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Schwierig zu spielen, aber umso leichter zu geniessen

Mit einem ebenso bunten wie anspruchsvollen Jahreskonzert begeisterte der Musikverein Herrliberg (MVH) unter Edin Pasalic am Sonntagabend sein Publikum in der reformierten Kirche Tal.

Hatte sein Orchester im Griff: Dirigent Edin Pasalic liess den Musikverein Herrliberg zur Höchstform auflaufen.
Hatte sein Orchester im Griff: Dirigent Edin Pasalic liess den Musikverein Herrliberg zur Höchstform auflaufen.
André Springer

«Ist hier noch ein Platz frei?» dürfte kurz vor dem Auftritt des Musikvereins Herrliberg wohl die am häufigsten gestellte Frage gewesen sein. Denn nicht nur für das Orchester ist das Konzert im November das Highlight des musikalischen Jahres. Dirigent Edin Pasalic verstand es einmal mehr, ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen und die Musikanten mit Humor und Professionalität zur Höchstform auflaufen zu lassen.

Im Medley der packendsten Melodien, die Nick Glennie-Smith als Soundtrack für den Film «The Man in the Iron Mask» schrieb, konnte das Ensemble gleich zu Beginn schon zeigen, was in ihm steckt und wie Hollywood-tauglich eine Blasmusik ist. Dabei machten es Komponist wie Arrangeur den Musikern alles andere als leicht.

Spannungsbogen gehalten

Abrupte Takt-, Tempo-, Rhythmus- und Tonartenwechsel verlangten den Musikern nicht nur Konzentration ab, sondern auch die Flexibilität, von jetzt auf gleich völlig andere Emotionen auszudrücken. Das Ergebnis verfehlte seine Wirkung nicht: Obwohl das Stück sehr lang war, brach der Spannungsbogen nie ab, und das Publikum in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Kirche hing den Akteuren quasi am Mundstück.

Thematisch keine leichte Kost und auch musikalisch nicht ohne war «Fate of the Gods» von Steven Reineke, wo nach der Entstehung der Welt Gut und Böse erbittert um die Vorherrschaft kämpfen. Der atmosphärische Charakter des Werkes wurde durch eine Mini-Lichtshow noch unterstrichen. Als punktgenau beim letzten Ton das Licht im Chorraums erlosch, ging mehr als nur ein «Wow» durch die Reihen. Und es sollte nicht das einzige Mal sein, dass visuelle Effekte den akustischen ein Krönchen aufsetzen.

Saxophon-Quartett zu fünft

«Bohemian Rhapsody» von Queen-Sänger und Frontman Freddie Mercury war der erste Nummer-1-Hit der Rockgruppe und wurde schon unzählige Male in den verschiedensten Arrangements gespielt. Paul Murtha schrieb den Song um für ein Saxophon-Quartett. Für das Publikum war es ungewohnter, nur einen kleinen Teil der Musiker zu hören als die Tatsache, dass die Saxophonisten das Quartett zu fünft spielten. Sie brachten vom ersten Ton an ein so mitreissendes Queen-Feeling auf die Bühne, dass das Publikum unmissverständlich einen Nachschlag forderte.

Nach «Twins» von Jan Hadermann, einem Werk voller zu einem überraschenden Ganzen verschmelzender Kontraste, und Melodien aus dem Film «Chicken Run», die wiederum die ganze musikalische wie physische Beweglichkeit des MVH forderte, setzt der Verein mit «Glee Showstoppers» zu einem vibrierenden Schlussspurt an.

Unter einem Showstopper versteht man eine Darbietung in einem Bühnenstück, welche dem Publikum so gefällt, dass die Aufführung aufgrund des heftigen Beifalls kurz unterbrochen werden muss. Der Titel versprach denn auch nicht zu viel. Die Hits aus der TV-Serie «Glee» heizten dem Publikum noch einmal richtig ein. Gelegenheit, das Konzert mit ihrem frenetischen Applaus zu unterbrechen, hatte es nach diesem letzten Programmpunkt zwar nicht mehr, aber unter zwei Zugaben liessen sie die Musiker dann doch nicht gehen.

Für Musiker anstrengend

«Es war für die Musiker ein anstrengendes Konzert», sagte Dirigent Edin Pasalic zu Recht zufrieden im Nachgang. Damit spielte er nicht nur auf die Länge mancher Stücke an, sondern auch auf deren technischen wie musikalischen Anspruch. Für die Besucher war das Zuhören alles andere als anstrengend, sondern wie üblich ein Genuss. Gegen eine dritte Zugabe hätten sie jedenfalls nichts einzuwenden gehabt.

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