Zürichsee

Schiffsstationen in Bedrängnis

Nicht alle Haltestellen der ZSG sind gut frequentiert. Eine Rangliste zeigt, welche Stationen top sind und wo kaum jemand ein Schiff besteigt.

Schlusslicht in der Rangliste: Kaum je steigt in Uerikon eine grosse Menschenmenge auf ein Schiff, meist sind es nur einzelne Fahrgäste.

Schlusslicht in der Rangliste: Kaum je steigt in Uerikon eine grosse Menschenmenge auf ein Schiff, meist sind es nur einzelne Fahrgäste. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) will ihr Angebot besser an die Nachfrage anpassen. Im Jahr 2020 will sie deshalb ein neues Fahrplankonzept einführen. Noch gibt sich die ZSG ­zurückhaltend, was das konkret bedeutet. Allerdings dürfte die Schaffung neuer Angebote für Touristen ab Zürich und Rapperswil nicht ohne das Aufgeben von einzelnen bisherigen Routen gehen. Denn die ZSG darf nicht mehr Geld ausgeben als bisher.

Im jüngsten Geschäftsbericht publiziert die ZSG erstmals seit Jahren wieder die Fahrgaststatistik für jede einzelne Schiffsstation rund um den Zürichsee und auf der Limmat. Aber nicht nur das: Das Schifffahrtsunternehmen erstellt sogar eine eigene Rangliste der 31 Haltestellen. «Wir möchten klar kommunizieren, wo wie viele Fahrgäste unterwegs sind», sagt Mediensprecherin Wiebke Sander auf Anfrage. Es sei der ZSG ein wichtiges Anliegen, transparent zu sein.

Die Liste zeigt mit nackten Zahlen die harten Fakten. Weil 2017 der Passagierrückgang aufgrund des Schiffszuschlages markant ist und die Ufenau geschlossen war, ist das Jahr 2016 aussagekräftiger. Schlusslicht ist die Schiffsstation Uerikon in der Gemeinde Stäfa. 2016 waren es nur knapp 1800 Fahrgäste, die dort ein- und ausstiegen. Mit geltendem Schiffszuschlag 2017 waren es dann gar nur noch 800.

Wiebke Sander sagt, man dürfe diese Zahlen nicht überinterpretieren: «Sie sind nicht nach der Anzahl Kurse gewichtet.» Das Beispiel Oberrieden zeigt, was dies bedeutet: 2017 stiegen dort 3300 Personen ein und aus, 2016 waren es rund 5200. Das klingt nach viel, ist aber im Verhältnis zu den rund 1600 Schiffen, die dort jährlich halten, wenig. Nicht zuletzt deshalb liegt wohl die linksufrige Gemeinde auf den hinteren Rängen der beliebtesten Haltestellen. In Uerikon hielten übrigens 2017 über das ganze Jahr gesehen rund 330 Schiffe.

«Schlechteste» Gemeinde am Obersee ist Altendorf. Dort stiegen nur vereinzelt Fahrgäste ein und aus. Die Gemeinde strich nicht zuletzt aufgrund der jahrelang tiefen Fahrgastzahlen die ­finanzielle Beteiligung an einer zweiten Rundfahrt. Weil sich mehrere Gemeinden zurückzogen, wurde diese 2018 gestrichen. Nun verkehrt nur noch ein Schiff täglich auf dem Obersee.

Ist die Top-und-Flop-Liste nun ein erster Anhaltspunkt dafür, welche Haltestellen ab dem Fahrplan 2020 bedroht sind? Nein, beschwichtigt man bei der ZSG. «Die Ein- und Aussteigerzahlen sind nur ein kleines Puzzleteil des künftigen Angebotes», sagt Sander. Die Gemeinden müssten «nicht zwangsläufig befürchten», nicht mehr bedient zu werden. «Für solche Aussagen ist es noch zu früh.»

Bereits Stationen gestrichen

Und trotzdem wecken die tiefen Fahrgastzahlen schlechte Erinnerungen. Mit ebendieser Begründung hob die ZSG 2002 die Haltestellen Mönchhof (Kilchberg) und Seerose beziehungsweise Theater (Zürich) auf. Im Fahrplanjahr 1997/1998 strich das Schifffahrtsunternehmen die Stationen Schooren (Kilchberg), Küsnacht-Goldbach und Obermeilen.

«Ich gehe davon aus, dass die ZSG auch weiterhin alle Gemeinden am See bedient», sagt Martin Arnold, Gemeindepräsident von Oberrieden (SVP). «Ich kann die Oberriedner nur dazu aufrufen, das Angebot der ZSG auch zu nutzen.» In Stäfa ist man sich den tiefen Frequenzen in Ürikon bewusst: Für Gespräche über eine Aufhebung der Schifflände Ürikon würde man aber nicht handbieten, betont Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger.

Genau hinschauen wollen jene Politiker, die sich mit einer Initiative gegen den Schiffsfünfliber gewehrt hatten. Stellvertretend sagt Kantonsrat Thomas Forrer (Grüne): «Wir begrüssen die Stossrichtung der ZSG, das Angebot attraktiver zu machen.» Für ihn gehören allerdings dazu weniger Optimierungen beim Fahrplan, sondern vielmehr das aufgefrischte Ambiente und die neuen Uniformen, die am Dienstag präsentiert wurden. Das Angebot der ZSG – insbesondere die Querfahrten – seien Grundversorgung für die Menschen am See. Der Abbau von Fahrten und Haltestellen kommt für Forrer und seine Mitstreiter Jonas Erni (SP) und Tobias Mani (EVP) nicht infrage.

Konkrete Sparvorgaben, wie diese nach der Abschaffung des Schiffsfünflibers befürchtet wurden, hat die ZSG nicht erhalten. Vielmehr hat der Zürcher Regierungsrat bereits im März klar formuliert, was das Unternehmen bis 2022/2023 erreichen muss: Effizienzsteigerungen auf der Kostenseite, Massnahmen zur Verbesserung der durchschnitt­lichen Auslastung bei der Kursschifffahrt sowie eine nachfrageorientierte Anpassung des Angebots. Jetzt geht es für die ZSG bis im Herbst dieses Jahres darum, diese Vorgaben auch gegenüber den Gemeinden zu konkreti­sieren. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.05.2018, 17:19 Uhr

Anklicken für grössere Ansicht. Download PDF mit den Daten 2015 bis 2017: Jahresbericht ZSG

Artikel zum Thema

ZSG will neue Rundfahrten für Touristen schaffen – Pendlerschiffe werden überprüft

Zürichsee Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft hat ihr Fahrplankonzept für die Jahre ab 2020/2021 präsentiert: Die ZSG will ihr Angebot besser an der Nachfrage ausrichten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!