Küsnacht

Bluttat von Küsnacht: Staatsanwaltschaft zieht Urteil ans Bundesgericht weiter

Ein 34-Jähriger wurde vom Obergericht zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte seinen Jugendfreund brutal umgebracht. Nun zieht die Staatsanwaltschaft das Urteil weiter.

Der Beschuldigte beim Prozess vor Obergericht zwischen seinen Verteidigern Thomas Sprenger (stehend) und Thomas Fingerhuth.

Der Beschuldigte beim Prozess vor Obergericht zwischen seinen Verteidigern Thomas Sprenger (stehend) und Thomas Fingerhuth. Bild: Archiv Robert Honegger

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Ein damals 29-Jähriger hat seinen Jugendfreund so brutal umgebracht, dass die Richter am Zürcher Obergericht von einer «grotesken Tat» sprachen. Er stand dabei unter massivem Kokain - und Ketamineinfluss, er hatte paranoide Wahnvorstellungen. Vom Bezirksgericht Meilen wurde er zu 12.5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Vor dem Zürcher Obergericht erwirkten die drei Staranwälte des Galeristensohns ein deutlich milderes Urteil: Er muss für drei Jahre hinter Gitter.

Wie der «SonntagsBlick» nun schreibt, zieht die Staatsanwaltschaft das Urteil ans Bundesgericht weiter. Der Entschluss habe bereits vor der schriftlichen Urteilsverkündung festgestanden.

Strafe bereits abgesessen

Seine Haftstrafe von drei Jahren hat er bereits abgesessen. Das Obergericht ordnete zusätzlich eine stationäre Massnahme an, eine Suchttherapie. Diese würde höchstens vier Jahre dauern, danach wäre er wieder auf freiem Fuss. Staatsanwalt Alexander Knauss sagte nach der Urteilsverkündung, dass vor allem die stationäre Massnahme länger dauern solle. Dies hat auch der Gutachter empfohlen.

Das Obergericht verurteilte ihn wegen einer Rauschtat. Für eine solche sieht das Gesetz eine Höchststrafe von drei Jahren vor. Diese hat das Obergericht also fast ausgenützt. Die Mutter des Opfers, Katja Faber, will den betreffenden Gesetzesartikel nun ändern: Sie fordert eine Stafe von maximal 15 Jahren, wie der «SonntagsBlick» weiter schreibt. In der Politik hat sie für ihr Vorhaben bereits einen Verbündeten gefunden: Nationalrat Alfred Heer (SVP).

Das Gesetz sieht aber eine Alternative zur Rauschtat vor. Wer nämlich seine Schuldunfähigkeit vermeiden oder vermindern kann und voraussehbar ist, dass er im schuldunfähigen Zustand eine Straftat begehen wird, ist schuldfähig. Die Norm gilt zum Beispiel denjenigen, die sich vor einer Straftat Mut antrinken. Dieser Argumentation folgte das Bezirksgericht Meilen und verurteilte den Galeristensohn wegen vorsätzlicher Tötung. Weil er schon vor der Tat Straftaten im Rausch begangen habe, muss er gewusst haben, wozu er unter Drogeneinfluss fähig ist. So habe er auch seine damalige Freundin vergewaltigt. Dafür verurteilte ihn das Bezirksgericht ebenfalls.

Das Obergericht hatte an dieser Darstellung Zweifel. Die Richter befanden, dass der Täter als schuldunfähig einzustufen sei. Vom Vorwurf der Vergewaltigung sprachen sie ihn frei.

Der 34-Jährige bereut seine Tat. Sie tue ihm unermesslich leid, sagte einer seiner Verteidiger, Andreas Meili, nach der Urteilsverkündung des Obergerichts. Das letzte Wort werden nun die Richter in Lausanne haben.

Erstellt: 22.12.2019, 09:38 Uhr

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