Uetikon

Spotten über das Dorf und die Welt

Die Uetiker Fasnacht gibt es seit 54 Jahren. Eine der heute bestehenden drei Cliquen sind die Baditüüfel, die seit vier Jahrzehnten mit ihren Schnitzelbänken von Beiz zu Beiz ziehen.

Susanne Huber zieht seit 1979 als Baditüüfel während der Fasnacht durch Uetikons Beizen.

Susanne Huber zieht seit 1979 als Baditüüfel während der Fasnacht durch Uetikons Beizen.

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Susanne Huber war von Anfang an dabei, hat sie doch mit drei weiteren Fasnachtsbegeisterten 1979 die Baditüüfel ins Leben gerufen. «Ich habe damals geholfen, die Fasnachtszeitung zu verkaufen, sah und hörte zum ersten Mal die Schnitzelbänkler und fand das Ganze einfach lässig», blickt die 57-Jährige zurück. Daraus entstand die Idee, selber mit einer eigenen Clique an der Beizenfasnacht mitzumachen und in Versform mit Spott, Häme und Witz über Prominente und Politiker, übers Dorf- und Weltgeschehen herzuziehen.

Da die Kollegin und Gründungsmitglied Blanka Krämer da noch in der Uetiker Seebadi tätig war, war mit Baditüüfel zwar rasch auch ein witziger Name gefunden. Was fehlte, war hingegen eine passende Maske, ohne die sich keine Clique auf die Strasse wagt.

Mit Basler Fasnachtspapier

«Wir suchten den inzwischen verstorbenen Bildhauer Karl Strebel auf, der bekannt war für seine Masken», erzählt Huber weiter. Doch weil bei ihm noch alte Masken herumlagen, wollte er sie damit abfertigen. «Wir jedoch wollten neue und ganz auf uns zugeschneiderte Modelle.» Also habe man sich in Basel das echte Fasnachtspapier besorgt und in einem aufwändigen Prozedere die Teufelsmasken daraus geformt und geleimt. Einer der Baditüüfel beschaffte gar richtige Kuhhörner aus dem Zürcher Schlachthof.

Noch heute sind es diese Masken, hinter denen sich die Schnitzelbänkler seit ihrem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit im 1980 verstecken. «Der Kari Strebel hat nur so gestaunt und sich über die schönen Hörner gewundert», meint Susanne Huber mit einem Lachen. Zum Outfit gehören noch ein schwarzer Overall, das knallrote Gilet und natürlich der Teufelsschwanz.

Ohne Helgen geht es nicht

Während Susanne Huber nun seit 40 Jahren alljährlich mit ihrer Gitarre singend die Schnitzelbänke vorführt, sang Blanka Krämer die ersten 20 Jahre mit, malte daneben die Helgen und kümmert sich seit 20 Jahren nur noch um diese. So nennt man im Fasnachtsjargon die Bilder, mit denen die Schnitzelbänke illustriert werden. An einem Galgen aufgehängt werden sie während des Vortrags geblättert. Einzig das Schnupftruckli, hinter dem sich der Gemeindepräsident Urs Mettler verbirgt und der als Einzelmaske von Beiz zu Beiz zieht, kommt ohne Helgen aus.

Traten früher noch bis zu acht Cliquen in Uetikon auf, sind es mit den Uetiker Seck deren noch drei. Ab 20 Uhr machen sie am Samstag (9. März) die Runde in den Restaurants Sonnenhof, Fumagalli und Rick’s Café (ehemals Krone). Daneben stehen Auftritte in der Turnhalle Weissenrain an, wo am Freitag (8. März) der Maskenball angesagt ist. Dieser wird jeweils vom Verein Uetiker Chreiselfrösche organisiert. Die einzige örtliche Guggenmusik in der Fasnachtshochburg Uetikon, zu der sich das Narrentreiben in den 54 Jahren seines Bestehens gemausert hat, sind die Konfusiker. Mit ihrem kakophonischen Beitrag beschallen sie den Maskenball in der Turnhalle und beteiligen sich ebenfalls an der Beizentour.

500 Verse in 40 Jahren

Zurück zu den Baditüüfel: Seit 20 Jahren mit dabei ist Loretta Cianciarulo, die Blanka Krämer ablöste. Das Quartett vervollkommnen derzeit mit Marco und Remo die beiden Söhne von Susanne Huber, die ihnen das Gen des Verslens mitgegeben hat. Womit das Verslen bei den Baditüüfel reine Huber Sache sei, wie die Mutter bestätigt. Sie selber, so vermutet sie, hat es wohl vom Vater: Er habe jeweils an Geburtstagen die Kinder mit seinen Versen unterhalten. Einfach seien Schnitzelbänke nicht, gilt es doch, so viel Information wie möglich in vier Zeilen zu packen und dabei erst noch eine pfefferscharfe Pointe hinzukriegen. Unterstrichen werden die Verse mit verschiedenen Melodien, bei denen sich die Uetiker von Basler Cliquen inspirieren liessen.

Wem oder welchem Ereignis sich die Baditüüfel heuer mit spitzer Zunge annehmen werden, das will Susanne Huber partout nicht preisgeben. Einzig, dass vermehrt Lokales im Fokus steht. Und wechselt elegant das Thema: «Mit durchschnittlich zwölf Versen pro Jahr in den letzten 40 Jahren haben sich bei uns fast 500 Verse angesammelt», rechnet sie vor. Und ja, man werde sich wegen des Jubiläums in Versform an frühere Zeiten erinnern.

Uetiker Fasnacht am Freitag, 8. März (Maskenball) und Samstag, 9. März (Beizenfasnacht). Weitere Infos auf www.uetiker-fasnacht.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.02.2019, 21:06 Uhr

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