Zürichsee

Schon wieder: Horngegner zeigt Kapitäne an

Was die einen freut, ärgert andere wegen unnötiger Lärmbelästigung. In Stäfa gibt das Hornen von Kursschiffen erneut Anlass zu einem Anzeigeverfahren.

Am Stäfner Schiffsteg scheiden sich die Geister, wenn ein Schiff akustische Warnsingnale ausstöss: Die einen applaudieren, die anderen erschrecken.

Am Stäfner Schiffsteg scheiden sich die Geister, wenn ein Schiff akustische Warnsingnale ausstöss: Die einen applaudieren, die anderen erschrecken. Bild: Archiv Michael Trost

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Mit dem Sommerwetter wird eine Affäre der letzten beiden Jahre aufgewärmt. Wieder wurde eine Anzeige wegen mutmasslicher Missachtung des Hornverbots für Kursschiffe erstattet. Kapitäne dürfen nicht mehr, wie früher üblich, ihre Ankunft am Schiffssteg mit einem kurzen Hup-, Pfeif- oder Hornton quasi ankündigen um Kollisionen mit anderen Booten oder Schwimmern vorzubeugen. Das Bundesamt für Verkehr hat dieses viertelsekundenlange Signal verboten. Falls wirklich Gefahr droht, müsse der im Gesetz für die Binnenschifffahrt vorgesehene Warnton angewendet werden. Dieser dauert vier Sekunden.

Schon diese Änderung erhitzte die Volksseele. Als dann der Mann, der dies 2017 durchgesetzt hatte, im letzten Sommer auch noch mehrmals Kapitäne anzeigte, die gegen das Hornverbot verstiessen, kochte die Volksseele über. Der Stäfner wurde in Leserbriefen und in den Social Media beschimpft und als Killer einer «alten Tradition am Zürichsee» bezeichnet, der doch wegziehen solle, wenn ihn die Schiffstöne störten. Jetzt übernimmt ein Anderer die Rolle des «Buhmanns von Stäfa».

«Kein Grund zum Hornen»

Am letzten Wochenende hat der Mann insgesamt sieben Verstösse gegen das Hornverbot festgestellt und zur Anzeige gebracht. Am Samstag notierte er fünf aus seiner Sicht unnötige Warnsignale. Am Sonntag näherte sich das Dampfschiff Stadt Rapperswil zweimal dem Schiffssteg mit Pfeifen. «Es gab in keinem Fall einen Grund zum Hornen, es war schönstes Wetter, windstill und weder ein Hindernis noch eine Gefahr waren zu sehen», sagt er. «Ich habe auch alles mit Fotografien dokumentiert.»

«Als ich die Argumentation der Kapitäne und die Zeitungsberichte las, fand ich es an der Zeit, ebenfalls einzuschreiten.»

Der Mann spricht offen zum Reporter, will aber, was seinem Vorgänger an Schimpf und Schande widerfuhr, nicht auch erleben. Anderseits macht er sich keine Illusion, dass er ewig unerkannt bleibt. Schliesslich habe es ja auch beim Anzeiger vom letzten Jahr ein Leck gegeben, sodass dessen Identität bekannt wurde. «Dann ist es halt so, mit diesem Risiko muss ich leben», sagt der Mann. «Ich bin couragiert.» Darum würde er auch seine Anzeige keinesfalls zurückziehen.

«Viele regen sich auf»

Ihm gehe es nicht um Rechthaberei, sondern um ein notwendiges Einschreiten. Er fühle sich auch nicht alleine mit seinem Widerstand. «Es gibt viele, die sich über das unnötige Hornen aufregen.» Ihn, der in Sichtweite des Seeufers lebe, erschrecke das unvermittelte Hornen seit langem. «In den letzten Jahren habe ich den Vorgang aus sicherer Distanz beobachtet. Als ich die Argumentation der Kapitäne und die Zeitungsberichte las, fand ich es an der Zeit, ebenfalls einzuschreiten.» Die Anzeige habe er jedenfalls nicht leichtfertig und aus einer Laune heraus erstattet.

Was den Stäfner ebenfalls stört, ist das Verhalten der Liebhaber des Schiffshornens. «Das scheint mir ein echter Fanclub zu sein.» Diese Leute würden die Kapitäne zum Hornen ermuntern. Einige provozierten mit Schwimmen beim Schiffsteg oder mit dem Stand-up-Paddle im Fahrweg des Schiffs so lange, bis das von ihnen erwünschte Warnsignal ertöne. Warum hier die Gemeindepolizei nicht einmal aufklärend eingreift, versteht der Mann nicht.

«Unübersichtliche Anlage»

Die Zürichsee-Schifffahrtgesellschaft (ZSG) hat noch keine Bestätigung der Anzeige erhalten. ZSG-Direktor Roman Knecht ist aber nicht erfreut, dass das Hornverbot schon den dritten Sommer hintereinander zum Thema wird. Es sei emotional belastet und polarisiere stark. Das verunmögliche eine sachliche Berichterstattung. Weshalb vor allem beim Schiffssteg in Stäfa gehornt werden müsse, erklärt Knecht: «Die Anlage in Stäfa ist unübersichtlich, wodurch vergleichsweise oft Schallsignale notwendig sind.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.06.2019, 14:25 Uhr

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