Sie wollen die Menschen für die Natur sensibilisieren

Léa Hug und Sebastian Winkel heissen die neuen Bewohner des Stiftungshauses im Anna-Zemp-Naturgarten.

Léa Hug und Sebastian Winkel sind seit Oktober Gastgeber im Anna-Zemp-Garten.

Léa Hug und Sebastian Winkel sind seit Oktober Gastgeber im Anna-Zemp-Garten. Bild: Manuela Matt

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Nicht das gemeinsame Interesse an der Natur hat sie zusammengeführt, sondern ein Tango-Event in Zürich. Das war im Frühling vor drei Jahren, als die Stäfnerin Léa Hug den gebürtigen Hamburger aus Bern, Sebastian Winkel, der seit 2013 in der Schweiz lebt, beim Tanzen kennenlernte. Bald darauf sollte es funken zwischen den beiden. So stark, dass er ihr im Herbst des gleichen Jahres nach Argentinien folgte, wohin es die 40-Jährige für eine halbjährige Auszeit gezogen hatte.

«Bei meinem Freiwilligeneinsatz in einem Park», erzählt sie in der Küche ihres neuen Zuhause am Lönerenweg, «lebte ich einen Monat lang alleine inmitten der Natur, weit weg von der Zivilisation, in einem Zelt und zog heimische Pflanzen auf.» Auch mit welcher Dankbarkeit die naturverbundene Bevölkerung in Argentinien die Ernte und das Essen auf dem Tisch empfing, habe sie berührt.

Auf den Feldern von Weleda

Obschon Léa Hug Kommunikation in Lugano und Nachhaltige Entwicklung in Basel studiert hat, wollte sie nach ihrer Rückkehr «etwas Ähnliches machen», wie sie sagt. Hug liess sich deshalb einen Sommer lang vom Naturkosmetik- und anthroposophischen Arzneimittelhersteller Weleda auf dessen heimischen Feldern einsetzen. Zudem leitete sie einen Schulgarten in Altstetten. Seit einigen Jahren arbeitet sie an der Fachhochschule in Brugg als Dozentin im Studiengang Energie- und Umwelttechnik.

«Wir wollen etwas bewegen und hier können wir es.»

Ihr zukünftiger Ehemann Sebastian Winkel – die Hochzeit der Eltern der sechsmonatigen Emilia steht im Juni an – ist nach eigener Aussage bereits in einer Ökogeneration aufgewachsen. «Mit einer Mutter als Biologin habe ich ein Umweltbewusstsein mitbekommen», erzählt er. Dennoch studiert Winkel zunächst Soziologie und Psychologie. Später baut er in der Gastronomie-Branche etliche Betriebe, vom Pop-up-Restaurant bis zur Bar, mit auf und führt sie auch. Derzeit leitet er das Zürcher Café Jenseits im Viadukt. Dort betreut er dank seiner Ausbildung zwei Jugendliche, die gerade eine Auszeit von der Schule nehmen.

Intensive Gespräche

Erst die gemeinsame Zeit in Südamerika, die intensiven Gespräche zu Umweltthemen und die Auseinandersetzung mit der Frage, wo beide künftig in ihrem Leben stehen wollten, hat sie dazu gebracht, letztes Jahr auf das Stelleninserat der Anna-Zemp-Stiftung zu reagieren. Gesucht wurden Personen, die ganzjährig das Stiftungshaus im Naturgarten beleben, dort also, wo die Stiftungsgründerin Anna Zemp bis kurz vor ihrem Tod 1985 lebte.

Léa Hug und Sebastian Winkel treten seit letztem Oktober als Gastgeber auf und geben der öffentlich zugänglichen Gartenanlage somit ein Gesicht. Evelin Pfeifer und Mischa Kaufmann, die Vorgänger, die gleichzeitig die Geschäftsführung innehatten, verliessen die Stiftung nach 14 Jahren. Mit dem Ornithologen Kaspar Hitz aus Männedorf hat im November 2017 zwar ein neuer Geschäftsführer die Geschicke der Stiftung übernommen, der aber nicht im Naturgarten wohnt.

Die neuen Bewohner wollen den Besuchern in Kursen etwa das Anlegen eines Naturgartens auf kleinster Fläche zeigen.

Menschen Obwohl Hug und Winkel sich ein urbanes Leben gewohnt sind, wussten beide schon bei der ersten Besichtigung des Gartens, der oberhalb Männedorf weit weg vom Dorfzentrum liegt: «Wir wollen etwas bewegen und hier können wir es.» Ausschlaggebend sei nicht die schöne Aussicht über den Zürichsee gewesen. «Unsere Vision ist es, Menschen zusammenzubringen und sie für einen bewussten Umgang mit den Ressourcen der Natur zu sensibilisieren», sagt er. Was sich mit der Vision der Stiftungsgründerin deckt, die sich für die Erhaltung der Natur und für einen umfassenden Mitweltschutz einsetzte.

Lokaler Superfood

«Wir wollen den Besuchern in Kursen etwa das Anlegen eines Naturgartens auf kleinster Fläche zeigen oder dass Superfood nicht von Übersee kommen muss, sondern auch hier vor Ort zu finden ist», führt sie aus und unterstreicht damit, dass sie eigene Ideen zum Kursprogramm einbringen können.

Die beiden sind mit einem 25 Prozent-Pensum angestellt. Das beinhaltet die Organisation der Veranstaltungen, Mitarbeit bei der Weiterentwicklung der Stiftung und die Pflege des Gartens, wobei gröbere Einsätze wie die anstehende Pflanzung einer jungen Linde von professionellen Gärtnern ausgeführt werden.

Erstellt: 08.04.2019, 16:32 Uhr

Veranstaltung

Zuschauen beim Linde einpflanzen

Am Samstag, 13. April (10 bis 13 Uhr) ist die Öffentlichkeit eingeladen, dem Einpflanzen einer jungen Linde beizuwohnen. Sie soll die dem Sturm Burgwind zum Opfer gefallenen Nordmanntanne ersetzen und wieder Schatten spenden. Der erste Kurs der Saison findet am Samstag, 27. April (10 bis 14 Uhr) statt – Neunkräuter: Über essbare und giftige Wildpflanzen. Im Anna-Zemp-Garten, Lönerenweg 10 oberhalb Männedorf. (mz)

www.anna-zemp-garten.ch

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