Uetikon

«Skeptiker haben oft gute Argumente»

Roman Dellsperger von der Firma Moderat begleitet den Beteiligungsprozess bei der Gebietsplanung «Chance Uetikon». Dabei gehe es nicht ums Gewinnen oder Verlieren, betont er.

Roman Dellsperger: «Es ist sehr wichtig, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen.»

Roman Dellsperger: «Es ist sehr wichtig, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen.» Bild: zvg

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Sie werden mit Ihrer Firma den Beteiligungsprozess begleiten und moderieren. Welches ist für Sie angesichts des komplexen Projekts die grösste Heraus­forderung?
Roman Dellsperger: Alle Wünsche und Anliegen zu berücksichtigen und den Aushandlungsprozess unter den gegebenen Rahmenbedingungen strukturiert und fair zu organisieren. Zum Beispiel soll ja die Identität des Areals weitgehend erhalten bleiben.

Neben dem Beteiligungsverfahren wird ein Varianzverfahren mit vier Planerteams durch­geführt. Wo sehen Sie darin die Vorteile?
Aus Sicht der Beteiligung liegt die Stärke der Gebietsplanung «Chance Uetikon» in der Verknüpfung. Sie führt die Anliegen der Bevölkerung und das Wissen der Fachplaner zusammen. Es wird zu einem direkten Austausch kommen.

Was braucht es, damit sich die Bevölkerung ausreichend in den Prozess eingebunden fühlt?
Wir setzen früh an und arbeiten mit einem Mix aus Methoden. Aktuell läuft eine Onlinebetei­ligung. Sie bildet den Ausgangspunkt für die erste Beteiligungsveranstaltung am 11. November. Es ist sehr wichtig, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Deshalb waren wir an der Chilbi vom letzten Wochenende mit einer mobilen Ausstellung vor Ort.

Für die Bevölkerung gibt es zu Beginn eine öffentliche Beteiligungsveranstaltung und dann erst in einem Jahr eine zweite. Zwischendurch wird in kleineren Fokusgruppen weitergearbeitet. Reicht das für die Einbindung der Bevölkerung?
Ja. Ich bin optimistisch, dass wir für jeden, der es möchte, eine Möglichkeit zur Mitwirkung finden.

Und wenn dies nicht möglich ist?
Möchten sich zu viele Leute beteiligen, müssen wir für die Fokusgruppen eine sorgfältige Auswahl treffen. Für mich zählt da zunächst der Grad der Betroffenheit. Sollten wir als Thema beispielsweise die Gewerbenutzung bearbeiten, müssen Gewerbetreibende mitreden können. Die Gruppe wäre aber selbstverständlich offen für andere Interessierte.

An der Informationsveranstaltung wurde eine Beteiligung zu gleichen Teilen aus Bevölkerung und Gemeinde- und Parteivertretern gefordert. Was halten Sie davon?
Eine starre Quote scheint mir schwierig. Dies, weil wir zum ­jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht wissen, wie gross das Interesse sein wird. Wir werden aber auf eine Ausgewogenheit der Teilnehmenden sehr wohl achten.

Wie begegnen Sie Skeptikern?
Wir arbeiten ergebnisoffen. Sonst hätte ich den Auftrag nicht angenommen. Skeptiker haben oft ­gute Argumente. Da ist es wichtig, besonders gut hinzuhören. Beim Beteiligungsprozess geht es nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Ziel ist am Schluss ein Gestaltungsplan, der an der Urne deutlich angenommen wird.

Auch Küsnacht hat eine Mitwirkung für die Zentrumsplanung durchgeführt und ist mit dem Projekt an der Urne trotzdem gescheitert. Was lief schief?
Die Frage kann ich nur allgemein beantworten: Wenn Wünsche und Interessen sehr weit von­einander entfernt sind, kann es schwierig sein, eine sachliche Lösung zu finden.

Wie werden Sie mit Differenzen umgehen?
Ich rate immer, sich diesen zu stellen. Das ist zwar für alle Be­teiligten anstrengend, aber Teil einer guten Lösung. Es gibt kein Projekt, das eine 100-prozentige Zustimmung erreicht. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.10.2017, 10:32 Uhr

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