Meilen

Sika-Erbin stiftet 50 Millionen für Wohnprojekt

Eine der Erbinnen des Zuger Baustoffkonzerns Sika möchte mit ihrer Stiftung in Meilen gemeinnützige Wohnungen bauen. Anwohner wollen dies verhindern.

Die Stiftung will im Osten von Meilen eine mehrstöckige Überbauung erstellen.

Die Stiftung will im Osten von Meilen eine mehrstöckige Überbauung erstellen. Bild: Visualisierung / pd

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An der Infoveranstaltung am Montagabend war der General-Wille-Saal im Meilemer Restaurant Löwen zum Bersten voll, selbst auf der Empore blieb kaum ein Stuhl frei. Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP) begrüsste die rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer mit den Worten: «Wir möchten Ihnen vorstellen, wozu Sie an der nächsten Gemeindeversammlung am 2. Dezember hoffentlich Ja stimmen werdet.» Das Geschäft bestehe darin, drei Parzellen mit einer Gesamtfläche von rund 19000 Quadratmetern auf der Weid im Baurecht an die gemeinnützige Stiftung Burkwil abzugeben. Zu diesem Projekt passe gut, was die Gemeinde mit ihrer Landpolitik plane.

Gemeinderätin Irene Ritz (SP) betonte, Meilen verkaufe keine gemeindeeigenen Grundstücke, sondern gebe diese nur im Baurecht ab. «Für Meilens Entwicklung sehen wir vor, bezahlbares Wohnen für den dritten und vierten Lebensabschnitt zu fördern. Insofern entspricht Burkwil, das dieses Konzept vorsieht, unseren Vorstellungen.» Der Gemeinderat beabsichtigt, mit der Stiftung einen Baurechtsvertrag über 60 Jahre abzuschliessen, was für die Gemeindekasse einen jährlichen Baurechtszins in der Höhe von 746000 Franken abwerfen würde. «Der Baurechtszins in der Höhe von knapp einem Steuerprozent ist eine willkommene Einnahme», fügte die Liegenschaftenvorsteherin an.

Noch herrscht auf dem Grundstück Schrebergarten-Idylle. Im Hintergrund befindet sich ein Wäldchen und die noch unbebaute Wiese. Bild: Sabine Rock

Millionenschwere Garantie

Danach war die Reihe an der Stiftung Burkwil. Stiftungsrat Jacques Bischoff benutzte dabei Stichworte wie «sozial engagiert und gemeinnützig», «nicht gewinnorientiert», sowie «nachhaltig und ökologisch». «Ich übergebe nun gerne das Wort an unsere Stifterin, Frau Gabriella Burkard», fuhr er fort. Daraufhin schritt eine ältere Dame in einem langen, hellen Rock zum Podium und redete Schriftdeutsch, obwohl sie betonte, dass sie in Küsnacht aufgewachsen sei. Ihr Bezug zur Region sei mit ein Grund, wieso sich die Stiftung für das Wohnprojekt in Obermeilen engagiere.

Burkwil sei im Übrigen ein Fantasiename, der sich auf ihre Familie – also Burkard – und auf das Wort «Weiler» beziehe. Ansonsten hielt sich die Stifterin kurz. Sie erwähnte lediglich, dass sie aus einer reichen Familie stamme und in der Modebranche sowie der Gastronomie gearbeitet habe. Obwohl sie mit ihrem Auftritt viel Applaus einheimste, hätte wohl der eine oder andere im Publikum gewünscht, mehr über sie zu erfahren. Recherchen dieser Zeitung ergaben: Die Stiftungsratspräsidentin ist das älteste der fünf Burkard-Geschwister, welche die Sika-Erbenfamilie verkörpern. Die Burkards waren ab 2014 in den Übernahmestreit um den Baustoffkonzern Sika involviert. Sie wollten ihre Anteile des Unternehmens mit Sitz in Baar an den französischen Baugiganten Saint-Gobain verkaufen, wogegen sich der Sika-Verwaltungsrat sperrte. Der Milliarden-Konflikt nahm 2018 ein Ende. Saint-Gobain erstand von der Familie einen kleineren Teil der Aktien als ursprünglich vorgesehen, und Sika blieb schweizerisch.

Opposition im Saal

Aus dem Umfeld der potenziellen Bauherrin war zu hören, dass das Kapitel Sika bei der Vorstellung von Gabriella Burkard bewusst nicht erwähnt worden war. Transparenz war hingegen wieder angesagt, als Stiftungsrat Bischoff beschrieb, wie der Geldfluss vonstatten ging. «Frau Burkard brachte 50 Millionen Franken in die Stiftung ein, sichergestellt durch eine Bankgarantie.» Ein Widerruf sei nicht möglich. Das Geld ist und bleibt also in der Stiftung. Gemäss Informationen der Stiftung entsprechen die 50 Millionen der Bausumme für die neue Siedlung – ohne Baurechtszins.

In der Folge erhielt Dan Schürch von Duplex-Architekten aus Zürich Gelegenheit, sein Projekt «Negroni» vorzustellen. Dieses hat den von Burkwil initiierten Architekturwettbewerb gewonnen. «Wir wollen auf der Weid Lebensraum und Wohnraum schaffen, mit einem eigentlichen Dorfkern und Quartierleben.» Ökologisches Bauen ist für ihn ein Muss. Zur Sprache kamen schliesslich auch die Mietpreise. Eine günstige 2,5-Zimmer-Wohnung käme auf 1100 Franken pro Monat zu stehen, eine 4-Zimmer-Wohnung mit «Standard plus»-Ausbau auf 2800 Franken.

Während der Fragerunde musste sich Gemeindepräsident Hiller kritische Stimmen anhören. Die Opposition kam aus den Reihen der soeben gegründeten Interessengemeinschaft für ein nachhaltiges Meilen. Der Gemeindepräsident begrüsste die IG als demokratische Bereicherung. Juristisch gäbe es aber einige Knackpunkte, was eine allfällige Umzonung des Landes beträfe, sagte er. Die Anwohner schlagen eine solche vor, damit das Land frei bleibt. Dem Verein Familiengärten Meilen, dessen Mitglieder die Schrebergärten in der Weid verlieren würden, bot der Gemeindepräsident an, eine Ersatzlösung zu suchen. Der Verein bekämpft das Bauprojekt Burkwil nicht.

Korrektur: Eine vorherige Version dieses Artikels war fehlerhaft. Wir bitten dies zu entschuldigen. Die Textpassagen wurden angepasst.

Erstellt: 06.09.2019, 10:06 Uhr

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