Hombrechtikon

Sie ist die Seele der Badi Lützelsee

Die Badi Lützelsee wurde vor 80 Jahren eröffnet. Auch Bademeisterin Isabella Odermatt begeht ein persönliches Jubiläum: Es ist ihre 20. Saison.

Bademeisterin Isabella Odermatt (rechts) freut sich besonders darüber, dass auch ihr Patenkind Aline Egli im Team ist, mit der sie auch den Kiosk der Badi Lützelsee führt.

Bademeisterin Isabella Odermatt (rechts) freut sich besonders darüber, dass auch ihr Patenkind Aline Egli im Team ist, mit der sie auch den Kiosk der Badi Lützelsee führt. Bild: Sabine Rock

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Petrus ist ihr Chef. Scheint die Sonne, dann steht Isabella Odermatt vom 1. Mai bis zum Bettag im September in der Badi Lützelsee. Das tut die bald 54-jährige Bademeisterin jedoch auch, wenn es bewölkt ist, Hauptsache, es bleibt trocken. So bleibt für einen Gesprächstermin mit der Hombrechtikerin nur ein Regentag. Doch zum vereinbarten Zeitpunkt hört es plötzlich zu regnen auf. Da kennt die Bademeisterin kein Pardon: Flugs verschiebt sie das Interview auf den Nachmittag. «So können wir wenigstens noch die Sträucher und Büsche schneiden, die habens nötig.»

Wer Isabella Odermatt in ihrem Element erlebt hat, erkennt unweigerlich, mit welcher Hingabe sie ihren Job als Bademeisterin ausübt. Dass sie ihr Privat­leben im Sommer dieser Tätigkeit unterordnet, sich sozusagen nach dem «Chef Petrus» richtet, «ist für mich eine Einstellungssache». Bei der Arbeit lade sie ihre Batterien auf, denn nicht nur liebt sie den Job vor der idyllischen Kulisse des Lützelsees, auch innerhalb ihres aufgestellten Teams könne sie auftanken.

«Zickereien haben im Team keinen Platz.»Isabella Odermatt

Da herrschen eine Herzlichkeit und gegenseitige Wertschätzung, «dass Zickereien gar keinen Platz haben», erzählt sie bei einer Tasse Tee in ihrem Zuhause in Stäfa. Zu diesem Team gehört allen vor­an ihr Patenkind, die 26-jährige Aline Egli, mit der sie sich die Bademeisterstelle teilt. Dazu gehören auch drei weitere Frauen, die sofort zur Stelle sind, wenn es an sonnigen Tagen strub zu und her geht. Denn nebst dem Badebetrieb führen die Bademeisterinnen auf eigene Rechnung den Kiosk. Es gibt Gäste, die erscheinen pünktlich zur Mittagszeit, um beim Essen vor dem Lützelsee abzuschalten.

Drogenszene am Lützelsee?

Isabella Odermatt war 22, als sie von einem vierjährigen Auslandaufenthalt zurückkehrte und vom Vater erfuhr, dass am Lützelsee ein neuer Bademeister gesucht würde. Sie hatte eine ­Bäcker-Konditor-Lehre abgeschlossen und in Kanada als Nanny gejobbt, doch einen Badebetrieb führen? Sie bekam den Zuschlag und trat 1985 zusammen mit einem Kollegen ihre erste Saison an. Weil erstmals so junge Leute den Betrieb übernahmen, munkelte man im Dorf, ob jetzt auch noch die Drogenszene am Lützelsee Einzug halte. Isabella Odermatt lacht, als sie davon erzählt. Früher waren eben stets Ehepaare angestellt worden. Dass sie dann elf Saisons blieb, «verdanke ich vor allem Walo Rie­sen, der damals im Vorstand der Lützelseebad-Genossenschaft wirkte und mich einführte», erinnert sie sich mit etwas Wehmut an den vor zwei Jahren Verstorbenen. Er habe sie gefördert und ihr dabei stets freie Hand gelassen.

«Ich habe viel Rückendeckung.»Isabella Odermatt

Ein unerwartetes Familienereignis, nebst der Geburt ihres Sohnes Tobias, zwang sie 1995, der Badi den Rücken zu kehren. Erst 2008 sprach sie beim Vorstand der Lützelseebad-Genossenschaft, die die Badi betreibt, vor und meinte so ganz nebenbei: Wenn ihr wieder mal eine Bademeisterin braucht, ich stehe zur Verfügung. Und, wie die heutige Präsidentin Corina Pally bestätigt: «Isa kriegte sofort den Job.» Die Anstellung wird nämlich immer von Jahr zu Jahr erneuert und der Vorgänger hatte kein Interesse mehr bekundet. Pally trat ihr Amt ebenfalls 2008 an und sagt heute über Odermatt: «Wenn Isa eines Tages aufhört, höre auch ich auf!»

