Meilen

Böse Blicke, wenn die berufstätige Mutter am Schulbesuchstag fehlt

Das Gefühl, dass ihnen alle Türen offenstehen, hält bei Frauen nach dem Hochschulabschluss oft nicht lange an. Was zu tun ist, damit Karriere und Familie besser vereinbar werden, diskutierte eine Frauenrunde im Löwen Meilen.

Damenrunde, befragt von einem Herrn: Unternehmerinnen und Politikerinnen am Podium über Frauen im Spannungsfeld von Karriere und Familie.

Damenrunde, befragt von einem Herrn: Unternehmerinnen und Politikerinnen am Podium über Frauen im Spannungsfeld von Karriere und Familie. Bild: Manuela Matt

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Einige illustre Namen waren unter den Podiumsgästen, die am Donnerstag in Meilen über das Thema «Frauen im Spannungsfeld von Karriere und Familie» diskutierten: Petra Gössi etwa, Präsidentin der FDP Schweiz, und die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh. Rund 130 Personen erschienen an der Diskussion im Restaurant Löwen, die den Auftakt bilden soll für eine Reihe ähnlicher Anlässe. Dafür haben sich FDP-Ortsparteien aus dem Bezirk Meilen und die Zürcher Kreispartei 7+8 zusammengeschlossen.

Im Jürg-Wille-Saal sprachen unter der Moderation von FDP-Nationalrat Beat Walti sechs Wirtschaftsvertreterinnen und FDP-Politikerinnen miteinander und diskutierten Lösungsansätze zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sunnie Groeneveld ist Gründerin des Beratungsunternehmens Inspire 925. Sie resümierte zum Beginn den Status quo. «Es beenden gleich viele Frauen und Männer die Universität», sagte sie. Man habe das Gefühl, es stünden einem alle Türe offen. Schnell merke man aber als Frau, dass dem nicht so sei. Statistische Erhebungen würden dies beweisen. Doch nicht nur in den Verwaltungsräten und in Kaderpositionen würden Frauen fehlen. «Auch in technisch orientierten Start-ups sind Frauen selten», sagt Groeneveld.

Selbstverwirklichungin liberalem Staat

Janine Meyerstein konnte sich als CEO und Verwaltungsrätin des Familienunternehmens Autop und Stützliwösch in einem männerdominierten Umfeld durchsetzen. Wie so etwas gelinge, wollte Moderator Beat Walti wissen. «In meiner Familie gab es die Frage nach Männer- oder Frauenberuf gar nicht», sagte Meyerstein. Auch dass eine Vereinbarkeit von Kind und Karriere möglich ist, sei ihr von ihren ­Eltern vorgelebt worden. Meyerstein ist alleinerziehende Mutter von Zwillingsmädchen, die von einer Nanny betreut werden, wenn sie arbeitet.

Auch FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh griff auf die Unterstützung einer Nanny zurück, als ihre drei Söhne klein waren und sie gleichzeitig in ihrer Anwaltskanzlei arbeitete. «Menschen sollen sich aufgrund ihrer Talente in einem liberalen Staat selbst verwirklichen können», definierte Walker Späh den Begriff Karriere. Es sei also genauso in Ordnung, wenn sich eine Frau dafür entscheidet, sich ganz ihrer Rolle als Mutter zu widmen, wie wenn sie lieber wieder arbeiten möchte. Genau diesen Spagat macht auch Mimi Mirja Richner Mollerus. Sie führt seit 2011 das Familienunternehmen Maison Mollerus und hat zwei kleine Kinder. Ihr fehle oft die nötige Flexibilität, um an zwei Orten gleichzeitig zu sein. «Ich ernte böse Blicke von anderen Müttern, wenn ich an Schulbesuchstagen meiner Kinder fehle», sagte sie.

Flexibilitätals wichtigstes Gut

Für mehr Flexibilität der Arbeitgeber plädierte Patricia Widmer. Sie ist verantwortlich für den Lehrgang «Woman Back to Business» an der Universität St. Gallen und weiss, womit sich Frauen beim Wiedereinstig ins Berufsleben herumschlagen müssen. Es sei utopisch zu glauben, dass die Rückkehr in die Arbeitswelt nach einer Babypause reibungslos funktionieren würde. Flexible Arbeitszeiten wären ihrer Meinung nach ein richtiger Ansatz. Für Frauen, aber auch für Männer. «Das ist kein Frauenthema. Es betrifft die ganze Gesellschaft», sagte Widmer.

FDP-Präsidentin Petra Gössi unterstützte diese These. «Allerdings», sagt sie, «hinkt die Politik der Wirtschaft hinterher.» Für solche Arbeitsbedingungen sei der gesetzliche Rahmen noch zu wenig flexibel. Es gebe noch viel zu tun.

Was Frauen denn heute schon tun könnten, um ihre Karriere voranzutreiben, wollte Moderator Beat Walti wissen: «Sollen sie freiwillig in die Armee? Oder sollen sie Golf spielen und in einen Lions Club eintreten?»

Die Podiumsteilnehmerinnen waren sich einig: Netzwerke sind enorm wichtig. Carmen Walker Späh empfiehlt keine reinen Frauennetzwerke. «Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass gemischte Teams besser funktionieren», sagte sie. Auch Patricia Widmer ist überzeugt von der Kraft der Netzwerke. In der Schweiz würden rund drei Viertel aller Jobs gar nicht erst ausgeschrieben. Vielmehr verteilten sich diese direkt in einem Netzwerk. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.11.2016, 11:01 Uhr

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