Prozess

Schiesswütiger muss nicht in geschlossene Anstalt

Vor zwei Jahren hat ein Mann Dutzende Schüsse in einem Garten in Feldmeilen abgegeben. Das Bezirksgericht verurteilt jetzt den 34-Jährigen unter anderem wegen Gefährdung des Lebens. Er ist schuldunfähig.

Das Bezirksgericht Meilen verzichtet im Fall eines 34-jährigen Mannes aus Feldmeilen auf die Einweisung in eine geschlossene Anstalt.

Das Bezirksgericht Meilen verzichtet im Fall eines 34-jährigen Mannes aus Feldmeilen auf die Einweisung in eine geschlossene Anstalt. Bild: Archiv Manuela Matt

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130 Schüsse hatte er Richtung Geleise abgegeben. Nicht gezielt, aber doch so, dass Menschen hätten zu Schaden kommen können. Die Nachbarschaft hat er am Vormittag des 6. August 2016 in Angst und Schrecken versetzt. Der 34-Jährige aus Feldmeilen hat psychische Probleme, er leidet an paranoider Schizophrenie.

Der Schweizer mit chinesischen Wurzeln gilt als schuldunfähig und kann nicht zu einer Freiheits- oder Geldstrafe verurteilt werden. Staatsanwaltschaft und Verteidiger waren sich einig, dass eine ambulante Massnahme angemessen ist. Also, dass der Mann für die Behandlung seiner Krankheit nicht in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden soll.

Dennoch dauerte es eine Weile bis die Einzelrichterin über den Fall entschieden hat. Denn an der Verhandlung äusserte der Beschuldigte Zweifel daran, dass die Diagnose Schizophrenie stimmt. Er habe mit Wissen seines Psychiaters die antipsychotischen Medikamente abgesetzt. Die Richterin verschob den Urteilsspruch darum, um vom behandelnden Psychiater selbst zu erfahren, welche Medikamente sein Patient nimmt und wie er therapiert werden soll. Nun hat das Bezirksgericht Meilen das Urteil der ZSZ zugestellt. Die Richterin kommt zum Schluss, dass die ambulante Massnahme genügt. Die Stellungnahme des Psychiaters, die dem Urteil nicht beiliegt, hat offenbar überzeugt.

Psychotischer Schub

Die Diagnose einer psychischen Störung würde nicht nur die wilde Schiessübung im Garten erklären, sondern auch das weitere Verhalten des 34-Jährigen. Der schüchterne Eigenbrötler zeigte sich in den Tagen vor der Tat plötzlich sehr offen und schenkte wildfremden Personen das Vertauen.

Dabei kam es auch zu einer weiteren Übertretung. An der Langstrasse überliess er einer 17-Jährigen das Steuer seines Wagens, obwohl diese nicht über einen Fahrausweis verfügte. Die junge Frau hatte er erst gerade kennengelernt, verhielt sich ihr gegenüber aber, wie wenn sie eine gute Freundin wäre. Gemäss der Gutachterin ist das Verhalten auf einen psychotischen Schub zurückzuführen.

Nichts mit der Krankheit des Beschuldigten hat sein Interesse an Waffen zu tun. Vielmehr war er offenbar schon als kleiner Bub von Waffen fasziniert. Als Sechsjähriger stand er zusammen mit seinem Onkel zum ersten Mal an einem Schiessstand. Schuldig ist er auch wegen Vergehen und Übertretungen des Waffengesetzes. Während er die im Garten benutzte Waffe legal erworben hatte, verstossen mehrere Soft-Air-Pistolen und ein im Auto mitgeführter Dolch gegen das Waffengesetz.

Die Kosten von über 38'000 Franken werden dem Beschuldigten auferlegt. Allerdings werden die rund 16'000 Franken, mit denen der amtliche Verteidiger entschädigt wird, vorerst auf die Gerichtskasse genommen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.08.2018, 16:22 Uhr

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