Als Team stark

Seither ist Isabella Odermatt sozusagen die Seele und das Gesicht der Lützgi, wie die Badi liebevoll von den Stammgästen genannt wird. Dagegen wehrt sie sich vehement: «Es heisst nicht ich, sondern wir.»

Die beiden Bademeisterinnen sind so verschieden, wie sie sich im Team aber auch ergänzen. Die Jüngere erledigt liebend gern den Einkauf und trifft morgens vollbepackt in der Badi ein. Wo inzwischen die Ältere gewischt und die Treppe geschrubbt hat, den Sand aus dem Kinderbassin geschaufelt und frische Blumen in die Vase gesteckt hat. Damit um 9 Uhr alles bereit ist für die ersten Badegäste, die ihren Cappuccino, en Zmorge oder ein Birchermüesli bestellen werden.

Ein Anruf genügt

Dann kommt Isabella Odermatt auf ihre Lieferanten zu sprechen, ohne die der Badebetrieb kaum so reibungslos ablaufen würde. Und erzählt: «Am letzten Wochen­ende sind wir regelrecht überrannt worden.» Obwohl sie sich gewappnet hatten, gab es am Sonntag weder geräucherte Felchen noch Bratwürste und keinen Geisskäse mehr. Ein Anruf an die drei Lieferanten habe genügt. Wenig später lieferten sowohl der Berufsfischer, die Metzgerei als auch die Käserei Nachschub. «Ich habe also viel Rückendeckung und bin von lieben Herzen umgeben.» Dieser Zusammenhalt überwältigt sie immer wieder aufs Neue. Das lässt sie die nicht selten wochenlangen Einsätze bei einer 7-Tage-Woche mit einer Präsenz von bis zu 14 Stunden täglich verkraften.zsz.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.07.2016, 16:24 Uhr

80 Jahre Badi Lützelsee

Hinter der Perle steckt eine Genossenschaft

In der Regel werden Seebäder von den jeweiligen Gemeinden betrieben. So auch die zweite Badi von Hombrechtikon in Feldbach. Diejenige am Lützelsee ist aber kein Familienbetrieb, sondern gehört seit 80 Jahren der Lützelseebad-Genossenschaft, die auch die Bademeisterinnen entlöhnt. 1935 fand die Gründungsversammlung statt.

Wie es dazu kam? Ein Arzt aus der Region hatte in den 1930er erfahren, dass Schwimmen sehr gesund sei. Mit Gleichgesinnten hat er sich dafür eingesetzt, am Lützelsee eine Badi zu realisieren. Doch der Pfarrer intervenierte gegen das Vorhaben, wie Genossenschaftspräsidentin Corina Pally weiss. «Man fand die Idee, dass Frauen und Männer in derselben Badi badeten, anstössig.» Die Gruppe um den Arzt konnte sich schliesslich durchsetzen und die Badi im Sommer 1936 mit einem Festakt eröffnet werden. Weil bei einigen Hombrechtikern anfangs noch moralische Bedenken überwogen haben, wurden Einzel-Umkleidekabinen errichtet. Der Dienstagnachmittag war zudem für Frauen reserviert. Es sollte aber Jahre dauern, bis sich alle Dorfbewohner in die Badi inmitten der Moorlandschaft wagten. «Noch heute ist das Dorf geteilt, was seine Seebäder anbelangt», sagt Pally dazu. Diejenigen, denen das dunkle Moorgewässer ungeheuer ist, schwärmen von der Badi Feldbach am Zürichsee und für die Fans des Lützelsees gibt es nichts Schöneres als ihre Idylle mitten im Grünen.

Die zunehmenden Besucherzahlen führten zu einer Vergrösserung der Anlage. Die heutigen Gebäude wurden 1962 gebaut, sind also genauso alt wie Bademeisterin Isabella Odermatt. Immer wieder stehen Renovationen an. Dafür zuständig ist die Genossenschaft, für die die Badi-Eintritte die Haupteinnahmequelle ist. Letzte Saison verzeichnete die Badi über 11’400 Einzeleintritte, Besucher mit Abos nicht eingerechnet. Die über 100 Genossenschafter zahlen einmalig 50 Franken bei ihrem Beitritt. Das 80-Jahr-Jubiläum haben die Genossenschafter im Frühling an ihrer Jahresversammlung bereits gefeiert. Wie die Präsidentin verrät, ist ein Tag der offenen Tür für die Badegäste geplant, mit Würsten und Getränken. Das Datum werde spontan in der Badi angekündigt. (mz)

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