Erlenbach

Traditionsreiche Apotheke schliesst ihre Türen

Ab Mitte September gibt es in Erlenbach nur noch eine Apotheke, die Amavita im Einkaufszentrum Erlibacher Märt. Die traditionsreiche Schwanen-Apotheke an der Seestrasse stellt ihren Betrieb ein.

Die Tage der Schwanen-Apotheke in Erlenbach sind gezählt.

Die Tage der Schwanen-Apotheke in Erlenbach sind gezählt. Bild: Sabine Rock

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Noch ist sie an drei Tagen pro Woche geöffnet. Mitte September schliesst die Schwanen-Apotheke in Erlenbach für immer. Immer weniger Kundinnen und Kunden suchten zuletzt den Laden an der Seestrasse 71 auf. So wurde die Ertragslage für die Besitzerin, die Pill Group AG, unbefriedigend, wie Geschäftsleitungsmitglied Andreas Schüpbach auf Anfrage mitteilte. Er ist Marketing- und Verkaufsleiter der Pill Group.

Das in Pfäffikon SZ domizilierte Unternehmen betreibt derzeit an 16 Standorten Apotheken, Drogerien oder Kombinationen davon. Geographisch sind die Filialen verteilt vom Bündnerland, wo die Besitzerfamilie Barandun herstammt, über das linke Zürichseeufer und das Zürcher Seefeld bis ins Limmattal. Dort tätigte die Pill Group ihre jüngste Akqusition: Die ehemalige Apotheke Rochat in Geroldswil lebt jetzt weiter als Pill Apotheke im Dorf.

Reihe von Schliessungen

In Erlenbach gabs letztlich zu wenig zum Überleben für die Pill Apotheke & Drogerie Schwanen, wie sie offiziell heisst. Sie teilt dieses Schicksal mit anderen Dorfläden im Gebiet zwischen Bahnhof und Schifflände, dem einstigen eigentlichen Dorfzentrum. Verschwunden sind in jüngerer Zeit traditionsreiche Geschäfte wie Dindo Comestibles, die Bäckerei-Konditorei Meier mit dem Café Maieriesli oder das Papeterie-Warenhaus Vario.

Die Kundenströme haben sich verlagert auf die entgegengesetzte Seite des Bahnhofs. Dort liegt der neue Pol im Erlenbacher Einkaufsangebot, das Einkaufszentrum Erlibacher Märt mit Migros, Coop - und der Amavita-Apotheke. Amavita betreibt in der Schweiz rund 170 Apotheken und gehört wiederum zur Galenica, die total rund 500 Apotheken zählt. An die Amavita im Erlibacher Märt verweist die Schwanen-Apotheke ihre Kunden nach der Schliessung.

War eine Institution

Wie andere der einstigen Dorfläden war auch die Schwanen-Apotheke eine Institution. Jahrzehntelang wurde sie geführt vom Ehepaar Robert und Ruth Wyss. Unzählige Gespräche im Dienste von Schule und Gemeinde hätten im Hinterzimmer der Apotheke stattgefunden, schrieb Alt-Gemeindepräsident Balz Hotz im Nachruf, als Ruth Wyss im September 2011 im Alter von 87 Jahren verstarb.

Die diplomierte Pharmazeutin wurde 1970, also noch ein Jahr vor Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene, als Parteilose in die Erlenbacher Schulpflege gewählt und später zu deren Präsidentin. 1986 bis 1994 war sie im Gemeinderat. Das Gespräch unter vier Augen war ihre bevorzugte Methode der politischen Arbeit – und fand eben nicht selten im Haus zum Schwanen statt.

Im Jahr 2001 übernahm die heutige Pill Group die Schwanen-Apotheke von Ruth Wyss und führte den Betrieb nahtlos weiter. Die Liegenschaft ist im Besitz der Familie Barandun, der auch die Pill Group AG gehört.

Zur Miete ausgeschrieben

Zurzeit ist das Gewerbelokal auf einem Immoblienportal zur Vermietung ausgeschrieben. Vorderhand hat die vom Apotheker Stephan Limbach geführte Pill-Filiale jeweils Montag, Mittwoch und Freitag geöffnet. Am Freitag, 14. September, ist der letzte Verkaufstag.

Dem Geschäftsführer habe die Pill Group kündigen müssen, sagt Schüpbach, weil derzeit keine solche Stelle frei sei im Unternehmen. Weitere personelle Härten blieben aus; eine Angestellte wechselte innerhalb der Pill Group, eine kündigte selber und wurde nicht ersetzt.

Erstellt: 16.08.2018, 16:53 Uhr

Apotheke oder Arzt

Einkaufs- und Apothekenlandschaft ändert sich

In den Augen eines langjährigen Kunden der Schwanen-Apotheke in Erlenbach war ein Grund für die Schliessung schnell klar: Einst habe die Apotheke täglich die Martin-Stiftung beliefert, ein Wohnheim für Erwachsene mit kognitiver Behinderung, das in der gleichen Gemeinde steht. Seit einiger Zeit aber liefere ein Arzt, der Bewohner des Heims behandelt, die Medikamente.

Das Heim hält dagegen. Laut Umsatzliste habe die Martin-Stiftung 2017 mit der Schwanen-Apotheke rund 30 Prozent mehr Umsatz verzeichnet als im Vorjahr, und im laufenden Jahr sei bereits jetzt das Volumen des ganzen Jahrs 2016 erreicht, sagt die Kommunikationsverantwortliche Cinzia Sartorio. Gerade ältere Bewohnerinnen bezögen vielfach ihre Medikamente von der Schwanen-Apotheke.

Bei der Pill Group, der Eigentümerin der Schwanen-Apotheke, hält man den Ball flach. «Natürlich ist die Belieferung eines Heimes ein schöner Auftrag», sagt Andreas Schüpbach, Marketing- und Verkaufsleiter. «Aber die Martin-Stiftung war nicht ausschlaggebend für die Schliessung.» Er nennt die Kundenfrequenz als wichtigen Grund (siehe Haupttext); an Standorten mit besseren Voraussetzungen seien die Apotheken der Gruppe erfolgreich.
Auch Lorenz Schmid, Präsident des kantonalen Apothekerverbandes und CVP-Kantonsrat, sieht den Standortnachteil, der sich für die Schwanen-Apotheke aus den Entwicklungen der einkaufsmöglichkeiten in Erlenbach und am ganzen rechten Zürichseeufer ergibt. Solchen Veränderungen müssten sich die Apotheken eben stellen.

Zur Frage, ob Heime und Langzeitpflegeinstitutionen die Medikamente von Apotheken oder von Ärzten beziehen sollen, sagt Schmid: «In zehn, zwanzig Jahren wird es in diesem Bereich die Selbstdispensation durch Ärzte nicht mehr geben.» Die Apotheken könnten diese Dienstleistung günstiger und für die Heime praktischer erbringen.

In diesem Zusammenhang interessant: Zum Thema des Medikamentenverkaufs haben sich Apotheker und Ärzte vor zehn Jahren im Kanton Zürich einen Abstimmungskampf geliefert. Eine Initiative der Ärzte verlangte, dass neu auch die Ärzte in den Städten Zürich und Winterthur Medikamente abgeben dürfen, so wie ihre Kollegen im restlichen Kantonsgebiet schon vorher. Die Stimmbürger sagten Ja dazu.

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