Prozess

Sein Geständnis war Fluch und Segen zugleich

Ein Nigerianer musste sich am Mittwoch wegen Besitzes und Handels mit Kokain vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Ihm drohte gar ein Landesverweis.

Wegen Geldsorgen verkaufte ein Mann aus dem Bezirk Meilen Kokain.

Wegen Geldsorgen verkaufte ein Mann aus dem Bezirk Meilen Kokain. Bild: Symbolbild/Keystone

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Als er seinen Job verliert und seine Schweizer Ehefrau zeitgleich pensioniert wird, sieht ein im Bezirk Meilen wohnhafter Nigerianer nur noch eine Lösung, um sich finanziell über Wasser zu halten: Er besorgt sich bei einem Strassendealer Kokain und beginnt, dieses weiterzuverkaufen.

Gut neun Monate lang tut er dies, bis ihn die Polizei im letzten September vor dem Strandbad Ländeli in Meilen schliesslich auf frischer Tat ertappt. Für seine Vergehen musste sich der heute 44-Jährige am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten.

Polizei konnte nichts finden

Wie während des gesamten Vorverfahrens zeigte sich der Beschuldigte auch vor Gericht vollumfänglich geständig. So gab er zu, bis zu seiner Verhaftung Drittpersonen insgesamt mindestens 240 Gramm Kokain in Portionen von zirka 0,6 Gramm für jeweils 70 Franken verkauft zu haben. Wobei es keine Angaben zum Reinheitsgrad der Drogen gibt. Dieser ist massgeblich für das Strafmass.

Interessant am Fall ist dabei, dass die Staatsanwaltschaft dem Mann lediglich den Verkauf von 0,49 Gramm (Reinheitsgrad unbekannt) sowie den Besitz von weiteren 1,14 Gramm Kokain (Reinheitsgrad 49 Prozent) hätte beweisen können. Bei einer Hausdurchsuchung nach seiner Verhaftung konnte die Polizei denn auch kein weiteres Kokain finden. Erst als der Beschuldigte von sich aus sein Versteck nannte, stellten die Beamten weitere 5,8 Gramm (Reinheitsgrad 46 Prozent) des weissen Pulvers sicher. Ebenfalls aus freien Stücken gab der Mann die Zeitdauer sowie die ungefähre Menge seines Drogenhandels bekannt.

Mit seinem Tun hat sich der Mann nicht nur des unbefugten Erwerbs, Besitzes und Handels strafbar gemacht, er nahm ausserdem in Kauf, mittelbar oder unmittelbar die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr zu bringen. Der Staatsanwalt forderte für die aus seiner Sicht «schweren Vergehen» eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf Bewährung unter einer Ansetzung einer zweijährigen Probezeit sowie eine Busse von 2000 Franken. Er ging dabei von einer ursprünglichen Strafe von 24 Monaten aus, wobei sich das Geständnis sowie die bis anhin blütenreine Weste des Mannes strafmildernd auswirkten. Der Entscheid über ein Landesverweis überliess er dem Gericht.

Echte Reue erkannt

Der Verteidiger des Beschuldigten argumentierte, dass sich die Schwere der Taten seines Mandanten überhaupt erst aus dessen Geständnis ergeben habe. Er forderte deshalb eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten bedingt. In gut neun Monaten habe sein Klient lediglich ein Gewinn von rund 8000 Franken gemacht. «Er hat sich also nicht im grossen Stil bereichert. Es war eine reine Verzweiflungstat.»

Das Gericht sah dies ähnlich. Dennoch verurteilte es den Nigerianer zu 14 Monaten auf Bewährung unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit. Den Schwellenwert von 18 Gramm für den Handel mit reinem Kokain habe der Beschuldigte deutlich überschritten. Damit handle es sich klar um ein schweres Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Obschon der Mann sich damit einer sogenannten Katalogtat, die automatisch zu einem Landesverweis führt, schuldig gemacht hat, darf er in der Schweiz bleiben. Massgeblich dazu beigetragen hat gemäss dem Gericht, dass der Beschuldigte sich vollumfänglich geständig zeigte und gar mehr zugab, als nötig gewesen wäre. Die Richter werteten dies als Zeichen echter Reue und als Anhaltspunkt dafür, dass der Mann künftig nicht mehr straffällig werde.

Erstellt: 12.06.2019, 17:27 Uhr

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