Stäfa

Sie spüren Hexenprozessen nach

Die Satirikerinnen Nicole Knuth und Olga Tucek passen ihr neues Programm «Hexe!» jeweils den Spielorten an. In Stäfa lassen sie die vermeintliche Hexe Salomea Leser aufleben.

Nicole Knuth (links) und Olga Tucek posieren auf dem Stäfner «Häxetanz», wo die Hexen einst um Mitternacht ihr Unwesen trieben.

Nicole Knuth (links) und Olga Tucek posieren auf dem Stäfner «Häxetanz», wo die Hexen einst um Mitternacht ihr Unwesen trieben. Bild: Sabine Rock

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Es gab sie nicht nur im Glarnerland, wo die wohl bekannteste Hexe Anna Göldin hierzulande auf dem Scheiterhaufen endete. Auch am Zürichsee forderte der damalige Hexenwahn seine Opfer. So wurde 1588 in Stäfa gegen Salomea Leser der Vorwurf der Hexerei erhoben. Sie soll neben weiteren Vergehen insbeson­dere Hagelwetter erzeugt haben, indem sie an einem Bach die Hand ins Wasser gehalten und um sich gespritzt hätte. Unter Folterung gab die Stäfnerin schliesslich ihre «Verfehlungen» zu und wurde in Zürich leben­digen Leibes verbrannt.

Ein Herzthema

Dieser Salomea Leser widmen die Schauspielerin Nicole Knuth und die Musikerin Olga Tucek, seit 2004 als Satirikerinnen unterwegs, ihr neues Programm ­«Hexe!». Doch nur in der Stäfner Vorstellung wird sich alles um diese Salomea drehen, in Küsnacht, Herrliberg, Männedorf und anderswo warten weitere Hexenschicksale.

«Es ist ein hartes Thema, aber ein Herzthema, das uns wichtig ist», meint Nicole Knuth, die in Männedorf zu Hause ist. «Wir reisen so viel, lernen verschiedene Orte kennen, die uns extrem interessieren», doppelt Olga Tucek, die seit kurzem in La-Chaux-de-Fonds wohnt, nach. Und dar­um haben Knuth & Tucek, wie sich das Duo nennt, angefangen, über Hexen hierzulande zu re­cher­chieren. Der Zürcher Stadtarchivar etwa sei sehr hilfsbereit gewesen, erzählen die beiden über ihre Nachforschungen.

Mit den Avers-Hexen fings an

Jetzt sitzen die zwei Frauen, die auf der Bühne wortgewandt und geistreich austeilen, völlig entspannt im Restaurant Rössli in Stäfa, wo am 20. Januar ihr Auftritt bevorsteht. Und verraten, dass sie die Idee zum Programm dem Verein Hexperimente aus Avers verdanken. Dieser habe sie 2015 kontaktiert. Im Avers sind 14 Hexenprozesse aus dem 17. Jahr­hundert verbrieft, und so ­haben die beiden Initiantinnen Künstler aus diversen Sparten um einen Beitrag zum Thema ange­fragt. Dazu standen Protokolle zur Verfügung, die von Historikerinnen transkribiert worden waren.

«Indem wir jeweils die Ver­gangenheit des Spielorts ins Bewusst­sein rücken, sind wir nah bei den Leuten», versucht Tucek ihre Motivation, das Publikum zu berühren, in Worte zu ­fassen. «So können die Menschen ihr Dorf mit neuen Augen sehen», findet Knuth.

Voll Lebensfreude

«Wir waren frei innerhalb des Projektes», erinnert sich Olga Tucek noch voller Begeisterung. Wenn sie erzählt, ist alles in Bewe­gung: Sie rollt die Augen, verzieht den Mund, wechselt die Sitzposition, als würde sie performen.

«Die Arbeit mit dem Thema liess uns nach der ersten und ­letzten Aufführung im Avers nicht los», führt Nicole Knuth, die Stillere der beiden, nun aus. Und so haben sie, wie eingangs ­erwähnt, nach weiteren Hexen gesucht, deren Schicksal sie um die Grundstruktur des Programms einbauen.

Ein lustvolles Programm ­wohlverstanden, das die Ernsthaftigkeit des Themas voller spassiger Momente und Lebensfreude transportiert, denn das ist das Kleinkunst-Duo seinem Publikum schuldig. Versprochen wird viel Musik und das thea­tralischste Programm in ihrer Kabarettkarriere. Und weil das Programm sogar die Zuständigen beim Migros-Kulturprozent überzeugt hat, beteiligen sie sich als Co-Produzenten, was die Satirike­rinnen im Rössli erneut in Hochlaune versetzt.

Mit Details zum Programm rücken Knuth und Tucek nicht raus, nur damit, dass sie auf zwei Zeitebenen operieren. Sie überlassen die Dramaturgie und somit die satirische Ebene drei Kunststudenten, die sich für ihren Bachelor des Themas Hexen annehmen und mit viel Schrägem konfrontiert werden.

Knuth & Tucek, «Hexe!», Freitag, 20. Januar, 20.30 Uhr, Kulturkarussell Rössli, Bahnhofstr. 1, Stäfa. Reservationen Tel. 044 926 48 67 oder info@kulturkarussell.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 15:48 Uhr

Knuth und Tucek

Das Duo Knuth und Tucek begeistert mit seinen musikalischen Abenden Publikum wie Preis-Jurys und muss sich nichts mehr beweisen: 2011 gewann es den Salzburger Stier; 2013 folgte der Schweizer Kabarett-Preis Cornichon, und 2014 wurden die beiden mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

Die ausgebildete Schauspielerin Nicole Knuth aus Küsnacht, Jahrgang 1964, bleibt der Familientradition treu: Vater Klaus, Grossvater Gustav und Grossonkel O. W. Fischer waren Ikonen des deutschen Films. Olga Tucek, 1973 als Tochter tschechischer Eltern in Zürich geboren, stu­dierte klassischen Gesang. Immer dabei hat die stimmgewaltige Künstlerin das Akkordeon, ihr «portables Orchester». Seit 2004 fegen Knuth und Tucek als Duo über die Kleinkunstbühnen des deutschsprachigen Raums. (mz)

He­xen mussten büssen

Allein im Kanton Zürich zählte man 225 Hexenprozesse mit 79 Hinrichtungen, 23 davon fanden rund um den Zürich­see statt. Am rechten Ufer, wo sich die Gemeinden stark im Rebbau engagierten, brauchte es Sünden­böcke für den Ertragseinbruch, der 1587 einsetzte und drei Jahre dauerte. So wurde zwischen 1588 und 1591 ausschliesslich Frauen aus Küsnacht, Herrliberg, Männedorf und Stäfa, die wohl durch Eigenheiten des Charakters ­auffällig geworden waren, von einer männlichen Gerichts­barkeit vorgeworfen, Unwetter und Viehseuchen ausgelöst zu haben. (mz)

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