Hombrechtikon

Seitensprünge mit Komplikationen

In«Service inbegriffe» stehen zwar nur fünf Schauspieler auf der Bühne. Dafür sorgen diese für umso turbulentere Szenen im neuen Stück der Theatergruppe Amaryllis.

Sie gehören zum harten Kern von Amaryllis (von links): Susi Soltermann (Gaby), Sven Flütsch (Roger), Reto Graf (Fredy) und Ruedi Hösli (Gery).

Sie gehören zum harten Kern von Amaryllis (von links): Susi Soltermann (Gaby), Sven Flütsch (Roger), Reto Graf (Fredy) und Ruedi Hösli (Gery). Bild: Sabine Rock

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Wenn zwei Herren mit demselben Namen Schmid im kleinen Hotel «Zum Klösterli» einchecken und beide auf ihre Begleiterinnen warten, hat der Aushilfsreceptionist Fredy auf einmal alle Hände voll zu tun. Verwechslungen sind da vorprogrammiert und ohne Komplikationen kommt der Schwank «Service inbegriffe» natürlich auch nicht aus. Dabei stehen lediglich zwei Schauspielerinnen und drei Schauspieler auf der Bühne.

Diese ist in drei Bereiche unterteilt und bietet mit dieser cleveren Einrichtung gleich drei Spielorte: Im oberen Sektor blickt man links ins blaue Zimmer des Gery Schmid (Ruedi Hösli), der sich zu einem romantischen Wochenende mit Helen (Barbara Hohl) verabredet hat. Während es für den verheirateten Gery der erste Seitensprung ist, bringt der ebenfalls verheiratete Roger Schmid (Sven Flütsch) da schon mehr Erfahrung in ausserehelichen Rendez-vous mit. Er freut sich, seine Geliebte Gaby (Susi Soltermann) wieder mal richtig in die Arme schliessen zu können. Sein grünes Zimmer grenzt an Gerys Zimmer an.

Den unteren Bereich der Bühne nehmen die Hotellobby sowie die Hotelbar ein. Hier wirkt der etwas mürrische Fredy (Reto Graf), der im Hotel seiner Schwester während deren Abwesenheit aushilft. Der rasche Wechsel von einem Spielort zum andern, und das gehört zum temporeichen Stück, wird mittels Lichteinstellung angedeutet, währenddem die restliche Bühne im Dunkeln bleibt.

Einige Neuerungen

Es ist die 28. Produktion der Theatergruppe Amaryllis, die seit 1989 existiert. Da Roland Rüegg nach 14 Jahren die Regie abgegeben hat, führt erstmals Alice Hauschild das Hombrechtiker Ensemble. «Wir haben uns aus 20 Bewerbungen für sie entschieden», erzählt Vereinspräsidentin Sabina Häusler vor der Theaterprobe. Sie selber spielt heuer nicht mit, hat dafür die Regieassistenz übernommen. Für Alice Hauschild, die eigentlich Sportlehrerin ist, aber Ausbildungen als Bewegungsschauspielerin und Theaterpädagogin vorweisen kann, ist es der erste Einsatz als Regisseurin. Umso mehr schätzt die 50-Jährige aus Uster, dass sie mit Amaryllis auf eine hoch motivierte Gruppe gestossen ist. «Die haben alle viel mehr Erfahrung im Unterhaltungstheater als ich und steuern gute Ideen bei», ist sie voll des Lobes für ihr engagiertes Team.

Obwohl sie anfangs unsicher gewesen sei, ob sie diesen Routiniers überhaupt Anweisungen geben dürfte, ist inzwischen das Vertrauen untereinander gewachsen und die gegenseitige Unterstützung gross. Was Alice Hauschild besonders schätzt und für ein Laientheater gar als Luxus bezeichnet, ist die Regieassistenz. Zudem kann sich die neue Regisseurin auf das eingespielte Team von Bühnenbauer Dino Corbella verlassen sowie auf die Zuständigen für Licht und Technik (Eric und Leandro Bilang) sowie auf die ehemalige Darstellerin Regula Marbach zählen, die für den passenden Look der Spieler sorgt.

Gin Tonic à discretion

Während also die Herren Schmid auf ihre Damen warten, taucht zum Schreck von Roger in diesem Gottverlassenen Hotel seine Frau Helene auf. Was um Himmels Willen hat sie hier verloren? Eigentlich wäre sie ja mit Gery verabredet. Roger nimmt also seine verdutzte Helene mit aufs Zimmer. Der ahnungslosen Gaby, die inzwischen in der Bar auf ihn wartet und sich von Fredy einen Gin Tonic nach dem andern servieren lässt, darf die eigene Ehefrau auf keinen Fall über den Weg laufen. Und da ist Gery, der verzweifelt auf der Suche nach Helene ist und nicht versteht, warum sie sich plötzlich aus dem Staub gemacht hat.

Dieses Wirrwarr ausbaden soll nun Frey. Er muss von Zimmer zu Zimmer eilen und schlichten und dazwischen ständig neue Drinks mixen. Doch er ist nicht auf den Kopf gefallen und nutzt die Not von Roger schamlos aus.

Spätestens jetzt wird klar, wie raffiniert der eingangs erwähnte Szenenwechsel an drei Spielorten mittels Licht gelöst wurde. Jedes Mal den Vorhang zu ziehen, wäre schwerfällig gewesen und hätte dem Stück die Rasse genommen. Es ist gerade dieser Schlagabtausch, den die Regisseurin als die grösste Herausforderung für die Schauspieler bezeichnet. Doch die Fünf gehören zum harten Kern von Amaryllis und meistern auch diese Aufgabe mit Bravour.

Premiere: Freitag, 16. März um 20 Uhr, Gemeindesaal Blatten, Hombrechtikon. Weitere Aufführungen 17., 23. und 24 März. Vorverkauf Blumenatelier Lehmann in Hombrechtikon und Reisebüro Zeilinger in Stäfa. www.theater-amaryllis.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.03.2018, 15:14 Uhr

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