Küsnacht

Schleichverkehr durchs Quartier sorgt für Unmut

Die Umleitung wegen der Seestrassenbaustelle stellt die Behörden vor Herausforderungen. Die Verkehrssituation in Küsnacht und Zollikon ist angespannt.

Auf der verwinkelten Zürichstrasse – notabene eine Tempo 30-Zone – hat der Verkehr morgens stark zugenommen.

Auf der verwinkelten Zürichstrasse – notabene eine Tempo 30-Zone – hat der Verkehr morgens stark zugenommen. Bild: Manuela Matt

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Ein Offroader, ein Porsche und ein Mini kriechen über die Zürichstrasse in Küsnacht in Richtung Stadt, dahinter drängen sich weitere Autos. Hier direkt unterhalb des Oberstufenschulhauses ist es durch eine Baustelle besonders eng. Ein Lotse im neongelben Tenue achtet in diesen frühen Morgenstunden darauf, dass alles seine Ordnung hat: Wenn sich Gegenverkehr ankündigt, stoppt er die Blechlawine für einen Moment, bevor diese sich weiter in die schmale Quartierstrasse ergiessen kann.

Um 9 Uhr packt der Lotse seine Siebensachen: Seine Schicht ist zu Ende. Kurz darauf wird es allerdings brenzlig: Ein Lastwagen bahnt sich seinen Weg in Richtung Küsnachter Dorfzentrum, was den Verkehr für einen Moment zum Erliegen bringt. Doch als das grosse Gefährt sich anschickt, die Baustelle zu passieren, reagiert der vorderste Autofahrer einer erneuten Schlange entgegenkommender Autos geistesgegenwärtig: Er stoppt, so dass der Lastwagen genügend Raum zum Rangieren hat. Aufs Trottoir ausweichen muss dieser dennoch, als er am Gegenverkehr vorbeifährt.

Der Grund, dass es zu solchen Szenen kommt, liegt weiter seewärts: Die Seestrasse muss in Küsnacht derzeit zwischen der Einmündung Oberwachtstrasse und dem Ermitage saniert werden und ist deswegen nur einspurig befahrbar. Der Verkehr in Richtung Stadt wird in der Folge über die Dorfzentren von Küsnacht und Zollikon geleitet.Die Zürichstrasse ist dabei ein beliebter Schleichweg, wie der Augenschein vor Ort beweist.

Weil die Seestrasse gesperrt ist (rot), wälzt sich der Verkehr via Umleitung (blau) durchs Dorf. Das sorgt für Unmut.

Unterschriften gesammelt

Dass die Autofahrer nicht immer vorausdenkend agieren, macht das Gespräch mit zwei Anwohnerinnen klar. Wenn man entgegen des Pendelverkehrs in Richtung Küsnacht fahren wolle, sei es schlimm, sagt die eine. Und mit dem Velo erst, fügt die andere hinzu. Dass es sich hierbei nicht um Einzelmeinungen handelt, verdeutlicht zudem die Tatsache, dass Anwohner inzwischen gut 300 Unterschriften bei der Gemeinde Küsnacht eingereicht haben. Sie fordern, dass der Schleichverkehr durchs Quartier Goldbach, der teilweise auch über die Bogleren- und Goldbacherstrasse läuft, unterbunden werden muss.

«Wir müssen alle einen Beitrag dazu leisten», sagt Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) auf die Frage, wie man die Interessen der Quartierbewohner auf der einen und jene der Autofahrer auf der anderen Seite unter einen Hut bringen kann. Es sei schlicht nicht möglich, alle Seiten zufrieden zu stellen. Dabei sorgt die Gemeinde durchaus für mehr Ordnung, wie etwa die drei bis vier Verkehrslotsen zeigen, die morgens an den neuralgischen Punkten Boglerenstrasse/Alte Landstrasse, Boglerenstrasse/Zürichstrasse, Zürichstrasse/Rigistrasse und je nach Bedarf noch an einem weiteren Ort eingesetzt werden.

Sperrung funktionierte nicht

Kurzzeitig hatte die Gemeinde versucht den Anwohnern entgegenzukommen, indem sie am Mittwoch letzter Woche die Quartierstrassen für den Durchgangsverkehr nach Zürich sperrte. Die Sperrungen führten allerdings zu einem Rückstau auf der Seestrasse und der Ärger der Betroffenen landete unter der Headline «Goldküstenbaustelle nervt Autofahrer gewaltig» prompt in der Gratiszeitung 20 Minuten.

«Wir können die Quartierstrassen nicht sperren», sagt der Küsnachter Sicherheitsvorsteher Martin Wyss denn auch. «Andernfalls würde die Umleitung nicht mehr funktionieren». In Zollikon wurde seit Beginn der Umleitung am 11. März allerdings noch eine Änderung umgesetzt, indem auf dem Teil der Alten Landstrasse, der durch den alten Dorfkern führt, ein Einbahnregime eingeführt wurde. Dies nicht zuletzt wegen der vielen Schüler und der fehlenden Trottoirs dort. Laut Baudirektion sind teilweise fehlende Trottoir und die Schüler übrigens auch der Grund, weswegen die Goldbacher- und die Boglerenstrasse nicht als Umleitung genutzt wurden – doch manch ein Autofahrer lässt sich davon nicht abschrecken und nutzt die Strassen als inoffizielle Umfahrung.

Erstellt: 11.04.2019, 18:49 Uhr

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