Gesundheitswesen

Spital Affoltern vor dem Aus: Wie steht es um die Spitäler am See?

Die Spitäler am Zürichsee sehen auch nach dem möglichen Aus fürs Spital Affoltern intakte Zukunftsperspektiven. Sie haben die notwendigen Anpassungen bereits vorgenommen.

Der Stadtrat von Affoltern am Albis sieht keine Perspektiven mehr für sein Spital und will es schliessen.

Der Stadtrat von Affoltern am Albis sieht keine Perspektiven mehr für sein Spital und will es schliessen. Bild: Keystone

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Vorweg die gute Nachricht: Im Gegensatz zum Spital Affoltern stecken die Spitäler am Zürichsee nicht in einer Krise, und zu einer Schliessung, wie im Fall des einzigen Spitals im Knonauer Amt angedroht, wird es hier ebenfalls nicht kommen. Das sagen alle angefragten Spitäler in der Region wie das Spital Männedorf - als nächstgrösseres Spital nach Affoltern mit doppelt sovielen Austritten - und das Spital Zollikerberg sowie das grösste Spital am See, das See-Spital.

Hier verweist Direktor Matthias Pfammatter darauf, dass sich das See-Spital mit den beiden Standorten in Horgen und Kilchberg schon vor zwölf Jahren vom Zweckverband der Gemeinden gelöst und sich unabhängig in einer privatrechtlichen Stiftung neu organisiert habe. Somit hätten die Gemeinden - im Gegensatz zu Affoltern - keinen Einfluss mehr auf die Geschicke des Spitals.

Stets proaktiv gehandelt

Allerdings kämpfen auch die Regionalspitäler am See mit strukturellen Problemen. So sind die Rahmenbedingungen für die Zürcher Spitäler nach Angaben von Pfammatter viel enger geworden. Die Spitäler im Zentrum würden von der Stadt und vom Kanton unterstützt, die Spitäler auf dem Land hingegen nicht. Das See-Spital habe aber stets proaktiv gehandelt und zweimal fusioniert, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Dank der rechtzeitigen Einleitung von Massnahmen werde am See-Spital weiterhin eine genügende Gewinnmarge erarbeitet, um Investitionen in Erneuerung und Innovation zu ermöglichen: «Damit können wir unsere Spitalstandorte, die Nähe zur örtlichen Bevölkerung und die vielen Arbeitsplätze nachhaltig sichern». Zudem lasse das See-Spital seine bauliche Infrastruktur nicht veralten, betont Pfammatter. Deshalb sei in Horgen rechtzeitig das Projekt See-Spital Neo eingeleitet worden. Die Bauarbeiten seien in vollem Gange.

Reserven für zehn Jahre

Investiert haben in den vergangenen Jahren auch die übrigen Spitäler am See. «Wir haben die grossen Investitionen bereits hinter uns, das ist ein grosser Vorteil», sagt Stefan Metzker, CEO des Spitals Männedorf. Er betont, dass sich die Situation nicht mit jener in Affoltern vergleichen lasse. Das Spital Männedorf habe vor einigen Jahren eine Neuorganisationen in Angriff genommen und stehe deshalb nun gut da. «Wir haben uns gut an die Bedürfnisse der Region angepasst, ohne uns in die reine Altersmedizin zurückzuziehen.» Diese bilde aber sehr wohl einen Schwerpunkt.

«Wir haben die grossen Investitionen bereits hinter uns, das ist ein grosser Vorteil.»Stefan Metzker, CEO des Spitals Männedorf

Im kantonalen Vergleich sei das Spital mit seinen 140 Betten sehr gut ausgelastet, sagt Metzker weiter. «Seit Oktober sind wir fast durchgehend voll belegt.» Zeitweise stosse man sogar an Kapazitätsgrenzen. Entscheidend sind aber letztlich nicht nur die Auslastungszahlen, sondern auch die Finanzen. «Wir befinden uns finanziell in einer guten Situation», sagt der CEO. Das Spital habe grosse Reserven aufbauen könne, die für die Werterhaltung der Gemeinden - der Aktionärinnen - des Spitals wichtig seien. «Sogar in einem Worst-Case-Szenario wären wir für die nächsten zehn Jahre abgesichert.»

Auch der Küsnachter Gesundheitsökonom Willy Oggier gibt Entwarnung: Er rechne nicht damit, dass in nächster Zeit ein anderes Spital im Kanton schliessen müsse, sagte er gegenüber dem Tages-Anzeiger. Die übrigen Spitäler hätten sich besser positioniert. Vor ein paar Jahren habe es in Männedorf noch anders ausgesehen. Das Spital habe sich damals in einer vergleichbaren Situation wie Affoltern befunden. Es habe aber mit verbindlichen Kooperationen mit anderen Spitälern einen Ausweg gefunden. Stefan Metzker bestätigt das. In den Jahren 2012 und 2013 habe in Männedorf eine gewisse Orientierungslosigkeit geherrscht, die man zum Glück überwunden habe. Die Entwicklung bleibt aber nicht stehen. «Wir planen bereits für die nächsten zehn Jahre», sagt der Spital-CEO. So will das Spital unter anderem die verstärkte Verschiebung des Angebots in den ambulanten Bereich anpacken.

Nähe zur Stadt nützt

Auch das Spital Zollikerberg, hinter dem eine Stiftung steht, fühlt sich gut positioniert. «Wir sind kein peripheres Spital, sondern eines für den Grossraum Zürich», sagt Direktorin Orsola Vettori. Das Spital sei gut erreichbar - sowohl für Patienten aus Zürich als auch für solche aus der Region Pfannenstiel. «Davon profitieren wir.»

Ein weiteres Plus für die Spitaldirektorin: «Wir haben ein klares Profil.» Zollikerberg sei eine der grössten Geburtskliniken der Schweiz und auch im Bereich der Inneren Medizin sowie in den operativen Fächern sehr gut aufgestellt. Dem Spital sei es zudem in den vergangenen Jahren gelungen, die Kosten im Griff zu haben und gleichzeitig auf hohe Qualität zu setzen. «Zentral für uns ist die Patientenzufriedenheit und dass wir unseren guten Ruf in der Bevölkerung erhalten.»

Vettori sagt aber auch, dass das Umfeld für alle Spitäler angespannt bleibt. «Wir haben seit Jahren konstante Erträge und steigende Kosten. Das ist eine schwierige Situation für alle. Es ist deshalb nicht überraschend, dass kleinere Spitäler, die bereits etwas angeschlagen sind, irgendwann in Schwierigkeiten kommen.»

Keine Aussagen zum Thema konnte zum jetzigen Zeitpunkt das Paracelsus-Spital Richterswil machen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.02.2019, 17:22 Uhr

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