WEF

Sie überwachen das Funknetz der Armee

Am Zürichsee, fernab des Davoser Kongresszentrums, wird dafür gesorgt, dass die Armee beim WEF-Einsatz über ein gesichertes Funknetz kommunizieren kann. Ein Besuch in der geheimen Kommandozentrale des Richtstrahlbataillons 32.

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Mit Splitterschutzweste und Sturmgewehr steht er da. Die Waffe fest im Griff, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Der Soldat tut, was er dieser Tage tun muss: Wache schieben. Er gehört zu den bis zu 5000 Armeeangehörigen, die zurzeit für die Sicherheit des Weltwirtschaftsforums WEF im Einsatz stehen.

Sein Einsatzgebiet ist vom Davoser Kongresszentrum allerdings meilenweit entfernt: in der Zürichseeregion. Hier steht er vor einem Gebäude, das die Schweizer Armee Anfang Januar für die Dauer eines WKs bezogen und gegen aussen abgeriegelt hat. Absperrgitter mit dunklen Sichtschutzfolien schützen vor Eindringlingen und ungewollten Blicken. Ein provisorisches Wachhäuschen ist rund um die Uhr besetzt. Für Zivilisten gibt es hier kein Durchkommen. Für die «Zürichsee-Zeitung» aber macht die Armee eine Ausnahme. Mit der Bedingung, den genauen Standort und andere Details nicht preiszugeben. Das könnte den Einsatz beeinträchtigen, heisst es.

Funksignale über 50 Kilometer

Wie schon öfter in der Vergangenheit, haben sich im Innern dieses Hauses die höchsten Führungskader eines Richtstrahlbataillons eingerichtet. «Von hier aus planen und leiten wir den Einsatz unserer Truppen, die sich hauptsächlich im Kanton Graubünden aufhalten», erklärt Jacques Marti, Kommandant des Richtstrahlbataillons 32.

Der Major mit geschorenem Kopf und fokussiertem Blick sitzt an einem runden Holztisch. Vor ihm steht ein Laptop, an der Wand hängt die Schweizerfahne. Hier am Zürichsee sei man stationiert, weil alle näher an Davos gelegenen Kasernen besetzt seien. Marti ist während des WEF-Einsatzes Chef über mehrere Hundert Soldaten und Offiziere, aufgeteilt sind sie auf fünf Kompanien. Seine Leute sorgen dafür, dass der Armee am WEF ein verschlüsseltes Kommunikationsnetz zur Verfügung steht. «Man nennt uns auch die militärische Swisscom», sagt Marti mit einem Augenzwinkern.

Um dieses gesicherte Netz für den WEF-Einsatz in Betrieb zu nehmen, haben die Richtstrahlpioniere vor einigen Tagen an mehreren Orten im Bündnerland Satellitenschüsseln-ähnliche Richtstrahlgeräte aufgebaut. Diese können Signale aus rund 50 Kilometern Distanz empfangen und ebenso weit senden. Wo sie platziert werden müssen, berechnen die Telematikexperten mittels Computerprogramm metergenau. Auch auf einem Feld nahe der temporären Kommandozentrale befindet sich nun ein solches 30 Kilogramm schweres Ding. Via Kabelleitung gelangen die Signale ins Gebäude.

Während des zweitägigen Aufbaus haben die Spezialisten auch die jetzigen Bezüger des Funknetzes geschult, darunter Truppen der Infanterie, Luftwaffe und Fliegerabwehr. An ihren Standorten wurden zudem spezielle Telefone und Faxgeräte installiert sowie Leitungen gezogen. «Ohne Kommunikation, keine Führung», sagt Jacques Marti, «darum ist unsere Aufgabe eine der wichtigsten in der ganzen Armee».

24-Stunden-Callcenter

Es ist kurz vor 10 Uhr. Nun schreitet der Major in den Saal im Obergeschoss des Gebäudes. Dort begrüsst er die Kompaniekommandanten und Stabskader zum wöchentlichen Rapport. Ein jeder der uniformierten Männer berichtet nun von der Lage an seinem Einsatzort oder in seinem Verantwortungsbereich.

Das WEF ist zwar ein Ernsteinsatz. Doch nervös scheint hier niemand zu sein. Man hat die Lage im Griff, das Kommunikationsnetz funktioniert. Letzteres zeigt sich auch nebenan, in einem mit schwarzen Sichtschutzwänden abgetrennten Raum. Ein Beamer projieziert dort lauter grüne Linien auf eine Leinwand. «Wären sie rot, wäre etwas mit den Funkverbindungen nicht in Ordnung», erklärt nun Presse- und Informationsoffizier Ramon Lienhard. Dann würde von hier aus und in Kontakt mit den Leuten vor Ort das Problem behoben.

«Was hier in der Einsatzzentrale passiert, ist vor allem Denkarbeit», sagt Lienhard. Davon zeugen auch die vielen grossformatigen Karten, Tabellen und Diagramme, die überall aufgehängt sind. Alle versehen mit militärischen Abkürzungen. Wer nicht zu den Eingeweihten gehört, versteht nur Bahnhof.

Die Zentrale ist aber auch eine Art Callcenter. Denn wer im Einsatzgebiet ein technisches Problem bekundet, kann sich telefonisch an die Kollegen am Zürichsee wenden – «Tag und Nacht hüten wir hier ein Notfalltelefon». Auch sonst behält der Führungsstab von da aus allerlei Informationen im Auge. Die Verkehrslage zum Beispiel oder das Wetter. So hatte die Lawinensituation den Einsatzverlauf verzögert. «An gewissen Standorten konnten wir wegen der Lawinengefahr unsere Anlagen erst zwei Tage später als geplant aufbauen.»

Entwarnung nach Brand

Auch in einem anderen Fall waren Abklärungen und Entscheide durch den Führungsstab nötig: Als letztes Wochenende bei der Ems-Chemie in Domat/Ems ein Brand ausbrach, musste geprüft werden, ob in der Region stationierte Truppen durch giftige Gase gefährdet sein könnten. «Wir konnten ihnen aber mithilfe der offiziellen Stellen innert Kürze Entwarnung geben.»

Nun, da das Kommunikationsnetz noch bis am Freitag zum Ende des WEF in Betrieb sein muss, sei es vor allem entscheidend, die Anlagen zu überwachen und «die Konzentration aufrecht zu erhalten», sagt Major Marti. Das gilt vom Bataillonskommandanten bis zum Wachesoldat.

Erstellt: 22.01.2019, 17:25 Uhr

«Man nennt uns auch die militärische Swisscom»: Jacques Marti, Batallionskommandant.

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