Bezirksgericht Meilen

Schiesswütiger bestreitet vor Gericht Schizophrenie

Ein 33-Jähriger hat im August 2016 seinen Garten in Feldmeilen als Schiessstand missbraucht. Er ist unter anderem wegen Gefährdung des Lebens angeklagt. An der Verhandlung im Bezirksgericht zeigte sich: Der Mann hat psychische Probleme. Die Richterin konnte noch kein Urteil fällen.

Ein schiesswütiger 33-Jähriger musste sich am Mittwoch vor dem Meilemer Bezirksgericht verantworten.

Ein schiesswütiger 33-Jähriger musste sich am Mittwoch vor dem Meilemer Bezirksgericht verantworten. Bild: Archiv Manuela Matt

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Er spricht mit ruhiger Stimme, wirkt schüchtern. Heute könne er verstehen, dass die Nachbarn wegen seinen Schiessübungen verschreckt waren. Doch eine Erklärung, warum er wohl rund 130 Schüsse aus seiner Pistole abgegeben hat, kann er nicht liefern. «Es war ein spontaner Entscheid», sagt der Schweizer mit chinesischen Wurzeln.

Waffen faszinierten ihn. Auf Youtube habe er sich Videos angeschaut, in denen Schiessübungen gezeigt wurden. Zudem war er schon als Sechsjähriger auf einem Schiessstand, ein Onkel hatte ihn mitgenommen. In seinem Zimmer fand die Polizei mehrere sogenannte «Softairguns», also Waffenimitate. Im Auto führte er einen Dolch mit.

Nach Arbeitsverlust depressiv

Dennoch bestreitet der 33-Jährige, dass seine Faszination für Waffen zu der wilden Schiessübung im elterlichen Garten in Meilen geführt hat. Vielmehr erklärt er sich die Tat mit einer psychischen Erkrankung. Diese hat eine lange Vorgeschichte. In der Schule hatte er Probleme, blieb sitzen, hatte Konzentrations- und Verhaltensschwierigkeiten. Lange arbeitete er nach der Schule in einer Stiftung, konnte schliesslich eine Anlehre als Logistiker machen.

Diese Arbeit habe ihm sehr gefallen, gerne würde er sie wieder ausüben. Doch nach einigen Jahren kam es zu Problemen mit Mitarbeitern. Der Beschuldigte spricht von Missverständnissen. Er wird freigestellt, wegen Drohungen und «wirren Aussagen».

Ohne Job fällt er in ein Loch. Im Frühling 2016 entscheidet er sich nach einem Gespräch mit seinem Psychiater, in die Psychiatrische Universitätsklinik einzutreten. Hier habe er sich wohl gefühlt. Doch kaum draussen, bricht er die Therapie wieder ab, in Absprache mit der zuständigen Ärztin, wie er sagt. Der Entscheid ist fatal.

Im Sommer wird er zu einem anderen Menschen. «Diese Seite kannte ich nicht an mir», sagt der Beschuldigte. Der zurückhaltende Eigenbrötler lässt sich plötzlich auf wildfremde Menschen ein, macht Dinge, die er sonst nie getan hätte. Es war eine chaotische Zeit, sagt er heute. Er erlebte einen psychotischen Schub, wie die Gutachterin später feststellt. Auch das wilde Schiessen im Garten könnte so erklärt werden. Die Gutachterin folgert, dass der 33-Jährige an einer paranoiden Schizophrenie leide.

Der Beschuldigte kann das jedoch nicht nachvollziehen. Er meint, dass diese ja nicht plötzlich ausbrechen könne. Er sehe keine Anzeichen dafür in seinem Leben. Zurzeit macht er eine Therapie und nimmt ein Antidepressivum. Antipsychotische Medikamente nimmt er hingegen nicht, angeblich in Absprache mit dem behandelnden Psychiater.

Stellungnahme erforderlich

Die Einzelrichterin kann diesen Mittwoch noch kein Urteil fällen. Grundsätzlich sind sich zwar alle einig, dass der 33-Jährige aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig ist. Doch weil er nicht alle Vorgaben der Gutachterin erfüllt, entscheidet sich die Richterin noch gegen ein Urteil im Sinn einer ambulanten Massnahme. Zuerst müsse der behandelnde Psychiater eine Stellungnahme abgeben. Hält er es auch für richtig, keine antipsychotischen Medikamente abzugeben? Befolgt der 33-Jährige eine Anweisung nicht, käme auch eine stationäre Massnahme infrage. Das Urteil wird den Parteien schriftlich mitgeteilt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.11.2017, 15:53 Uhr

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