Zürcher Obergericht

Durch Zufall und Naivität zu Dealern geworden?

Zwei Nordmazedonier mit Wohnsitz im Bezirk Meilen wehren sich gegen mehrjährige Freiheitsstrafen. Sie haben mit Heroin und Kokain gehandelt, versuchen aber ihre Rollen kleinzureden.

Zwei Drogenhändler aus dem Bezirk Meilen mussten sich vor dem Zürcher Obergericht verantworten.

Zwei Drogenhändler aus dem Bezirk Meilen mussten sich vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Bild: Archiv Tamedia / Urs Jaudas

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Fast könnte man denken, da sitzen zwei Unschuldslämmer und keine Drogenhändler auf der Anklagebank. In den Worten ihrer Verteidiger sind die beiden Nordmazedonier in etwas hineingeraten, ohne wirklich zu wissen, worauf sie sich einlassen. Einer ist «ein gebrochener Mann», dem Anderen wurde eine fiese Falle gestellt, ist zu hören.

Beide hätten sich offensichtlich nie träumen lassen, dass es für ihre Taten so harte Strafen geben könne. Klar also, dass die Männer aus dem Bezirk Meilen gegen die verhängten Strafen von 6,5 und 4 Jahren Rekurs eingelegt haben. Jetzt sollen die Oberrichter dafür sorgen, dass der 41-Jährige, den das Bezirksgericht Meilen als Organisator des Handels einschätzte, und der 48-Jährige, der als Drogenkurier tätig war, möglichst kurz ins Gefängnis müssen und ihren Familien erhalten bleiben.

Kiloweise Heroin verkauft

Doch die Aussichten sind schlecht. Denn die Kantonspolizei hat die Gruppierung in den Jahren 2015 und 2016 im grossen Stil abgehört und umfassende Ermittlungen durchgeführt. Auch ohne die Geständnisse der Beiden sowie zwei weiteren Kollegen, die bereits rechtskräftig verurteilt sind, lagen genügend Beweise für den Handel mit Heroin und Kokain vor.

Dem 48-Jährigen konnten rund 80 Lieferungen in drei Monaten nachgewiesen werden. Über 3,8 Kilo Heroingemisch und 230 Gramm Kokaingemisch brachte er an diverse Kunden. Der Organisator soll wiederum für die Lieferung von rund sechs Kilo Heroingemisch verantwortlich gewesen sein sowie ein Kilo aufbewahrt haben. Also bleibt den Männern nichts anderes übrig, als ihre Rolle innerhalb der Organisation so klein wie möglich zu reden.

Der Kurier schiebt die Hauptschuld auf den Organisator, wie auch schon die anderen beiden Verurteilten. Er habe nur etwas Geld verdienen wollen, um seine Steuerschulden zu bezahlen, sagt der 48-Jährige treuherzig. Er habe wohl nicht damit gerechnet, erwischt zu werden, folgerte das Bezirksgericht Meilen in seinem Urteil. Sein Verteidiger fordert eine teilbedingte Strafe von drei Jahren.

Hemdsärmlige Zustände

Der angebliche Organisator sagt, er habe nur SMS weitergeleitet, aber weder Drogen geliefert, noch entgegengenommen oder aufbewahrt.Er habe den anderen Männern bloss eine Stelle am Pfannenstil gezeigt, wo sie Drogen verstecken könnten, sagt der 41-Jährige. Kurz darauf hätten die vermeintlichen Kollegen behauptet, dass ein Kilo Heroin aus dem Wald verschwunden sei. Er trage eine Mitverantwortung, darum müsse er helfen, die fehlenden 30'000 Franken abzuarbeiten. Das nur weil er die Stelle gezeigt habe, fragt der Richter ungläubig.

Vielleicht sei das schwierig zu verstehen, doch er habe Angst um seine Familie gehabt, antwortet der albanischstämmige Nordmazedonier. Das liege am Umfeld, ergänzt der Verteidiger. Die albanische Mafia stehe hinter den Deals, da gehe es «etwas hemdsärmlig» zu. In Nordmazedonien verortet der Verteidiger auch die eigentlichen Verantwortlichen.

Sein Mandant sei sicher kein wichtiges Rad in der Organisation gewesen, die Hintermänner und die Strukturen habe die Staatsanwaltschaft einfach nicht aufdecken können. Die drei Kuriere hätten ihn als Sündenbock hingestellt. Der Verteidiger fordert bloss eine teilbedingte Strafe von drei Jahren. Nur 18 Monate soll sein Mandant absitzen.

Doch wie schon am Bezirksgericht kommen die beiden Männer auch am Obergericht mit ihren Anträgen nicht durch. Wie das unbegründete, schriftliche Urteil zeigt, bleiben die Strafen von 6,5 Jahren für den Organisator und 4 Jahren für den Läufer bestehen. Sie haben noch die Möglichkeit ans Bundesgericht zu gelangen.

Erstellt: 13.12.2019, 14:37 Uhr

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