Oetwil

Der Jubel der Frauen am Oetwiler Jassturnier

Jassen ist kein Altherrensport mehr, nimmt man die 32. Oetwiler Jassmeisterschaft zum Massstab. Zum vierten Mal in den letzten sechs Jahren gewann mit Astrid Götschi eine Frau das Turnier.

Heuer gewann eine Frau das Oetwiler Jassturnier.

Heuer gewann eine Frau das Oetwiler Jassturnier. Bild: Moritz Hager

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Am Samstagmittag sitzen 44 Teilnehmer, darunter 7 Frauen, an den elf Tischen im Singsaal der Mehrzweckhalle des Schulhauses Breiti. Sie machen unter sich den besten Jasser Oetwils aus. Sie jassen Differenzler mit verdeckter Ansage, spielen 4 Passen zu je 8 Spielen. Stunden später sind die letzten Karten gespielt, 44 Matchblätter werden nun in einer Excel-Datei zu Ranglisten verarbeitet.

Noch kennt jeder nur seine eigene Differenz-Punktzahl. Wie er damit im Rennen liegt, kann er nur schätzen. Da und dort wird gefachsimpelt, ob die Differenz zwischen den angesagten und den tatsächlich gemachten Punkte wohl für einen Spitzenplatz ausreichen könnte.

Beliebter Anlass: 44 Jasser fanden sich für die diesjährige Oetwiler Jassmeisterschaft ein.

Als die Siegerehrung ansteht, macht es Jöri Huber, Präsident des Velo- und Motoclubs Oetwil, der den Jass-Wettkampf zum 11. Mal durchführt, spannend. Er beginnt bei der Rangverkündigung mit Platz 4, der mit 177 Zählern an Kari Suremann geht. Dann liest Huber alle Namen bis zum Schlusslicht auf Rang 44 ab, ehe er zurück zu den Podestplätzen kommt.

Kolleginnen umarmen sie

«Dritter ist Niklaus Forrer mit ebenfalls 177 Punkten, aber seine beste Passe ist mit 18 Punkten besser als jene von Suremann. «Zweiter wurde…Frank Roos mit 175 Zählern.» Als sein Name fällt, jubeln die Frauen. Da nur noch ein Rang zu vergeben ist, weiss die als einzige noch übriggebliebene Teilnehmern Astrid Götschi, dass sie Oetwils Jasskönigin 2020 geworden ist. Ihre Kolleginnen umarmen sie, die Männer freuen sich mit der Siegerin.

Astrid Götschi gewann das Turnier. Bild: Moritz Hager.

Nach Jubel. Trubel, Heiterkeit gibt Götschi Auskunft über die Gründe ihres Siegeszuges, hat die Postangestellte aus Wolfhausen doch bereits vor zwei Jahren das Turnier zu ihren Gunsten entschieden. «Als die Punktzahl des Viertklassierten bekannt war, wusste ich, ich bin mit meinen 164 Punkten auf dem Podest.» Dass sie sogar siegen könnte – daran dachte sie erst Mitte der letzten Passe. Sie habe meistens ein Blatt mit einem guten Gemisch in den Händen gehabt.

«Vor zwei Jahren kam der Sieg für mich hingegen völlig überraschend.» Ebenso überraschend bemerkt das Mitglied des Velo- und Motoclubs Oetwil, sie jasse eigentlich nur einmal pro Jahr, am vereinsinternen Turnier eben.

Verbissenere Männer

«Mir fällt auf, dass immer mehr Frauen, auch junge Jasserinnen, vom Spiel begeistert sind», fügt sie an. «Sie würden mit der Einstellung jassen, klappt es, ist das gut, wenn nicht, ist halt eine Chance verpasst.» Die Männer würden manchmal zu verbissen ans Werk gehen.

Astrid Götschi ist in bester Gesellschaft, was Frauensiege am Oetwiler Jassturnier anbelangt. 2015 holt sich Rita Bühler den ersten Gesamtsieg, ein Jahr später, ist die Reihe an Getrud Räber, ehe der Siegeszug von Götschi beginnt. Als letzter Jasser hat Erich Eichenberger 2019 gewonnen. Ihm gehörte das ehemalige Restaurant Schönegg, wo die SVP 21 Jahre lang das Turnier organsierte. Eichenberger verpasste ein einziges Mal den Anlass. «Damals war ich auf einer Kreuzfahrt.»

In die Schönegg seien bis zu 70 Teilnehmer gekommen, «Wir jassten auch in der Kegelbahn.» Einen Zusammenhang zwischen der abnehmenden Teilnehmerzahl, die erst im Vorjahr und dieses Jahr wieder leicht zunahm und der SVP, die in Oetwil viele Austritte aus der Partei verzeichnete und um die es in den wichtigsten Behörden bis auf Gemeinderat Thomas Pally ebenfalls still geworden ist, sieht er nicht: «Jassen und Politik sind verschiedene Sachen.»





Erstellt: 26.01.2020, 17:00 Uhr

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