Männedorf

«Das Jugendhaus ist ein Rückzugsort»

Die Renovation des Jugendhauses ist abgeschlossen. Für die Zwölf- bis Achtzehnjährigen ist die Institution ein Ort, wo sie in den Jugendarbeitern erwachsene Ansprechpartner haben.

Auf dem oberen Balkon stehen die ersten fünf Besucher des Jugendhauses, auf dem unteren Balkon steht das fünfköpfige Team um Ferhat Civrilli (2. v. rechts).

Auf dem oberen Balkon stehen die ersten fünf Besucher des Jugendhauses, auf dem unteren Balkon steht das fünfköpfige Team um Ferhat Civrilli (2. v. rechts). Bild: Sabine Rock

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Auf dem Trampolin neben dem Jugendhaus sitzen zwei Jungen im Schneidersitz, die Köpfe haben sie über dasselbe Handy gebeugt. Es ist vor 14 Uhr, eigentlich ist das frisch renovierte Haus noch geschlossen. Dennoch ist die Tür schon offen, und die ersten Jugendlichen machen es sich im Jugi, wie sie es nennen, bequem. Schnell merkt man, dass sie das Angebot der Gemeinde schätzen: «Das Jugi ist ein Rückzugsort, abseits vom Stress mit den Eltern und der Schule», sagt beispielsweise der zwölfjährige Nils, während er im Gamingzimmer vor dem Fernseher sitzt.

Die Tür des Hauses an der Seestrasse steht Jugendlichen am Mittwoch - und Donnerstagnachmittag offen. Zusätzlich ist das dreistöckige Jugi am Freitagabend ab Schulschluss bis elf Uhr abends offen, und von Oktober bis April werden die Öffnungszeiten aufs Wochenende ausgedehnt. Die offene Kinder - und Jugendarbeit Männedorfs beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Betrieb des Jugendhauses.«Wir organisieren beispielsweise Strassenfussballturniere, oder monatlich den ‹Fun Eve› in der Turnhalle Hasenacker», wie Betriebsleiter Ferhat Civrilli erklärt.

Der Rückzugsort für Jugendliche hat ein Facelifting erhalten.

Spontanität wird geschätzt

Auch als Schlichter bei Konflikten fungieren die Jugendarbeiter. Für Civrilli gibt es einen Klassiker: Jugendliche, die abends auf einer Parkbank sitzen und sich leise unterhalten. So zumindest die Meinung der jungen Leute - die Anwohner hingegen stört der Lärm. Da sei es rechtlich oft ein unklarer Fall, sagt der Betriebsleiter. «Als Jugendarbeiter versuchen wir, einen Kompromiss auszuarbeiten. In den meisten Fällen gelingt dies, ohne die Polizei zu involvieren.»

Oft sind die beiden Jugendarbeitenden der Gemeinde wichtige Ansprechpersonen. «Die Jugendlichen schätzen unsere Spontanität», sagt Civrilli. «Während der Öffnungszeiten kann man einfach zu uns kommen und über aktuelle Themen oder persönliche Probleme sprechen.» Civrilli und sein Team bieten auch Hilfe bei Bewerbungsschreiben an, aber auch andere Probleme werden angesprochen. «Oft sind es jugendspezifische Anliegen, zum Beispiel Streit mit den Eltern, Sexualität oder erste Beziehungen», erklärt er weiter.

Oft ist der Jugendarbeiter aber nur die erste Ansprechperson. Die Zwölf -bis Achtzehnjährigen werden an die richtige Stelle weitergeleitet, und auch dabei bekräftigt, Hilfe zu suchen. «Wir haben eine gute Beziehung zum Team im Jugi», bestätigt der zwölfjährige Tobias. «Mit ihnen kann man gut reden.»

Essen mit den Jugendlichen

Das Team verbringt viel Zeit mit den Besuchern des Jugendhauses. So essen zehn Teenager, bisweilen sind es auch mehr, gemeinsam mit den Jugendarbeitern jeden Freitag zu Abend. «Je zahlreicher die Gäste, desto eher gibt es Pasta mit Tomatensauce», fährt er lachend fort.«Wir verkriechen uns nicht im Büro.» Mit seinem Team sucht er den Dialog mit den Jugendlichen. «Wir wissen, welche Clique auch mit uns reden will und wer alleine gelassen werden möchte.» So können die Jugendlichen ihre eigenen Ideen fürs Jugi einbringen. Auf ihre Initiative wurde beispielsweise der sogenannte «Chillraum», in dem sich die Teenager entspannen können, verdunkelt.

«Wir sind stets offen für solche Ideen», sagt Civrilli. Es ist das erklärte Ziel der Jugendarbeit Männedorf, die Jugendlichen ins Geschehen der Gemeinde miteinzubeziehen. «Sie sind derjenige Teil der Bevölkerung, der kein Stimmrecht hat und der auch oft aussen vor gelassen wird», sagt Civrilli. Im Jugendhaus sollen sich die Teenager wohlfühlen, und in den Jugendarbeitern haben sie erwachsene Gesprächspartner, abseits der Schule und der Eltern.

Erstellt: 02.06.2019, 15:02 Uhr

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