Meilen

Auf der Jagd nach virtuellen Monstern

Die zwei ZSZ-Redaktoren Fabia Bernet und Valentin Kälin wagen den Selbstversuch: Sie haben das Spiel «Pokémon Go» auf ihre Smartphones geladen und machen sich auf die Suche nach den Pokémon-Fabelwesen rund um den Zürichsee.

Den Blick auf das Smartphone gerichtet, gilt es für uns, das Pokémon Evoli zu fangen.

Den Blick auf das Smartphone gerichtet, gilt es für uns, das Pokémon Evoli zu fangen. Bild: Fabia Bernet

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Für uns als Kinder der 90er-Jahre waren die kleinen Fabelwesen namens Pokémon überall präsent: Auf dem Pausenhof tauschten wir die beliebten Pokémon-Kärtchen fleissig untereinander. Auf dem Gameboy jagten wir den Fabeltierchen ebenfalls stundenlang hinterher. Das Handyspiel «Poké­mon Go» (siehe Box) war also für uns ein Kindertraum, der in Erfüllung ging. Wie gerne wollten auch wir uns früher auf die Suche nach den Pokémon machen.

Das Bild der starren Blicke, die im Zug auf das Smartphone gerichtet sind, ist für uns normal: Die Köpfe der Pendler sind gesenkt, die Finger tippen rasant auf den Bildschirm. Seit der Lancierung des Handyspiels «Pokémon Go» ist das anders: Das Szenario verschiebt sich auf die Strassen.

Als Erwachsene, die mit dem Internet aufgewachsen sind, ist klar: Wir gehen auf Pokémon-Suche! Mit dem Handy in der Hand spazieren wir umher und versuchen Pokémon zu fangen. Mittels GPS und der integrierten Kamera sehen wir unsere Umgebungauf dem Bildschirm. Eine Verschmelzung von virtueller Welt und Realität. Unsere erste Etap­pe führt von Stäfa nach Männedorf. Die Bilanz ist einigermassen erfolgreich: 23 neue Pokémon gehen uns ins Netz. An den 14 sogenannten Pokéstops können wir neue Fangbälle sammeln. Beim Seeclub Stäfa, lassen wir es uns nicht nehmen, die dort platzierte virtuelle Pokémon-Arena zu erobern. Für eine ganze Stunde regiert unser Team Rot an der Seestrasse. Bevor sie dann von einem gegnerischen Team zurückerkämpft wird. Sie sind also wirklich da draussen, die Pokémon-Jäger. Bei der Fischotterhaab in Männedorf entdecken wir auf unserem Bildschirm einen Pokéstop, von dem Pokémon angelockt werden. Wir gesellen uns zu zwei Männern, schätzungsweise Mitte 20, die ebenfalls spielen. Wir tauschen uns kurz über unsere Levels aus und werden nostalgisch: «Die Zeit, als wir auf dem Pausenhof Pokémon-Karten tauschten, war genial», erinnert sich einer der anwesenden Spieler.

Am Schiffsteg Wädenswil angekommen, staunen wir nicht schlecht: Gleich drei Arenen warten darauf, von uns erobert zu werden. Doch die gegnerischen Teams – vor allem das bei der Arena «Skaterhalle» – sind viel stärker. Uns wird klar: Wir müssen besser werden. Also platzieren wir uns zwischen den beiden Pokéstops «Haus zum Merkur» und «Henkell Trocken», sammeln fleissig Bälle und warten auf weitere Taschenmonster. Ein kurzer Halt im Schatten kommt uns nach fast drei Stunden pausenloser Pokémon-Jagd an der Mittagssonne ohnehin entgegen.

Als unsere Handyakkus langsam der Schwäche erliegen, beschliessen wir, uns im Avec am Wädenswiler Bahnhof zu stärken und dann das Schiff zurück nach Stäfa zu nehmen. Während wir in der Schlange stehen, taucht in der Nähe ein Pokémon auf. Natürlich müssen wir dieses ­einfangen. Der Verkäufer lacht: «Spielt ihr ‹Pokémon Go›?» Wir nicken und fragen zurück. «Nein, spinnt ihr!? Ich habe es einen Tag lang gespielt, musste es aber ­wieder löschen. Sonst würde ich sofort süchtig», entgegnet er.

Zurück in Stäfa zogen wir Bilanz: 39 Pokémon gefangen, 21 Poké­stops und acht Arenen passiert, fast sieben Kilometer hinter uns und dabei sehr vielen anderen Pokémon-Jägern begegnet. Das Spiel bringt einem definitiv in Bewegung und unter die Leute. Ob wir nun auch süchtig sind? Noch nicht. Wenn aber ein gegnerisches Team unsere ZSZ-Arena in Stäfa einnimmt, können wir es ab jetzt nicht unversucht lassen, unsere «Heimarena» wieder zu­rückzuerobern.

Erstellt: 23.07.2016, 10:09 Uhr

Was ist Pokémon Go?

Am 6. Juli erschien in Australien und den USA die App «Pokémon Go» des japanischen Spieleherstellers Nintendo. Seit einer Woche ist sie auch in der Schweiz kostenlos erhältlich. Die App ­löste einen regelrechten Boom aus. Weltweit wurde sie bereits millionenfach heruntergeladen, momentan liegt sie in allen Startländern an der Spitze der Downloadcharts.

Im Spiel geht es darum, möglichst viele Fabelwesen, also ­Pokémon, zu fangen – und das auf quasi-realem Terrain. Das Stichwort lautet «Augmented Rea­lity», eine computergestützte ­Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Dank Google Maps erscheinen die fiktiven Wesen auf einer realen Karte, nämlich da, wo sich die Spieler mit dem Smartphone gerade befinden. Dies führt dazu, dass man sich in der realen Welt bewegen muss, um auf Pokémon zu stossen. Dabei trifft man auf andere Spieler sowie auf sogenannte Poké­stops, Wegpunkte, wo für das Spiel wichtige Gegenstände zu finden sind. An belebten Orten hat es zudem Arenen, wo die eigenen Pokémon zum Kampf gegen andere Spieler antreten können. Dabei steigen die Pokémon und der Spielcharakter im Level stetig auf. Ziel des Spiels ist es, alle 151 Pokémon zu finden und zu fangen. kav

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