Wochengespräch

«Auf dem Eis habe ich gelernt, das Unmögliche möglich zu machen»

Oliver Höner ist Veranstalter von Art on Ice. Bevor der Erlenbacher die weltgrösste Eislaufshow ins Leben gerufen hat, war er selbst Schweizer Rekordmeister im Eiskunstlaufen.

Oliver Höner, Begründer und Veranstalter von Art on Ice, auf der Eisbahn des Seehotels Sonne in Küsnacht.

Oliver Höner, Begründer und Veranstalter von Art on Ice, auf der Eisbahn des Seehotels Sonne in Küsnacht. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie sind früher selbst bei Art on Ice mitgelaufen. Juckt es Sie manchmal in den Füssen, Wenn sie die Läufer heute sehen ?
Oliver Höner: Nein, das war eine super Zeit, eher gegen Ende meiner Eislaufkarriere. Parallel dazu lief der Aufbau von Art on Ice. Das was ich heute mache, entspricht mir mehr. Es ist für mich interessanter, die Show weiterzuentwickeln. Ich muss selber nicht mehr im Rampenlicht stehen, habe aber Freude daran, zu sehen, wie viele gute Leute bei Art on Ice mitmachen. Und wie sich alles zu einer Show zusammenfügt, die einzigartig ist in dieser Konstellation.

Wie fügt man denn eine solche Show mit individuellen Künstlern und Eisläufern, die es sonst gewohnt sind, alleine aufzutreten, zu einem grossen Ganzen zusammen?
Art on Ice hat inzwischen eine solche Dimension angenommen, dass auch grosse Musikstars bereit sind, sich dem Konzept zu unterwerfen. Sie arbeiten aktiv daran mit, dass es nicht zu ihrem eigenen Konzert wird, sondern, dass sie Teil vom Ganzen sind. Dies ist auch aktuell mit James Blunt so. Wir hatten jetzt schon zwei Workshops, in welchen wir mit ihm diskutiert und die Songs angeschaut haben. Diese werden teilweise neu arrangiert, gekürzt oder verlängert. Für die Eisläufer ist Art on Ice sicher das Grösste, was sie weltweit machen können. Sie lieben es, vor solch einem grossen Publikum gemeinsam mit Stars auftreten zu können. Da ist niemand auf einem Egotrip.

Welche Kombination von Musik-Act und Eiskunstläufer war für Sie in der Geschichte von Art on Ice der Höhepunkt?
Stéphane Lambiel zusammen mit Anastacia war einer dieser wahnsinnig emotionalen Höhepunkte. Sie ist angesichts seines Laufs in Tränen ausgebrochen – und das war nicht gespielt. Fantastisch war auch, als letztes Jahr beim Song Clown von Emeli Sandé nicht nur ein Läufer, sondern fast das ganze Ensemble auftrat. Es gab viele emotionale Momente.

Waren Sie früher als Eisläufer vor einem grossen Wettkampf nervöser oder sind Sie es heute vor der Premiere von Art on Ice?
Es ist eine andere Art von Nervosität. Als Wettkampfläufer war ich sehr nervös, so dass es fast schon belastend war. Das musste ich umwandeln in eine positive Nervosität, was nicht immer einfach war. Bei Art on Ice ist es eine andere Nervosität. Es ist eine wahnsinnige Unruhe, die ich schon Wochen vorher merke. Man wacht in der Nacht auf und es fällt einem noch dieses und jenes ein. Wobei diese Nervosität vor der Premiere einen gewissen Höhepunkt erreicht.

Sie haben einen grossen Teil ihres Lebens dem Eiskunstlauf gewidmet: Was ist so faszinierend an diesem Sport?
Was möglich ist von der athletischen Leistung bis zum Künstlerischen ist einzigartig. Dass man die Kreativität so ausleben kann, ist in den wenigsten Sportarten der Fall. Meistens geht es um die reine Leistung und darum, schnell zu sein. Beim Eiskunstlauf braucht es Sprungkraft, Schnelligkeit, Ausdauer und man muss psychisch belastbar sein. Das andere ist die kreative Seite. Beim Eiskunstlauf funktioniert das eine nicht ohne das andere.

