Weinbau

So früh wie nie, so gut wie selten zuvor

Der heisse, trockene Sommer beschert den Winzern am Zürichsee eine rekordfrühe Traubenernte. Bei der Qualität und Quantität winkt ihnen ein überdurchschnittlicher Jahrgang. Das entschädigt sie für die Wetterkatastrophe im Vorjahr.

Wümmet in vollem Gang: Überall sind Helfer mit den Rebscheren in den Rebbergen anzutreffen, so wie hier im Herrliberger Weingut Schipf.

Wümmet in vollem Gang: Überall sind Helfer mit den Rebscheren in den Rebbergen anzutreffen, so wie hier im Herrliberger Weingut Schipf. Bild: David Baer

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Seit Anfang letzter Woche klappern in einigen Weinbergen am Zürichsee die Rebscheren, bei den anderen geht es jetzt los. Das Weinbauzentrum Wädenswil schreibt auf seiner Website: «Am 22. August ist schon der Startschuss zur Weinlese 2018 gefallen. So früh wie noch nie, sagen unsere erfahrenen Winzer.» Weinbauer Ruedi Schrämli hat letzten Mittwoch mit dem Wümmet begonnen. «Zwei bis vier Wochen vor dem üblichen Termin», sagt der Richterswiler.

Denselben Vorsprung «je nach Sorte» meldet August Pünter aus Stäfa. Die Stäfner Winzerfamilie Hohl startete die Lese ebenfalls letzte Woche mit Muskattrauben. Als «unglaublich» werden dort der früher Reifezustand und hohe Säuregehalt bezeichnet.

«Sagenumwobenes Jahr»

Beim Stäfner Domenic Kunz hat der Riesling-Sylvaner gegenüber 2017 fast drei Wochen früher einen Zuckergehalt von 80 Oechslegrad erreicht. Monica Hasler (Ürikon) glaubt, dass es sogar noch schneller gegangen wäre. «Aber die lange, extreme Hitzephase hat die Entwicklung wieder gebremst, da die Rebe ab circa 28 Grad Celsius die physiologischen Prozesse auf ein Minimum reduziert.»

Der Zürcher Rebbaukommissär Andreas Wirth sieht sich an das «sagenumwobene Jahr 2003» erinnert. Wie damals sei der Sommer von Sonne, Hitze und Trockenheit geprägt gewesen. Dann kam allerdings Regen, auf den viele Weinbauern nun noch wegen der zusätzlichen Saftmenge hoffen. Darum achtet der Männedörfler Winzer Samuel Wetli, wie sich das Wetter entwickelt. «Wir behalten den ganzen Herbst über die Trauben im Auge, kontrollieren immer wieder, wie reif sie sind, ob die Wespen sich über sie her machen, wie viele Oechslegrad sie haben.»

Das Thema Wasser spricht auch Gusti Pünter an: «Je nach Lage wird die Trockenheit eine Rolle spielen und die Witterung in den nächsten Wochen», sagt der Stäfner. Dieses Jahr scheinen weniger der Zuckergehalt, als die Säure und der ph-Wert wichtig. Dem pflichtet Rico Lüthi (Männedorf) bei. «Entscheidend wird sein, die Balance zwischen Zucker/Alkohol und Säure zu finden.»

Punkto Qualität und Quantität versprechen sich die Winzer Grosses vom Jahrgang 2018. «Die Menge wird die Beste sein in diesem Jahrzehnt», sagt Dominic Mathies, Kellermeister vom Kloster Einsiedeln, das am linken Zürichseeufer und auf der Ufenau Rebberge besitzt.

Ohne Pflanzenschutzmittel kommt der Weinbau nicht aus. Am Zürichsee haben sich neu einige Rebbauern für den Einsatz einer Sprühdrohne entschieden. Sie nimmt ihnen schwere Arbeit ab und spart dank exakter Flugroute Spritzmittel.

Rebe kompensiert Frostjahr

Der Feldbacher Werner Guyer hat am Montag mit der lese von Riesling-Trauben begonnen und schwärmt: «Über alle Traubensorten, darf ich sagen, dass ich in diesem Vegetationsstadium noch nie so gesunde Pflanzen und Früchte hatte.» Rebbaukommissär Wirth erwartet «einen qualitativ und quantitativ überdurchschnittlichen Weinjahrgang». Das bereite ihm nach dem katastrophalen Frost im April 2017 mit riesigen Ernteausfällen Freude.

Jetzt kehrt also das Winzerglück zurück in die Rebberge. Jonas David Ettlin vom Herrliberger Weingut Schipf hat eine einfache Erklärung: «Der letztjährige Frost hat bei den Reben zu einer Kompensation in diesem Jahr geführt.» Den Rest bescherte der Sommer. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.08.2018, 15:28 Uhr

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