Schiffszuschlag

Die Kritiker fühlen sich bestätigt

Die heute präsentierten Zahlen zu den Auswirkungen des Schiffszuschlags auf dem Zürichsee sind Wasser auf die Mühlen der Gegner: Sie prüfen gar eine Volksinitiative.

Sie will «vorwärts schauen»: Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP). Die Kritiker des Schiffszuschlages sehen das ganz anders.

Sie will «vorwärts schauen»: Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP). Die Kritiker des Schiffszuschlages sehen das ganz anders. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heute haben der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und die FDP-Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh Bilanz gezogen nach einem Jahr Schiffszuschlag auf den Schiffen der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG).

Diese fällt durchzogen aus. So konnte durch den Zuschlag von 5 Franken pro Tag zwar ein Gewinn von knapp 2,4 Mio. Franken generiert werden. Der Kostendeckungsgrad der stark defizitären ZSG (-12 Mio. pro Jahr) wurde dadurch etwas gesenkt.

Allerdings sind die Passagierzahlen auf Zürichsee und Limmat 2017 insgesamt um 30 Prozent gesunken. Gerechnet hatten die Verantwortlichen mit einem Einbruch in der Grössenordnung von 26 Prozent. Hierbei sei noch betont: Der Rückgang um 30 Prozent kommt durch einen Vergleich mit dem 5-Jahres-Durchschnitt zustande. Vergleicht man das Jahr 2017 (1,1 Mio. Passagiere) mit dem Jahr 2016 (1,65 Mio. Passagiere), dann resultiert ein Rückgang von rund 500 000 Passagieren.

Stark gelitten hat die Gastronomie auf dem See: Der Umsatz auf den Schiffen ist um 14,5 Prozent gesunken, die Schiffs-Gastronomie schreibt 2017 einen Verlust. Nachdem bereits im vergangenen Jahr 10 Personen ihre Stelle im Gastrobereich verloren haben, sollen nun weitere Kompensationsmassnahmen folgen. So wird gemäss ZSG-Direktor Roman Knecht die Menükarte «gestrafft» und die Selbstbedienung auf den Schiffen soll ausgebaut werden.

Mani hält an Parlamentarischer Initiative fest

All dies ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker des Schiffszuschlages. «Der Mehrertrag im Verhältnis zum Ärger ist sehr klein», sagt beispielsweise der Wädenswiler EVP-Kantonsrat Tobias Mani. Ähnlich sieht es dessen Ratskollege Jonas Erni (SP, Wädenswil), der am Dienstag an der Pressekonferenz im Hotel Marriott persönlich anwesend war.

Beide gehörten zu den Kritikern der ersten Stunde und reichten unter anderem ein dringliches Postulat im Zürcher Kantonsrat ein, welches im letzten Jahr kontrovers und während fast zwei Stunden diskutiert, aber letztlich relativ knapp abgelehnt worden war.

Nach wie vor hängig ist eine Parlamentarische Initiative zum Thema, die ebenfalls Tobias Mani eingereicht hat. An dieser will er nun angesichts der präsentierten Zahlen umso mehr festhalten. «Der Kantonsrat hat jetzt die Zahlen auf dem Tisch – und diese sind sehr ernüchternd», sagt Mani. Grosse Hoffnungen mache er sich zwar nicht, weil die bürgerliche Mehrheit im Rat den Schiffszuschlag wohl weiterhin stützen werde.

Die Parlamentarische Initiative sei aber nur ein möglicher Weg, betont Mani. Man prüfe überparteilich alle Optionen. Denkbar sei auch die Lancierung einer Volksinitiative.

Kutter fordert «elegantere Alternative»

Dem Schiffszuschlag kritisch gegenüber steht auch der Wädenswiler Stadtpräsident und CVP-Kantonsrat Philipp Kutter. Er sehe zwar die Notwendigkeit für ökonomische Verbesserungen bei der ZSG. Der Schiffsfünfliber sei jedoch die falsche Massnahme, was die nun veröffentlichen Zahlen untermahlen würden.

Kutter wünscht sich deshalb, dass ZVV und Volkswirtschaftsdirektion das Thema nun nicht einfach so abhaken. «Vielmehr sollte weiter über eine elegantere Alternative zum Schiffszuschlag nachgedacht werden», sagt der CVP-Kantonsrat.

