Männedorf

Das günstigste Warenhaus weit und breit

Das Brocki wird seit 40 Jahren erfolgreich vom örtlichen Frauenverein geführt. Es ist eines der wenigen Brockenhäuser im Bezirk Meilen, das sogar während der Sommerferien geöffnet bleibt.

Margrit Juvalta in «ihrem» Brocki Männedorf. Seit 17 Jahren leitet sie die Institution.

Margrit Juvalta in «ihrem» Brocki Männedorf. Seit 17 Jahren leitet sie die Institution. Bild: Michael Trost

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Margrit Juvalta steht im Eingangsbereich des Brocki Männedorf neben dem Tresen zwischen Vitrinen, Regalen voller Blusen und Pullis, Taschen und Modeschmuck. Sie habe schon immer gerne Flohmärkte und Brockenhäuser aufgesucht und nicht selten selber verkauft, erzählt die Seniorin. Die auffällige Halskette, die sie trägt, ist ebenfalls secondhand und passt farblich zur luftigen Bluse. Es sei doch sinnvoll, Sachen zu verwerten und dadurch weniger Abfall zu produzieren.

Die 66-jährige Männedörflerin, dreifache Mutter und ehemalige Pflegefachfrau, führt das Männedörfler Brockenhaus seit 17 Jahren. Ebenso lange wirkte sie auch im Vorstand des Frauenvereins Männedorf. Sie sei eigens für dieses Ressort angefragt worden, und als bekennende Sammlerin habe sie sogleich zugesagt.

31 Institutionen unterstützt

Das Brocki ist die grösste Einnahmequelle des Frauenvereins Männedorf. Es war einst in der Kulturschüür untergebracht, bevor die Institution 2006 neue Räumlichkeiten an der Saurenbachstrasse vis-à-vis des Seewasserwerks beziehen konnte. «Das haben wir der Gemeinde zu verdanken, die uns diesen Ort günstig zur Verfügung stellt», erklärt Juvalta.

Erst diesen Frühling hat sie nach sechs Jahren nicht nur das Amt der Präsidentin abgegeben, sondern ist auch aus dem Vorstand ausgetreten, mit der Bitte, das Brocki weiterhin leiten zu dürfen. Dafür wendet sie in der Regel bis zu 40 Stunden im Monat auf. Das Amt wurde ihr zugestanden, wird sie doch seit Jahren für den reibungslosen Betrieb geschätzt.

Einen Typ von Menschen, der Altgedientes ins Brocki bringe und Secondhand-Waren einkaufe, gibt es nicht. Jung, alt, arm oder reich – querbeet gehen sie ein und aus. Einzig befinden sich mehr Frauen unter den Besuchern. Das Brocki ist beliebt im Dorf, was die Verantwortlichen dazu verleitete, es als «das günstigste Warenhaus in Männedorf» anzupreisen.

Juvalta hat ab 1979 eine Einnahmenstatistik angefertigt. Die Kurve steigt kontinuierlich an, wobei die meisten Einnahmen 2016 erzielt wurden. «Das hat auch damit zu tun, dass wir häufiger geöffnet haben als früher», kommentiert sie die Zahlen.

Das Geld – im Jahr 2018 waren es immerhin 32 000 Franken – wird für Vergabungen eingesetzt. So sind letztes Jahr 31 Institutionen und Vereine im In- und Ausland mit einem finanziellen Zustupf unterstützt worden. «Wir vergeben lieber kleine Beträge, dafür aber an mehrere Stellen», begründet die Brocki-Leiterin die grosse Anzahl der Empfänger. Diese werden in Absprache mit den Brocki-Frauen und dem Vereinsvorstand bestimmt.

Helferinnen gesucht

Das Brocki von Männedorf ist am Mittwoch und Donnerstag jeweils nachmittags und an Samstagen von 10 bis 12 Uhr geöffnet, was insgesamt zehn Stunden in der Woche ausmacht. Dies auch während der Schulsommerferien, wenn andere Brockenhäuser geschlossen bleiben.

Margrit Juvalta stehen 31 Mitarbeiterinnen zur Seite, für die sie alle vier Monate einen Einsatzplan erstellt. «Es gibt solche, die arbeiten viermal im Monat und andere, die nur einmal alle zwei Monate kommen können», begründet sie die Anzahl der Freiwilligen, wobei sie gut und gerne noch ein bis zwei Personen gebrauchen könnte.

Die Mitarbeiterinnen sind es, die das gebrachte Gut annehmen, aussortieren und kontrollieren, ob alles ganz ist. Denn kaputte, beschädigte oder verschmutzte Gegenstände und Kleider können nicht verkauft werden. «Wir haben auch schon mal Geschirr waschen und Kleinigkeiten an Textilien flicken müssen, aber das soll die Ausnahme bleiben», meint sie und führt ins Lager mit dem winzigen Lavabo, das für den Abwasch ungeeignet ist. Das Waschen und Bügeln von Kleidern hingegen gehöre eindeutig nicht zum Brocki-Service. Textilien, die nicht für den Verkauf geeignet, aber noch tragbar sind, landen in der Altkleidersammlung oder würden direkt in den Osten verschickt.

40 Prozent Jubiläumsrabatt

Kostbares, wie Gold- und Silberschmuck etwa oder wertvolle Porzellanfiguren und Steiff-Plüschtiere, sind in einer verschliessbaren Vitrine ausgestellt, die nahe der Kasse steht. Es seien halt schon Dinge gestohlen worden, darum diese Massnahme. An den Betriebstagen sind jeweils drei oder vier Personen als Helfer anwesend. Doch diese könnten nicht Polizistinnen spielen, sagt Juvalta.

Der billigste Gegenstand sind Knöpfe für fünf Rappen das Stück. Das Sortiment reicht von Spielsachen über Schuhe und wenigen Möbeln bis zu Büchern, DVDs, Koffern und Haushaltsartikel. Es gibt Leute, die leihen sich in der Brocki Geschirr und Gläser für ein Fest aus, um Plastikabfall zu vermeiden: «Sie bezahlen dann so viel, wie sie wollen.»

Jeden Monat gibt es eine Halbpreis-Aktion: Zur Ferien- und Wanderzeit im August sind das Sonnenhüte, Stöcke, Wanderschuhe, Rucksäcke, Trinkflaschen und Plastikgeschirr. Das 40-Jahr-Jubiläum wird ebenfalls mit einer Aktion gefeiert: Vom 21. bis 24. August gibt es 40 Prozent Ermässigung auf das gesamte Sortiment.

Brocki Frauenverein Männedorf, Saurenbachstr. 6, Männedorf. www.frauenverein-maennedorf.ch

Erstellt: 03.08.2019, 10:22 Uhr

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