Meilen

Schiesswütiger steht im November vor Gericht

Im Sommer 2016 wurde ein Mann verhaftet, der durch Schussabgaben Feldmeilen aufschreckte. Jetzt muss er vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft stellt Antrag auf eine ambulante Massnahme. Denn der 33-Jährige gilt als schuldunfähig.

Die Polizei rückte im Sommer 2016 mit einem Grossaufgebot aus und sperrte ein ganzes Quartier grossräumig ab: Nun muss sich der 33-Jährige, der Feldmeilen damals mit Schüssen aufgeschreckt hatte vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten.

Die Polizei rückte im Sommer 2016 mit einem Grossaufgebot aus und sperrte ein ganzes Quartier grossräumig ab: Nun muss sich der 33-Jährige, der Feldmeilen damals mit Schüssen aufgeschreckt hatte vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Bild: Manuela Matt

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130 Schüsse in 20 Minuten. Ab­gegeben aus einer Pistole im ­eigenen Garten. Ein Sprecher der Kantonspolizei sprach im August 2016 in einer ersten Reaktion von einem «Waffentest». Es seien «ein paar Schüsse in die Rabatten» abgegeben worden. Der Schütze wurde später an der Lang­strasse verhaftet. Nachbarn in Feldmeilen hatten wegen der Schussabgabe die Polizei gerufen.

Dass es 130 Schüsse waren, steht in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland, die der ZSZ vorliegt. Ebenso, dass die Schiessorgie alles ­andere als ungefährlich war. Der Mann sass deswegen vier Monate in Haft. Die Staats­anwaltschaft klagt den Schweizer mit chinesischen Wurzeln jetzt unter anderem wegen Gefährdung des Lebens an.

Ungeübter Schütze

Begründet wird diese Anklage so: Der Beschuldigte sei ein unge­übter Schütze gewesen. Von ein paar Schüssen in die Rabatten kann nach Meinung der Anklage auch keine Rede sein. Vielmehr habe der Mann auf ein imaginäres Ziel beziehungsweise auf ­Bäume in Richtung der Bahnlinie geschossen. Der Schussbereich sei dabei nicht durch einen Ku­gel­fang gesichert gewesen. Die Bahnlinie war lediglich vier Meter vom Garten entfernt. So seien vorbeifahrende Züge und die ­dar­in sitzenden Passagiere konkret gefährdet worden. Zudem seien sowohl der Garten als auch der Bahndamm öffentlich zugänglich, deshalb hätte der 33-Jährige einen Waffentragschein benötigt. Die Waffe hatte er allerdings 2013 legal erworben, zusammen mit drei Magazinen à 13 Schuss.

Zum Hauptanklagepunkt kommen drei weitere Vorwürfe. Bei der Verhaftung in Zürich stellte die Polizei einen Dolch sicher, den der Beschuldigte im Seitenfach der Fahrertüre seines Autos mitführte (Vergehen gegen das Waffengesetz). Bei einer Hausdurchsuchung am Verhaftungstag fanden die Beamten fünf Soft-Air-Pistolen im Zimmer des Mannes. Diese sind zwar ungefährlich, gelten aber aufgrund ihrer Verwechslungsgefahr mit echten Waffen als Waffen (Übertretung gegen das Waffengesetz). Schliesslich liess er einen Kollegen ohne Fahrausweis sein Auto lenken (Überlassen eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne erforderlichen Ausweis).

Psychische Probleme

Offensichtlich leidet der Be­schul­digte an psychischen Problemen. Denn die Staatsanwaltschaft fordert eine Massnahme für eine schuldunfähige Person. In eine geschlossene Anstalt müsste der Mann nicht. Die Mass­nahme soll ambulant ausgesprochen werden. In einer Klinik war der Beschuldigte aber auch schon. Denn der Fall hatte auch deshalb Schlagzeilen gemacht, weil der Mann in den Tagen nach der Tat den Alltag in der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) auf Facebook dokumentierte. So lud er etwa Bilder von Angestellten hoch, rechtfertigte sein Tun und stiess Drohungen aus.

Für die PUK war das damals ein bisher ungesehener Fall. Vor allem aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurde das Handy des 33-Jährigen eingezogen, die Bilder mussten gelöscht werden. Heute ist der Facebook-Account des Mannes gelöscht. In Haft kam der Mann erst am 11. August, fünf Tage nach der ersten Arretierung.

Der Prozess findet am 8. November am Bezirksgericht Meilen statt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 09:36 Uhr

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