Stäfa

Sie retten Bauteile vor Vernichtung

Die Bauteilvermittlung Zürichsee setzt sich seit 2001 dafür ein, dass weiterverwendbare Bauteile nicht auf der Müllhalde, sondern bei neuen Besitzern landen. Eine neue Website erleichtert zwar die Vermittlung, dennoch kämpft die gemeinnützige ­Organisation ums Überleben.

Sandra von Meyenburg (links) und Margret Wyss sitzen auf Granitplatten, die sie aus einem Stäfner Teilabbruchobjekt retten konnten.

Sandra von Meyenburg (links) und Margret Wyss sitzen auf Granitplatten, die sie aus einem Stäfner Teilabbruchobjekt retten konnten. Bild: Michael Trost

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Wohl werden schon seit Jahren Papier, Karton, Textilien und Grüngut gesondert gesammelt – doch landen Bauteile wie Küchen- und Badezimmereinrichtungen, Armaturen oder intakte Türen und Fenster in der Regel in der Deponie. Aus diesem Grund setzt sich die Bauteilvermittlung Zürichsee (BTVZ) dafür ein, dass noch brauchbare Bauteile aus einem Abbruchobjekt oder einer renovationsbedürftigen Liegenschaft nicht mehr auf der Müllhalde ­enden. Sondern an interessierte Abnehmer weitergeleitet werden.Weiterverwenden statt wegwerfen – so lautet das Motto der BTVZ auch noch 17 Jahre nach ihrer Gründung als Pilotprojekt des Vereins Lokale Agenda 21(LA 21) in Stäfa.

Margret Wyss, die als Bauökologin das Projekt von Beginn an begleitet, liegt besonders am Herzen, «dass damit Ressourcen geschont, Deponien entlastet und der Lebenszyklus von Baumaterialien verlängert werden». In der Abfallhierarchie, so die Umweltwissenschafterin, stehe Weiterverwendung zuoberst, gefolgt von Recycling bis zur Entsorgung an unterster Stelle.

Doch die Projektleiterin konkretisiert: «Wir sind eine reine Vermittlungsplattform und keine Bauteilbörse, da wir uns weder ein Lager noch einen Laden leisten können.»

Direkt online stellen

Und wie funktioniert diese Vermittlung zwischen Anbieter und Abnehmer? «Wir haben seit ­Anfang Juni unsere Internetseite so weit modernisiert, dass jedermann, ob Bauherr oder Privatperson, sein Angebot an brauchbaren Objekten in einfachen Schritten direkt online stellen kann», erklärt nun Sandra von Meyenburg, die die BTVZ seit über zehn Jahren administrativ betreut. Dazu muss sich der Anbieter auf www.btvz.ch anmelden. «Er kann sich aber auch direkt per E-Mail oder Telefon bei mir melden», fügt die Stäfnerin an. Derjenige, der etwa einen Kochherd sucht, schaut sich ­zunächst die Angebote auf der Website an und meldet sich bei der BTVZ. Erst dann erhält er den Namen eines Anbieters, dessen Adresse nicht im Angebot ersichtlich ist.

Das hat seinen Grund: «Auf diese Weise können wir erfassen, wo welches Bauteil den Besitzer gewechselt hat.» Denn beim Besitzerwechsel eines Objekts sind weder Margret Wyss noch ihre Mitarbeiterin vor Ort. Die Inter­essenten holen die Gegenstände, für die sie nichts bezahlen müssen, direkt beim Anbieter ab.

Bauteile, die etwas kosten, sind indes schwieriger zu vermitteln und gehen daher schlecht weg, wie Margret Wyss aus Erfahrung weiss. Zusätzlich inseriert die BTVZ die Gratisangebote in der Zeitung. Damit genügend Zeit für die Vermittlung bleibt, sollten sich die Anbieter so früh wie möglich melden, wendet von Meyenburg ein, «und nicht erst, wenn die Bagger auffahren».

Probleme mit Finanzierung

Doch die BTVZ kämpft derzeit ums Überleben, obwohl sie gerade die neue Website aufgeschaltet hat, die ihr aber von der Gemeinde Stäfa gesponsert wurde. Denn als gemeinnütziges Projekt finanziert sich die Vermittlungsplattform durch Spendengelder. Lange wurde sie von 16 Gemeinden rund um den Zürichsee unterstützt, derzeit sind es deren 12. Je nach Einwohnerzahl zahlen Hombrechtikon, Stäfa, Männedorf, Uetikon, Meilen, Herrliberg, Küsnacht, Zumikon, Horgen, Freienbach, Bubikon und Grüningen Jahresbeiträge zwischen 100 und 800 Franken. «Viele Gemeinden ziehen leider ihr Sparregime durch, und sogar die kleinsten Beträge werden ­gestrichen», bedauert Margret Wyss. Wädenswil und Zollikon sind auf Ende 2016 abgesprungen, Erlenbach zog sich schon Ende 2015 zurück.

Damit schrumpften die Gemeindebeiträge von fast 6000 auf rund 4000 Franken. «Wir brauchen aber mindestens 8000 Franken pro Jahr», rechnet Wyss vor, «damit wir unser Marketing und unsere Kommunikation verbessern und Flyer drucken können, die beispielsweise Baugesuchen beigelegt werden könnten.» Es sei zu viel Arbeit, um das An­gebot auf freiwilliger Basis ­betreiben zu können. Es käme ja auch niemanden in den Sinn, sagt Wyss, jemanden das Glasrecycling gratis machen zu lassen, nur weil er etwas aus ideologischen Gründen für die Umwelt tut.

Sponsoren gesucht

Es sei wichtig, findet die Bau­ökologin, dass die Gemeinden die BTVZ in ihr Entsorgungskonzept integrierten, im Abfallkalender aufführten und auch selber nutzten, etwa um Asylwohnungen einzurichten. Man sei nun dringend auf zusätzliche Sponsoren und Gönner angewiesen, die das jährliche Manko wieder aus­gleichen. Diverse Anstrengungen seien am Laufen. «Falls das nicht gelingt, müssen wir unsere Dienstleistung, die doch seit2001 besteht, nächstes Jahr einstellen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.06.2018, 18:09 Uhr

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