Stäfa

Speed-Dating soll der Kirche Hochzeiten bescheren

Die reformierte Kirchgemeinde Stäfa wird zur Kupplerin. Am 17. Juli findet im Gotteshaus zum ersten Mal ein Speed-Dating statt.

Noch ist Diana Trinkner alleine in der Kirche. Schon bald werden sich aber Menschen, die auf der Suche nach einem Partner sind, in die Kirchbänke setzen.

Noch ist Diana Trinkner alleine in der Kirche. Schon bald werden sich aber Menschen, die auf der Suche nach einem Partner sind, in die Kirchbänke setzen. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 18. August 2018 könnten in der reformierten Kirche Stäfa Hochzeit gefeiert werden. Wer das glückliche Brautpaar sein wird, weiss man allerdings noch nicht. Genau ein Jahr, einen Monat und einen Tag vorher könnte es sich aber in der selben Kirche kennenlernen. So weit, so mysteriös. Fakt ist, dass sich dieses Jahr nur zwei Stäfner Paare in der reformierten Kirche ihrer Gemeinde das Ja-Wort gegeben haben. Zu wenige, wenn es nach der reformierten Pfarrerin Diana Trinkner geht.

Jedes Jahr taufe sie zahlreiche Kinder, konfirmiere die Heranwachsenden und halte viele Trauerfeiern. Doch die Hochzeiten in der Kirche würden ausbleiben, sagt sie. Einfach so hinnehmen will Trinkner das nicht.

Gemeinsam mit Pfarrkollegin Monika Götte entwickelte sie im vergangen September die Idee eines Speed-Datings in der Kirche. «Schliesslich haben wir tolle Singles in der Gemeinde», sagt sie. Das Konzept des Speed-Datings ist schnell erklärt: In den Kirchbänken sitzen die Teilnehmerinnen, die Teilnehmer setzen sich zu ihnen, sprechen während einer genau definierten, aber kurzen Zeit mit den Frauen, lernen sie so kennen und wechseln, wenn der Gong ertönt, zu der nächsten Gesprächspartnerin.

Alle sind willkommen

Teilnehmen darf jeder zwischen 20 und 100 Jahren. Religionszugehörigkeit und Wohnort sind egal. Dies betont Diana Trinkner ausdrücklich. «Im Evangelium machen wir da keinen Unterschied. Da ist nicht Jude noch Grieche», sagt sie aus der Bibel zitierend. Einzige Voraussetzung sei, und das sei wirklich wichtig, dass der Teilnehmer keinen Partner hat.

Jeder, der mutig und gewillt ist, sich zu verlieben, darf Teil des Anlasses sein. Da die Altersunterschiede relativ gross sein könnten, werden die Teilnehmer in zwei Gruppen unterteilt. Die 60- bis 100-Jährigen treffen am Nachmittag aufeinander, die jüngeren Generationen später am Abend.

Die Kirchgänger haben positiv auf das Vorhaben reagiert. Sie fänden es zwar ein wenig «gspunne», seien aber immer sehr interessiert gewesen, wenn sie davon erzählt hätten, sagt Trinkner. Die Mitglieder der Kirchpflege unterstützen die Idee ebenfalls. «Sie haben unsere Idee schmunzelnd zur Kenntnis genommen», sagt die 39-jährige Pfarrerin. Sie seien stolz, dass ihr Pfarrteam Ideen habe und unkonventionelle Wege gehe. Erste Anmeldungen für das Speed-Dating sind bereits eingetroffen. Die älteste Teilnehmerin ist in den 1930er Jahren geboren. Der Suche nach der Liebe sind keine Altersgrenzen gesetzt.

Vorreservierter Termin

Die Pfarrer und Pfarrerinnen selbst nehmen nicht aktiv am Speed-Dating teil. Sie seien alle schon verliebt. «Das ist vermutlich auch der Grund, warum wir wollen, dass unsere Schäfchen ebenfalls das Glück in der Liebe finden können», sagt Dina Trinkner, die seit sieben Jahren Pfarrerin in Stäfa ist.

Dass die Kirche nun als Kupplerin agiert, findet sie ganz natürlich. Schliesslich sei es seit jeher die Aufgabe der Geistlichen, ihre Gemeinde in allen Lebensphasen zu begleiten und die Lebensübergänge wie Geburt, Erwachsenwerden, Ehe und Tod zu feiern.

Wer sich am 17. Juli beim Speed-Dating tatsächlich verliebt, dem winkt als Gewinn besagter bereits vorreservierter Hochzeitstermin. Dass es relativ unrealistisch sein könnte, sich während des Anlasses kennen zu lernen, sich zu verlieben gleich ein Jahr später schon zu heiraten, weiss Diana Trinkner. Es gehe mehr um den symbolischen Gedanken dahinter. «Es ist wichtig, das Signal zu senden, dass sich auch die älteren Menschen verlieben dürfen.»

Viele der Menschen ohne Partner würden sich einsam fühlen, andere sind bereits verwitwet und hadern mit dem Gedanken sich neu zu verlieben.

Intensive Reflexion

Dass immer weniger Menschen durch eine kirchliche Trauung in den Bund der Ehe eintreten, hat auch Diana Trinkner gemerkt. Früher habe man geheiratet, ohne das Ganze zu hinterfragen. Es gehörte einfach zur Kultur und Tradition. Heute würden die Leute viel häufiger intensiv reflektieren, ob sie überhaupt heiraten möchten.

«Hochzeiten sind zu einem finanziellen Unding geworden», sagt Trinkner. «Die Kosten für die Blumendekoration, das Essen und das weisse Kleid sind immens.» Wer dann aber tatsächlich vor den Altar tritt, der wolle seine Liebe von Gott bestätigt wissen und den Segen erhalten. Und das gehe durchaus auch ganz schlicht, günstig aber ergreifend, wenn man sich aufs Wesentliche besinnt.

Das Speed-Dating in der reformierten Kirche Stäfa findet am 17.7.17 um 16 Uhr für 60- bis 100-Jährige statt und um 19.30 Uhr für 20- bis 59-Jährige. Um Anmeldung wird gebeten über www.kirchestaefa/1Jahr1Monat1Tag. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.07.2017, 15:53 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.