Eine Variante, die im Kantonsrat bereits diskutiert wurde, sei zum Beispiel die Herauslösung der rein touristischen Rundfahrten aus dem ZVV-Tarifsystem. Die von Pendlern frequentierten Querfahrten könnten dann vom Fünfliber befreit werden.

Forrer: «Bedenklich»

Es sei bedenklich, wenn man 30 Prozent Passagierrückgang in Kauf nehme, findet Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne, Erlenbach). Seine Reaktion auf das erste Jahr mit dem Schiffszuschlag von fünf Franken fällt nicht so gut aus wie die von den Verantwortlichen. «Die Einnahmen sind nicht im selben Mass gestiegen, wie die Fahrgastfrequenzen gesunken sind», sagt Forrer. «Die Regierung hat die Rechnung ohne die Bevölkerung gemacht.»

Ausserdem sei ein gewichtiger Faktor in der Abrechnung noch unberücksichtigt geblieben: die sinkenden Einnahmen aus dem Topf des Generalabonnements. Forrer resümiert: «Der Schiffsfünfliber ist der ­falsche Schritt, wenn die Fahrgastzahlen so stark einbrechen. Denn ein öffentliches Angebot wie die Schifffahrt auf dem Zürichsee lebt davon, dass es von der Bevölkerung genutzt wird.»

«Unsinnige Abbaupolitik»

Die SP spricht in einer Mit­teilung von «katastrophalen Auswirkungen des Schiffs­zuschlags». Sie verbindet die Ablehnung des Zuschlags in der ­Bevölkerung gar mit dem beschränkten Zugang zu den Ufern des Zürichsees. Da dieser stark eingeschränkt sei, sei die Schifffahrt für breite Kreise der Bevölkerung die einfachste Möglichkeit, den See zu geniessen. Die SP nennt den Schiffszuschlag «ein Paradebeispiel unsinniger Abbaupolitik». Die prognostizierten Mehreinnahmen seien nicht erreicht worden. Das Möglichste machen

Besonders stark betroffen ist die Zürichsee Gastro, die als Firma von der Schifffahrts­gesellschaft unabhängig ist. ­Geschäftsführer Roland Thalmann zeigt sich trotz allem zuversichtlich für die Zukunft. Dass man die Auswirkungen unterschätzt habe, bestätigt er. Es sei schwierig gewesen, sich auf die neue Situation vorzu­bereiten. «Wir hatten ja keine Erfahrungswerte.» Der Umsatzrückgang um 14,5 Prozent hängt sicher stark mit dem Schiffszuschlag zusammen. Denn die sogenannten Traumschiffe, für die der Zuschlag nicht gilt, haben ein gutes Jahr hinter sich.

Gastro: «Das Möglichste daraus machen»

Es seien vor allem die Längsschifffahrten, die gastronomisch schlechter gelaufen seien, sagt Thalmann. Per Ende Jahr habe er darum 10 von 38 Festangestellten kündigen müssen, sagt der Pächter. Auf den Saisonstart im Frühling könne er aber aufgrund der Anpassungen am Konzept allen wieder eine Stelle anbieten, auch denen, die im Dezember gehen mussten. Je nach Jahreszeit und Wetter arbeitet die ­Zürichsee Gastro zusätzlich mit Temporärangestellten.

Roland Thalmann unterstreicht, dass der Zürichsee Gastro auch in dieser schwierigen Situation «die Qualität am Herzen liegt». Die angekündigten Selbstbedienungsbereiche würden höchstens in einem Raum oder auf sehr schlecht frequentierten Kursen angeboten. Die beliebtesten Menüs und A-la-carte-Gerichte würden weiterhin angeboten. Die Reduktion von fünf auf ein Tagesmenü ist bereits 2017 erfolgt. «Wir müssen das Möglichste aus dieser schwierigen Situation machen», schliesst Roland Thalmann. (zsz.ch)

Erstellt: 06.02.2018, 18:18 Uhr

Artikel zum Thema

Zu hoher Preis für diesen Ertrag

Kommentar Reporter Pascal Jäggi zu den ZSG-Einbussen durch den Schiffszuschlag auf dem Zürichsee. Mehr...

Zuschlag tut weh – ZVV hält aber daran fest

Schiffszuschlag Die Passagierfrequenz auf dem Zürichsee hat wegen des Schiffszuschlags um 30 Prozent abgenommen. Die Gastronomie hat einen Verlust geschrieben. Dennoch will der ZVV am Zuschlag festhalten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare