akzente

Nun hat Heinz Wegmann am Freitag zu einer Vorpremiere ins Stäfner Statttheater geladen und einem kleinen Kreis von Gästen eine Kostprobe serviert. Die eigentliche Buchvernissage folgt am 26. Oktober im Rahmen des Buchfestivals «Zürich liest». Neben Wegmann auf der kleinen Bühne hat Thierry Kuster Platz genommen, Tenorsaxofon und Querflöte an seiner Seite. Der34-jährige Musiker aus Olten mit Wohnsitz in Zürich begleitet Wegmanns Lesungen seit einigen Jahren. Mit subtilen und zeit­weise aufbrausenden Improvisa­tionen, aber auch mit Klassikern aus Jazz und Pop nimmt Kuster die Stimmung des gerade Vorgetragenen auf und setzt seinerseits musikalische Akzente.

Die Liebe, erklärt der Autor,sei für ihn ein Reizthema, und er könne sich nicht verkneifen, dar­über zu schreiben. Das ganze Hoffen und Bangen, Festhalten und Loslassen garniert er mit seiner subtilen Ironie und hüllt alles in eine groteske, bisweilen sarkastische Form. In der «Liebesgeschichte mit Fragezeichen» sinniert er über die Frage «Liebstdu mich?» und lässt den Musiker alle Satzzeichen laut aussprechen. Das Spiel mit den Satzzeichen wird ad absurdum geführt, bis Gedanken, Punkt, Komma, Frage- und Ausrufezeichen verschmelzen. In «Vereinsausflug» hingegen sei kein Satz von ihm, alles schamlos aus den Medien gestohlen. Die an sich banale Geschichte ist so raffiniert erzählt, dass man sich windet vor Lachen.

Vielfältige Mundart

Seine Kurzprosa und die Gedichte hat Heinz Wegmann in Kapitel unterteilt und diese mal in Hochdeutsch, mal in Züri-Slang verfasst. Würde er nicht vorlesen, sondern frei sprechen, erinnerte das Vorgetragene schon seines Rhythmus wegen an Poetry Slam, wie es der Untertitel impliziert. In seinem «Aufruf zur Rettung der (Mund-)Artenvielfalt» präsentiert er «e ganzi Schwetti Wörter», die «eifürallimal» zu verschwinden drohen, weil sie «hinderüxli» durch «neumöödigi» Sprachen verdrängt werden. Ausdrücke wie «gschnäderfreesig», «zunderobsi» oder «speerangelwiitoff», aber auch Verben wie «schmürzele» oder «umepäscherle» machen einen bewusst, wie gross der heimische Sprachschatz eigentlich ist.

Im Kapitel «In eigener Sache» geht Wegmann schonungslos mit dem Älterwerden und somit auch mit sich selber ins Gericht. «Von der Laufzeit und der Lebzeit» stimmt nachdenklich und macht, ja, ein wenig traurig. So mag er sich in seinem Alter nicht mehr eine neue Katze anschaffen, hatte doch die letzte eine Laufzeit von 25 Jahren. Im «Selbstinventar» zählt er Äusserlichkeiten auf, die wie «die sachte Melancholie der Hängebacken» oder «das sanfte Austrocknen der Epidermien» unvermeidbar sind mit zunehmendem Alter und ihm – vielleicht? – zu schaffen machen.

Das Buchende krönt der Sprachjongleur mit «Polaroid-Prosa»: Pointierte Beobachtungen, mal ironisch distanziert, mal hautnah erlebt, aber stets voller Sehnsucht und der grossen Liebe zur Sprache.

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