Schriftsteller Lukas Hartmann erzählt von historischem Dreiecksverhältnis

Lukas Hartmann kam nach Meilen: Im Gespräch mit Journalistin Nathalie Zeindler gab der Schriftsteller Einblicke in sein Schreiben, vor allem in seinen jüngsten Roman «Ein Bild von Lydia».

Lukas Hartmann im Gespräch mit Journalistin Nathalie Zeindler.

Lukas Hartmann im Gespräch mit Journalistin Nathalie Zeindler. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Konzentriert, aber bedächtig betritt Lukas Hartmann, 74, das Podium, setzt sich auf einen Polstersessel, genehmigt sich einen Schluck Wasser und schaut auf die rund 70 Gäste, die gespannt seiner Ausführungen harren. Nathalie Zeindler, seine Gesprächspartnerin, stellt zuerst die Romane des preisgekrönten Berners vor.

Bald schon dreht sich alles in der Tertianum-Parkresidenz in Meilen um Lydia Welti-Escher, die Tochter von «Eisenbahnkönig» Alfred Escher, die sich in eine schicksalhafte Liebschaft mit dem Maler Karl Stauffer einliess. Hartmann erzählt in seinem Buch «Ein Bild von Lydia» detailliert und historisch genau von der Dame aus der Zeit der Belle Epoque: Sie scherte aus und verlangte von ihrem prominenten Mann die Scheidung. Präzis, spannend und ausschweifend beschreibt der Autor die Gefühlsnuancen im verhängnisvollen «Dreiecksverhältnis» von Ehepaar und Liebhaber. Zwischendurch liest er Passagen aus seinem Werk. «Mich interessiert das Einzelschicksal in den vorgegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen», erläutert er seine Motivation für das vorliegende Werk. Welche Möglichkeiten hatte ein Mann oder eine Frau am Ende des 19. Jahrhunderts? Wie kam es zum Überdruss am Traditionellen? Wo gab es Raum für die Leidenschaft? Oder blieb im gesellschaftlichen Korsett dafür kein Spielraum?

Ehemann von Bundesrätin

Lukas Hartmann sucht und findet in seinen historischen Romanen «Leerräume», wie er sagt, um neben Geschichtsträchtigem auch Emotionales in seine Werke einfliessen zu lassen. In «Ein Bild von Lydia» kommt der Kammerzofe Marie Louise Gaugler diese verfremdende Rolle zu. Sie schafft es, den Blickwinkel auf die Geschehnisse zu verändern, was auf die Leserinnen und Leser übergreift. Zwar werden immer noch nicht alle Fragen beantwortet, was ganz im Sinn des Dichters ist. Louise, welche aus einfachsten Verhältnissen stammt, bleibt Lydia aber in allen Irrungen und Wirrungen loyal verbunden. Ihre Liebe und Treue tun dem Buch gut, das mit seinen tragischen Ereignissen nicht nur mitreisst, sondern auch eine gewisse Schwere aufweist.

Auf die Frage, wie er seine Rolle als Bundesratsgatte im Schatten seiner berühmten Frau erlebe, sagt Lukas Hartmann: «Ich habe die Beobachterposition.» Er sehe, wie es in und um das Bundeshaus zugehe, erlebe echte und falsche Freunde, auch Intrigen, «worüber ich unschwer zwei bis drei Romane schreiben könnte». Das tue er natürlich nicht. Hartmann erzählt weiter, dass seine Frau sich sehr für seine Schriftstellerei interessiere und Anteil nehme, «wenn sie Zeit hat». Der jetzige Wechsel des Departements erfordere aber viel Einsatz. «Im Sommer kommen dann wieder andere Zeiten», sagt er zuversichtlich.

Neuer Roman

Der Berner Bestsellerautor arbeitet viel: Manchmal schreibt er sechs bis acht Stunden am Tag. Er verfasste schon als Kind einen ersten Roman und wollte das Schreiben bereits damals zum Beruf machen. Seinen Eltern zuliebe wurde er aber zuerst Lehrer, später Journalist und Medienberater. Heute ist Lukas Hartmann einer der bekanntesten Schriftsteller der Gegenwart. Sein Output an Büchern für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ist gross.

Im April wird er einen weiteren historischen Roman veröffentlichen. In «Der Sänger» beschreibt er Joseph Schmidt: Der hochbegabte Tenor ist Jude und muss sich im Jahr 1942 vor den Nazi-Schergen fürchten. Er hofft auf ein gutes Leben in der demokratischen Schweiz. Hartmann erkennt geschichtliche Parallelen zwischen der Zeit von damals und heute, was das Publikum verblüffte. Der Autor sieht in der destabilisierten Welt eine Herausforderung, der, wie er meint, nicht allein mit Härte, sondern auch mit Menschlichkeit zu begegnen wäre. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.03.2019, 10:12 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben