Spitäler

Spitäler sind vorbereitet auf Flüchtlinge mit seltenen Krankheiten

Die Zahl von Tuberkulosefällen in der Schweiz nimmt zu. Das hat mit dem wachsenden Flüchtlingsstrom zu tun. Auch andere migrationsbedingte Krankheiten treten vermehrt auf. Die Spitäler in der Region sind gerüstet.

Mehr Fälle von Tuberkulose und Malaria: Flüchtlinge, die wie hier im Januar in Horgen ankommen, können Krankheiten einschleppen, die in der Schweiz selten sind.

Mehr Fälle von Tuberkulose und Malaria: Flüchtlinge, die wie hier im Januar in Horgen ankommen, können Krankheiten einschleppen, die in der Schweiz selten sind. Bild: Archivbild Manuela Matt

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Krieg, Elend und der Not entronnen kommen viele Flüchtlinge ­geschwächt in Mitteleuropa an. Einige tragen schwere Krankheiten in sich. So behandelt das Zürcher Triemlispital gemäss «Tages-Anzeiger» jedes Jahr 20 bis 25 neue Patienten, die aus dem städtischen Asylzentrum Juch stammen. Es sind Menschen aus Ländern, in denen die Tuberku­lose im Gegensatz zur Schweiz noch immer grassiert.

Auch mit anderen Krankheiten aus fernen Ländern sind Ärzte und Spitäler in der Schweiz konfrontiert. Das hat das Bundesamt für Gesundheit bestätigt. Vor allem Malariafälle seien auf Flüchtlinge zurückzuführen. Das hat jüngst zu gesundheitspolitischen Forderungen geführt. 70 Zürcher Kantonsräte von SVP, FDP und CVP haben eine dringliche Anfrage eingereicht. Darin verlangen sie Antworten vom Regierungsrat, wie Flüchtlinge medizinisch behandelt werden. Insbesondere wollen sie wissen, ob Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in der Schweiz gründlich untersucht werden.

Für alle Fälle bereit

Für die Spitäler am Zürichsee stellen sich keine politischen, sondern allein medizinische Aufgaben. Und die scheinen sie im Griff zu haben, wie eine Umfrage zeigt. «Unser Personal ist für solche Fälle geschult, und die Räumlichkeiten sind entsprechend eingerichtet», sagt Anouk Chuffart, leitende Ärztin Notfall und Leiterin der Kommission für Infektionsprävention am Spital Männedorf. Im Notfall stehe immer eine Isolationskoje bei gefährlichen ansteckenden Krankheiten bereit.

Die Chefärztin für Innere Medizin am See-Spital Horgen, Barbara Federspiel, sagt: «Das See-Spital ist für die Behandlung aller migrationsbedingten Infektionskrankheiten vorbereitet.» Ähnlich antwortet Andrea Kaul, Kommunikationsverantwortliche des Spitals Zollikerberg: «Unser Spital kann Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Malaria ­jederzeit diagnostizieren und ­behandeln.»

Standardisiertes Vorgehen

Auch im Spital Linth bleibt man gelassen, wie Pierre A. Krayenbühl, Chefarzt für Innere Medizin, auf Anfrage bestätigt. In ­Uz­nach gibt es jedes Jahr «ver­einzelte Tuberkulosefälle». Wird eine solche Krankheit festgestellt, erfolgt ein Standardprozedere: «Die Patienten werden abgeklärt und behandelt», sagt Krayenbühl.

Im Spital Männedorf werden pro Jahr rund fünf Tuberkulose-, drei Malaria- und zwei Denguefieberfälle behandelt. Bei Verdacht auf Tuberkulose erfolgt die Behandlung in Zusammenarbeit mit dem Lungenfacharzt des Hauses. Bei schweren Fällen von Malaria nimmt das Spital Kontakt auf mit der Abteilung für Infektiologie des Universitätsspitals Zürich, wie Chefärztin Chuffart erklärt. Denguefieber werde mit einer sym­pto­ma­ti­schen Therapie behandelt.

Nicht nur Migranten

«Wir hatten in den letzten zwei Jahren mehrere Tuberkulose- und Malariafälle», sagt Barbara Federspiel. «Die kommen aber nicht nur bei Migranten vor.» ­Malaria sei in Horgen sogar eher häufiger bei Reiserückkehrern als bei Migranten festzustellen. Die Chefärztin sieht «die intensive Reisetätigkeit unserer Bevölkerung» als Grund für die Zunahme. Auch in Uznach ist die Erfahrung älter als der aktuelle Flüchtlingsstrom. «Krankheiten, die Migranten in die Schweiz bringen können, sind nicht neu, sondern können genauso von in die Tropen reisenden Schweizern mitgebracht werden», sagt Pierre Kra­y­enbühl. Andrea Kaul vom Spital Zollikerberg bringt es auf den Punkt: «Einen Zusammenhang mit den aktuellen Flüchtlingsströmen beobachten wir in unserem Spital nicht. Es sind bei uns im genannten Zeitraum auch keine neuen oder unbekannten Infektionskrankheiten aufgetreten.»

Impfen ist Sache der Ärzte

Die Spitäler sehen sich nur in der Pflicht, ausgebrochene Krankheiten zu behandeln. Impfungen von Flüchtlingen weisen sie anderen Instanzen zu. «Impfungen sind eine Präventivmassnahme», sagt Barbara Federspiel vom See-Spital Horgen. «Sie werden in der Regel ambulant durch die zuständigen Ärzte der Asylzentren beziehungsweise durch die Hausärzte durchgeführt.» Dass Hausärzte wegen des meist schlecht dokumentierten Impfstatus der Migranten überfordert sein könnten, ist laut Pierre Krayenbühl vom Spital Linth kein Hindernis. InfoVac, eine Gruppe von Experten, verschickt regelmässig spezielle Empfehlungen an alle Ärzte.

Erstellt: 13.03.2016, 22:22 Uhr

Was ist zu tun?

Wie die Spitäler Patienten mit migrationsbedingten Krankheiten behandeln,hängt von der Art der Erkrankung ab. Die Vorgangsweise erklärt Barbara Federspiel, Chefärztin für Innere Medizin am See-Spital Horgen: Patienten mit Lungentuberkulose beispielsweise werden isoliert. Das heisst, sie werden in einem Zimmer behandelt, welches man nur mit Maske/Handschuhen und Schürze betreten darf, bis nachgewiesen ist, dass sich im Bronchialsekret des Patienten keine Tuberkulosebakterien befinden. Die Patienten werden abgeklärt, bis die Diagnose gestellt ist.

Bei abdominaler TBC kann dazu auch eine kleine Operation erforderlich sein. Danach werden die Patienten mit Tuberkulostatika (Medikamente gegen die Tuberkulose) behandelt. Eine solche Behandlung dauert in der Regel neun Monate. Tuberkulosepatienten werden in der Folge vom Hausarzt in enger Zusammenarbeit mit der Lungenliga betreut. Diese übernimmt auch die Abklärung der Umgebung des Patienten und sorgt für präventive Massnahmen.

Patienten mit Malaria werden nach Diagnosestellung ebenfalls mit Medikamenten behandelt. Diese Behandlung dauert je nach Schweregrad und Art der Malaria drei bis 14 Tage und wird je nach Zustand des Patienten ambulant/stationär oder in sehr schweren Fällen sogar stationär auf der Intensivstation behandelt. di

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