Hombrechtikon

Skepsis gegenüber Privatisierung hat überwogen

Das Alterszentrum Breitlen wird künftig nicht von der Tertianum-Gruppe betrieben. Die Hombrechtiker Stimmberechtigten haben sich für die Variante Eigenständigkeit ausgesprochen – und verzichten damit auf eine Demenzabteilung.

Das Alterszentrum Breitlen bleibt eigenständig. Eine gemeindeeigene Aktiengesellschaft wird den Neubau in Angriff nehmen.

Das Alterszentrum Breitlen bleibt eigenständig. Eine gemeindeeigene Aktiengesellschaft wird den Neubau in Angriff nehmen. Bild: Michael Trost

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In Hombrechtikon herrscht endlich Gewissheit, wie es mit dem Alterszentrum Breitlen weitergeht. Die Stimmberechtigten haben sich für die Eigenständigkeit entschieden. Bereits im Herbst 2015 kam es nach jahrelanger Planung zu einer ersten Abstimmung. Doch den Hombrechtikern war die damalige Vorlage mit 51 Millionen Franken zu teuer. Sie schickten sie bachab. Dieses Mal ist der Gemeinderat besser davongekommen.

Zwar kam seine favorisierte Lösung – die Privatisierung – nicht durch. Aber ganz verloren hat er nicht. «Wir haben uns im Stichentscheid für die Privatisierung ausgesprochen, aber in einem ersten Schritt beide Vorlagen zu Annahme empfohlen», betonte Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) in seiner Stellungnahme.

Nun muss der Gemeinderat mit der unliebsameren der beiden Varianten leben. Was er nämlich unbedingt verhindern wollte, war ein doppeltes Nein. Dieses Ziel hat er erreicht. Ein doppeltes Nein hätte die Gemeinde über kurz oder lang vor neue Hürden gestellt: Die Verlängerung der Betriebsbewilligung seitens Kanton wäre immer schwieriger geworden. Mit einem konkreten Projekt, wie es nun nach der Abstimmung vorliegt, ist diese Gefahr gebannt. Die Variante, für die sich die Stimmberechtigten ausgesprochen haben, sieht die Gründung einer gemeindeeigenen

Aktiengesellschaft vor. Sie wird Nachfolgerin der heutigen kommunalen Anstalt Home’Care. Der künftigen AG werden der Grundbesitz und die bestehenden Gebäude übertragen. Geplant ist ein Neubau des Alterszentrums mit 50 Pflegeplätzen und 23 Alterswohnungen für 37 Millionen Franken.

Gemeinde trägt Risiko

Im Fall einer Privatisierung hätte die Swiss Prime Site Immobilien auf eigene Kosten gebaut. Geplant war ein Neubau mit 65 Pflegebetten – inklusive einer Demenzabteilung. Die Firma hätte die bestehende Alterssiedlung übernommen und 20 neue Wohnungen erstellt. Betreiberin wäre die Tertianum gewesen.

Mit der Eigenständigkeit trägt nun die Gemeinde das finanzielle Risiko für den Neubau. Ein Grund, weshalb der Gemeinderat der Variante Privatisierung den Vorzug gegeben hat. «Wir sind finanziell nicht gut gebettet. Deshalb erachteten wir die Privatisierung als die bessere Lösung», sagte Odermatt. Auch hätten sie mit der Swiss Prime Site und der Tertianum den idealen Partner gefunden.

Wie erklärt er sich, dass sich der Gemeinderat trotz guter Argumente für seine Variante nicht durchgesetzt hat? Es sei zu wenig gelungen, die durch die Gegnerschaft formulierten Ängste zu neutralisieren, sagte er. Auf die unübersichtliche vorberatende Gemeindeversammlung und die Rolle der Rechnungsprüfungskommission (RPK) möchte er nicht mehr zu sprechen können. «Das ist passé.»

Die RPK hatte sich im Vorfeld für eine abgespeckte Variante Eigenständigkeit ausgesprochen. Als sie sich mit ihren Forderungen an der vorberatenden Gemeindeversammlung nicht durchsetzte, beschloss sie die Stimmfreigabe.

Geteilte Freude

«Wenigstens haben wir jetzt einen Auftrag», sagte RPK-Präsident Remo Pfyl (SVP) gestern zum Abstimmungsresultat. Erfreut zeigte sich SP-Präsident Walter Bruderer. Er habe eher damit gerechnet, dass die Privatisierung durchkomme. Als Grund für das Abstimmungresultat nennt er die lange Laufzeit des Baurechtsvertrags. «Der Mehrheit war es nicht wohl, alles für 66 Jahre aus der Hand zu geben.»

Geteilt war die Freude bei der CVP. Zwar hatte sie sich gegen die Privatisierung ausgesprochen. Aber laut Parteipräsident Peter Lehmann nur knapp.

Erstellt: 10.06.2018, 21:52 Uhr

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