Knabenschiessen

Schützenkönig zu sein, prägt das Leben

Neva Menzi aus Zollikon gewinnt das Knabenschiessen. Die letzte Gewinnerin vom See und der erste Zolliker Schützenkönig erinnern sich an ihren Triumph.

Neva Menzi ist die dritte Person aus Zollikon, die am Zürcher Knabenschiessen den Sieg holen konnte.

Neva Menzi ist die dritte Person aus Zollikon, die am Zürcher Knabenschiessen den Sieg holen konnte. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Zollikerin Neva Menzi ist nicht die erste junge Frau vom rechten Zürichseeufer, die sich den Titel der Schützenkönigin holt. Die letzte Frau, die das Knabenschiessen gewinnen konnte, war die Meilemerin Maria Grieser. Sie schoss 2015 die Maximalpunktzahl und wurde – wie Menzi, ebenfalls ohne am Ausstich teilnehmen zu müssen – zur Siegerin gekrönt.

Bei ihrem Sieg war Grieser 17 Jahre alt. Zuvor hatte sie schon ein paar Mal am Knabenschiessen teilgenommen. Es brauche sicher auch etwas Glück, um zu gewinnen, doch es sei auch eine Übungssache. «Ich wusste, dass das mein letzter Versuch war, Schützenkönigin zu werden», erzählt Grieser heute rückblickend.

Maria Grieser triumphierte 2015 am Zürcher Knabenschiessen. Bild: Sabine Rock

Sie habe sich sicherer gefühlt als die Jahre zuvor. Vielleicht sei es auch ein Vorteil gewesen, dass sie schon am Samstagmittag die Maximalpunktzahl schoss. «Es übte sicher Druck auf die anderen aus.» Es sei für sie kein gutes Gefühl gewesen, als sie noch bis Montagmorgen abwarten musste, ob noch jemand anderes 35 Punkte erzielen würde. Man zittere, ob es reichen würde oder nicht und sie hätte fast nicht schlafen können.

Ein Gefühl, das nun auch Neva Menzi kennen dürfte. Sie schoss die 35 Punkte gleich am Sonntagmorgen.

«Ich glaube, die Leute hatten schon Freude an mir»Maria Grieser

Der Titel «Schützenkönigin» veränderte für Grieser einiges: Schon am Abend darauf wurde sie im Tram erkannt und angesprochen. Die Prominenz machte ihr nichts aus. Als offene und redefreudige Person genoss sie die Radiointerviews, die Aufmerksamkeit von Schulleitung, Lehrern und Schülern in der Berufsschule und das eigens für sie organisierte Fest in der Gemeinde. «Ich glaube, die Leute hatten schon Freude an mir», sagt Grieser und lacht.

Der Prominentenstatus nehme zwar mit der Zeit ab, doch noch heute wird sie vor allem in Meilen oft erkannt. Gerade dieses Wochenende sei sie in einem Restaurant mit «Da ist ja unsere Meilemer Schützenkönigin!» begrüsst worden.

Land- statt Sturmgewehr

Neben Andreas Amrein im Jahr 2000 und Urs Arbenz 1955 ist Neva Menzi die dritte Zolliker Gewinnerin. Der Schützenkönig von 1955, Urs Arbenz, hat besonders Freude an der Siegerin aus seinem Heimatort und erzählt am Montag nochmals von seinen Erfahrungen am Knabenschiessen.

Er habe damals noch mit einem Langgewehr statt einem Sturmgewehr geschossen. Beim Stichkampf habe er gegen seinen Mitstreiter Lorenz Werner einen Rekord gebrochen und 33 Punkte erreicht. «Ich bin deswegen aber kein besonderer Schütze», sagt der pensionierte Kinderkardiologe. Sein einziges Training sei im Armbrustschützenverein Zollikon gewesen.

Im Jahr 2000 gewann Andreas Amrein – ebenfalls ein Zolliker – das Knabenschiessen. Hier im Bild mit Regierunsgrätin Rita Fuhrer (SVP). Bild: Archiv Tamedia

Insgesamt nahm Arbenz vier Mal am Knabenschiessen teil. Die Leistung am Fest selber sei auch eine Glückssache. Die momentane Verfassung, die Nervosität und wen man als Instruktor habe seien alles Faktoren, die eine grosse Rolle beim Schiessen spielen würden.

Manchem Festfan blieb Arbenz nicht nur wegen seiner Schiessleistung in Erinnerung. Diese Zeitung berichtete 1955: «Bei der Ehrung des Schützenkönigs wurde mit Beifall davon Kenntnis genommen, dass Urs Arbenz seinem im Ausstich unterlegenen Kameraden den von ihm gewünschten Preis – ein Leichtmotorrad, das er seinem Vater schenken möchte, damit er nicht mehr mit dem Velo zur Arbeit fahren müsse – überliess und sich den Philips Radio wählte.»

1955 siegte Urs Arbenz – und wurde in der Zürichsee-Zeitung gefeiert.

Ob sein Kamerad das Motorrad tatsächlich seinem Vater geschenkt hatte, ist nicht überliefert. Fest steht, dass sich die beiden Schützen Jahre später noch einmal trafen, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Erstellt: 09.09.2019, 16:17 Uhr

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