Stäfa

Stäfa rüstet sich für 3500 zusätzliche Einwohner

Bis 2040 wird Stäfa um bis zu einem Viertel der Bevölkerung zunehmen. Ein qualitatives Wachstum soll die Revision der Bau- und Zonenordnung garantieren. Jetzt hat der Gemeinderat den Planungsprozess eröffnet.

Architektonisch ansprechendes Neues neben Altem bauen: So wie hier im Stäfner Quartier Spittel soll die Verdichtung im Zuge der BZO-Revision funktionieren.

Architektonisch ansprechendes Neues neben Altem bauen: So wie hier im Stäfner Quartier Spittel soll die Verdichtung im Zuge der BZO-Revision funktionieren. Bild: Sabine Rock

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Der Gemeinderat orientierte nur. Es gab keine Abstimmung. Und es ging am Montagabend im Gemeindesaal Obstgarten um ein abstraktes Thema. Dennoch kamen rund 150 Bürgerinnen und Bürger zur informellen Anhörung «Räumliches Entwicklungsleitbild». Es gab schon Gemeindeversammlungen mit geringerem Zuspruch.

Das beweist wie gross das Interesse am Bevölkerungswachstum in Stäfa ist, zumal gerade erst ein grosser Schub zu Ende ging, in dem die Gemeinde innerhalb von 15 Jahren um über 2000 auf heute 14500 Einwohner zunahm. Dennoch gilt das Motto «Wir wollen ein Dorf bleiben». Wie soll das gehen, wenn der Kanton Zürich laut eigenem Richtplan 300'000 Zuzüger bis ins Jahr 2040 erwartet? Der Siedlungsdruck verteilt sich auf den ganzen Kanton.

Reserven bald verbaut

In Stäfa lebt ein Prozent der Zürcher, also muss es in den nächsten 20 Jahren mit weiteren 3000 bis 3500 Menschen rechnen. Hochbau- und Planungsvorstand Andreas Utz (GLP) nannte es an der Orientierungsversammlung «eine total spannende aber auch komplexe Aufgabe». Nach der letzten Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) 2009 gelte es nun, Stäfa siedlungspolitisch und planerisch auf die kommenden zwei Jahrzehnte vorzubereiten. Neben den Vorgaben von Bund und Kanton bestimme auch der 2017 verabschiedete Regionale Richtplan das von der Gemeinde zu erarbeitende räumliche Entwicklungsleitbild.

«Schon die eigenen Kinder wollen hier leben, bevor wir Eltern gegangen sind.»Andreas Utz, Gemeinderat Stäfa

Was das in der Praxis heisst, erklärte Peter von Känel vom Planungsbüro Suter, von Känel und Wild AG (Zürich). «Siedlung, Landschaft, Verkehr und Infrastruktur müssen aufeinander abgestimmt werden.» Grossen Spielraum hat Stäfa jedoch nicht, denn eine Entwicklung ist nur innerhalb des bestehenden Siedlungsraums möglich. Nur dort können noch Bauzonen ausgeschieden werden. «Neue Einzonungen sind kein Thema im Kanton Zürich», machte von Känel in aller Deutlichkeit klar. Da Stäfa jedoch nur noch Baulandreserven von 24 Hektaren besitzt, ist ein Ende der Expansion nach heutiger Gangart absehbar. Im Durchschnitt der letzten 15 Jahre wurden jährlich 1,9 Hektar überbaut. Zuletzt sank diese Quote zwar auf 0,8 Hektar, was dennoch nur für 30 Jahre reicht.

Noch dichter bauen

Das Rezept lautet daher: Nutzungsdichte erhöhen. Das gilt vor allem in schwach überbauten Gebieten wie im Quartier Oberhausen im Westen und in Ürikon, nordöstlich des Quartiers Moritzbergs im Osten der Gemeinde. Wo bereits dicht gebaut ist, wird es noch enger. Peter von Känel zählte vier Möglichkeiten auf, ein überbautes Grundstück besser zu nutzen: Aufstocken, Anbau, Zusatzbau und grösserer Neubau.

Alles müsse aber unter Einhaltung des «qualitativen Wachstums» passieren, sagte er. Die Freiräume zwischen den Gebäuden und Quartieren sollen «siedlungsgliedernd wirken, die Ortsteile ihren Charakter behalten». Die Zentren sollten weiterentwickelt, die Quartierversorgung verbessert werden, führte der Ortsplaner aus. Insbesondere die Entwicklung am Bahnhof, die Erhaltung der Arbeitsgebiete, die Verkehrslenkung und –beruhigung sowie die Aufwertung der Strassenräume würden im Zusammenhang mit der inneren Verdichtung als Schwerpunkte berücksichtigt.

Druck von den Kindern

In der Fragerunde war vor allem die Angst vor dem Verlust des dörflichen Charakters zu spüren. Eine Frau brachte es auf den Punkt: «Noch mehr Wachstum, braucht es das?» Die Antwort von Gemeinderat Utz fiel unmissverständlich aus. Weder den Vorgaben des Kantons, noch dem Zuwanderungsdruck könne sich Stäfa verwehren. «Und schon die eigenen Kinder wollen einmal hier leben bevor wir Eltern gegangen sind. Auch das löst Druck aus.»

Der Gemeinderat wird weitere Orientierungen zur Revision der BZO durchführen, versprach Utz. Die öffentliche Auflage sei in rund einem Jahr zu erwarten.

Erstellt: 03.09.2019, 17:09 Uhr

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