Was haben Sie auf dem Eis gelernt, was Ihnen als Geschäftsmann heute hilft?
Definitiv, klare Ziele zu setzen und nicht von diesen abzuweichen. Das Unmögliche möglich zu machen und sehr beharrlich sowie geduldig zu sein.

1995 fand die erste von Ihnen organisiert Eislauf-Show in der Halle der KEK in Küsnacht statt. Wie kam es dazu?
Nach meiner Wettkampfkarriere bin ich noch einige Jahre vor allem im Ausland Shows gelaufen. Ich wollte aber meine eigene Show auf die Beine stelle, um nicht mehr so viel im Ausland laufen zu müssen. Das mit Küsnacht war ein Testballon. Es war zwar keine organisatorische Meisterleistung, hat jedoch gut eingeschlagen.Damals hatten wir noch keine Live-Musik, aber es blieb die einzige Show ohne. Im nächsten Jahr wurde es dann zu Art on Ice und wir sind ins Hallenstadion umgezogen. Wenn wir die Basis Küsnacht nicht gehabt hätten, hätten wir nicht ins Hallenstadion gehen können. Es war wichtig, für einen guten Start und um zu sehen, dass das Schweizer Publikum auf Qualität anspricht.

Sie organisierten Art on Ice von Beginn an, mit ihrem Geschäftspartner und Co-CEO Reto Caviezel zusammen. Funktionieren Sie wie ein altes Ehepaar?
Das kann man definitiv so sagen.

Gab es nie einen Punkt, an dem es schwierig wurde?
Nein, wir haben ein Vertrauensverhältnis, das immer noch super funktioniert. Jeder hat seinen Bereich: Reto hat mit der Show und der Produktion nichts zu tun und ich habe mit anderem wie den Finanzen Gott sei Dank nichts zu tun. Wichtige strategische Entscheide fällen wir gemeinsam. Das einzige was sich geändert hat: Seit wir mit der Firma umgezogen sind, haben wir zwei Büros. Es ging von der Raumaufteilung her nicht anders. Vorher sassen wir 20 Jahre im gleichen Büro. Das hat am Anfang sehr viel gebracht, weil man immer sofort wusste, woran der andere arbeitet. Jetzt ist es nicht mehr so entscheidend, dass wir im gleichen Büro arbeiten: Wir wissen trotzdem noch genau, was der andere macht.

Welchen Star würden Sie gerne noch bei Art on Ice präsentieren?
Beyonce, Shakira, Elton John, Sting, Robbie Williams sind grossartige Künstler, die hervorragend zu Art on Ice passen würden.

Und wie sieht es bei den Eiskunstläufern aus?
Ich würde gerne Yuzuru Hanyu begrüssen, den zweifachen Olympiasieger aus Japan. Hoffentlich wird er 2020 dabei sein. Er zeigt etwas vom Genialsten, das man je auf dem Eis gesehen hat.

Werden Ihre beiden Kinder auch Eiskunstlaufstars?
Nein, das wissen wir jetzt schon. Sie sind dafür recht gut im Tennis.

Aber gelegentlich gehen sie wahrscheinlich schon mit ihren Kindern Schlittschuhlaufen?
Nicht wirklich. Meine Kinder gehen hin und wieder mit Kollegen aufs Eis, aber ich habe meine Schlittschuhe konsequent aus- und nicht mehr angezogen. Ich ziehe das nicht als Prinzip durch, aber ich habe kein Bedürfnis mehr aufs Eis zu gehen.

Art on Ice feiert bald Premiere in Zürich. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Wir versuchen Art on Ice als Gesamtkunstwerk zu machen und nicht wie im Zirkus, wo man versucht strategisch zwei, drei Nummern zu platzieren, bei denen das Publikum denkt, das war richtig gut. Mein Anspruch ist, dass jede Nummer ein Highlight ist. Es wird sehr viel Schönes und Spannendes passieren.


Die Eislaufshow Art on Ice läuft vom 7. bis 10. Februar sechs Mal im Hallenstadion in Zürich. Danach gastiert die Show bis 17. Februar in Lausanne, Davos und Basel. Infos und Tickets unter www.artonice.com

Erstellt: 20.01.2019, 13:51 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles