Schulen

Auch nach Schulbeginn fehlen Heilpädagogen

Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen sollen in Regelklassen integriert werden. So will es das Volksschulgesetz. Der Bedarf an Heilpädagogen ist deshalb in den letzten Jahren stark gestiegen. Auch im Bezirk Meilen fehlen zu Schulbeginn nach wie vor qualifizierte Lehrkräfte.

Die Schulen in Meilen, hier die Schulanlage Allmend, haben ebenfalls Mühe, genug Heilpädagogen zu finden.

Die Schulen in Meilen, hier die Schulanlage Allmend, haben ebenfalls Mühe, genug Heilpädagogen zu finden. Bild: Patrick Gutenberg

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Der eklatanteste Lehrermangel betrifft schweizweit die Heilpädagogen. Seit 2005 werden Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen wenn möglich im Rahmen der Regelklasse unterrichtet. Damit ist der Bedarf an heilpädagogisch ausgebildeten Lehrpersonen stark gestiegen. Auch im Bezirk Meilen, wo sich die Lehrersituation ansonsten positiv zeigt, bekunden viele Schulen Mühe, genügend Heil­pädagogen zu finden.Besonders akut ist die Situation in Meilen, wo auch nach Schulanfang noch drei Stellen ausgeschrieben sind. Rektor Jörg Walser bestätigt, dass die Schule Probleme hat, geeignete Personen zu finden. Im Stellenbeschrieb werden deshalb auch Lehrer angesprochen, die noch keine heilpädagogische Ausbildung abgeschlossen haben. «Leider können wir nicht alle Stellen mit diplomierten Heilpädagogen besetzen», sagt Walser. Voraussetzung für eine Anstellung sei aber ein Lehrerdiplom.

Das Vorgehen in Meilen ist kein Einzelfall. Auch die Primarschule und der Kindergarten in Oetwil beschäftigen laut Schulleiter Christian Heusser einzelne Lehrpersonen als Heilpädagogen, obwohl sie noch nicht fertig ausgebildet sind. Die Problematik betreffe vor allem den Kindergarten.

«Natürlich haben wir kein Interesse daran, unqualifizierte Personen einzustellen», betont Heusser. Die kantonalen Vorgaben erlauben es den Schulen aber, Lehrpersonen ohne heilpädagogisches Diplom zu beschäftigen, sofern diese für einen Ausbildungsplatz angemeldet sind und diesen innerhalb von drei Jahren antreten.

Zahl der Ausbildungsplätze steigt

Diese Regelung macht sich auch die Sekundarschule Oetwil zunutze. «Bei uns arbeitet eine Lehrerin als Heilpädagogin, die zwar noch keinen Abschluss für Heilpädagogik hat, aber in einem Praktikum schon mit Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen zu tun hatte», sagt Schulleiter Mark Bugmann.

Ausgebildet werden Heilpädagogen im Kanton Zürich an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. Der Kanton kauft bei der Schule die Anzahl benötigter Studienplätze. Bugmann sieht den Kanton denn auch in der Pflicht: «Dieser müsste mehr Ausbildungsplätze schaffen», sagt er.

Marion Völger, Leiterin des Volksschulamts Zürich, bestätigt, dass das Volksschulamt im Bereich der schulischen Heilpädagogik seit längerem einen Mangel an qualifizierten Lehrkräften verzeichnet. «Die Zahl der Lehrpersonen, die eine entsprechende Ausbildung absolvieren, hat sich in den vergangenen Jahren aber stark erhöht.»

Dass weiterhin ein Mangel an Heilpädagogen besteht, ist laut Völger auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. «Mitverantwortlich sind zum einen die steigenden Schülerzahlen im Kanton Zürich», sagt sie. «Der wichtigere Grund ist jedoch die Zunahme an Sonderschulmassnahmen, insbesondere der integrierten Sonderschulung.»

Unterstützungdurch Fachstellen

Ist es nicht problematisch, wenn Lehrer ohne heilpädagogische Ausbildung Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen betreuen? Marion Völger beschwichtigt: «Im ersten Jahr nach Aufnahme ihrer Tätigkeit müssen solche Lehrpersonen an der Hochschule für Heilpädagogik das Modul Förderdiagnostik und -planung absolvieren und innerhalb von drei Jahren ihre Ausbildung beginnen», sagt sie.«Zudem werden die betreffenden Lehrer durch spezialisierte Sonderschulen und Fachstellen unterstützt.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.08.2017, 19:39 Uhr

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