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«Rudern ist der ultimative Mannschaftssport»

Der Zumiker Andrin Gulich wurde am 21. Mai Junioren-Europameister im Doppelvierer. Seit sechs Jahren rudert und trainiert er im Seeclub Küsnacht – derzeit mit dem Ziel einer WM-Medaille.

Junioren–Europameister im Doppelvierer: Andrin Gulich trainiert auf dem Zürichsee für die WM–Medaille.
Junioren–Europameister im Doppelvierer: Andrin Gulich trainiert auf dem Zürichsee für die WM–Medaille.
Sabine Rock

Das Wasser ist spiegelglatt. Während die meisten Küsnachter noch schlafen, hebt der 18-jährige Andrin Gulich sein gelbes Einerruderboot mit dem Namen «Schwalbe» hoch. Er legt das Boot sachte ins Wasser des Zürichsees, befestigt die Ruder und rudert los ­­– der Junioren WM- Medaille entgegen.

Vor sechs Jahren begann der Zumiker im Seeclub Küsnacht mit dem Rudersport. Seinen bisher grössten Erfolg feierte er am 21. Mai, als er mit seinen Teamkollegen Linus Copes (Ruderclub Thalwil), Dominic Condrau (Ruderclub Rapperswil-Jona) und Valentin Huehn (Club d’Aviron Vésenaz) Junioren-Europameister im Doppelvierer wurde.

Mit Boot von 2004 an EM

Die vier Ruderer gewannen, obwohl sie das älteste Boot in ihrer Kategorie an der EM ruderten. Das Boot «Athen», das für die Olympischen Spiele 2004 angeschafft wurde, habe ihnen aber einen guten Dienst erwiesen, erzählt Gulich. Für die Junioren-Weltmeisterschaft werde es aber ein neues geben.

Das Weltmeisterschaftsziel Gulichs ist klar: Er möchte eine Medaille gewinnen. Für dieses Ziel werden er und seine Teamkollegen hart trainieren.

Kein Druck vom Trainer

Der Titel des Junioren-Europameisters im Doppelvierer ist für ihn eine Belohnung für all den Verzicht und die vielen Trainingsstunden. Das Gefühl bezeichnet er als unbeschreiblich, motivierend und emotional. Er sei sehr zufrieden und es zeige ihm, was er und seine Teamkollegen richtig gemacht haben.

Mit dem Europameistertitel gerechnet hätten sie aber nicht. Zumindest nicht bis zwei Wochen vor der EM. Da gewann der Schweizer EM-Doppelvierer in München an einer internationalen Regatta. Nach diesem Sieg waren die Hoffnungen auf eine Medaille geweckt. Druck hätten die Trainer aber keinen auf sie ausgeübt. Die Nationaltrainerin habe ihnen gesagt, sie sollen das Beste aus sich herausholen. «Das haben wir getan», sagt Gulich mit strahlenden Augen.

7 bis 12 Trainings pro Woche

Während der Zumiker die Trainings in den kalten Monaten eher in Kleinbooten absolviert, tritt er an Wettkämpfen gerne in grösseren Mannschaftsbooten an. Die Kleinboote seien, so ist Gulich überzeugt, wichtig um besser zu werden. «Aber für mich ist Rudern der ultimative Mannschaftssport». Im Rudern müssen alle zusammen die gleiche Bewegung hunderte Male während eines Rennens absolvieren. Je einheitlicher eine Mannschaft rudert und je mehr Kraft jeder Athlet einsetzt, desto schneller ist das Boot. «Ein schneller Ruderer macht das Boot nicht alleine schnell. Um Erfolg zu haben, müssen alle perfekt aufeinander abgestimmt sein», erklärt Gulich.

Der amtierende Schweizermeister auf dem Ruderergometer in der Kategorie U19 trainiert 7 bis 12 mal pro Woche, was ungefähr 17 bis 22 Stunden entspricht.

Viel Freizeit bleibt dem Maturand, der eine Privatschule in der Stadt Zürich besucht, nicht. Der Sport ist laut Gulich für seinen Schulerfolg förderlich. «Die Fähigkeit, Leistung in einem bestimmten Moment abzurufen, wird mir sicher auch bei den Maturaprüfungen helfen», ist der Gymnasiast überzeugt.

Kräftemessen auf dem See

Mit Rudern angefangen hatte Gulich eher zufällig. Sein älterer Bruder ruderte schon und der damalige Sechstklässler beschloss, einen Anfängerkurs im Rudern zu besuchen. Bald versuchte er sich an den ersten Ruderrennen und fand Gefallen am Kräftemessen auf dem Wasser.

Für die Teilnahme am Coupe de la Jeunesse, einem internationalen Nachwuchswettkampf für Talente, die 18 Jahre alt oder jünger sind, wurde er schon im Alter von 15 Jahren selektioniert. Auch im Austauschjahr in England trainierte er fleissig weiter. So konnte er letztes Jahr erstmals an der Junioreneuropa- und weltmeisterschaft teilnehmen.

Heimische Unterstützung

Von Beginn an hat ihn der Seeclub Küsnacht unterstützt. Der Club stellt ihm nicht nur die nötige Infrastruktur und Boote zur Verfügung, sondern übernimmt auch einen Viertel der Kosten, die für Kaderathleten wie Gulich anfallen. Auch die Kosten für den Juniorentrainer übernimmt der Club. «Einen extremen Anteil an meinem Erfolg hat sicherlich mein Clubtrainer Joachim Drews», betont Gulich. Drews, dem der heutige Erfolg der Leistungssportabteilung des Seeclubs Küsnacht zuzuschreiben ist, habe ihn immer professionell betreut und gefördert.

Studium in Amerika

Dass Gulich auch nach seiner Zeit als Junior weiterrudern wird, steht fest. Ab Herbst wird er an der renommierten amerikanischen Universität Yale studieren. «In amerikanischen Universitäten ist es möglich, Studium und Spitzensport zu vereinigen», sagt er. Yale gebe ihm die Möglichkeit in der Universitätsmannschaft zu trainieren und im Sommer für die Schweiz an internationalen Wettkämpfen anzutreten.

Gulichs Rudererfolge haben ihm geholfen, angenommen zu werden. Akademische Höchstleistungen sind aber auch für Top-Athleten Pflicht.

In den nächsten Jahren als U23-Athlet wolle er die Zeit nutzen, um an seiner Technik zu feilen, sagt Gulich. «Rudererfolge will ich nicht auf Biegen und Brechen erzwingen», steht für den Sportler fest.

Zu Tokio 2020 würde er, wenn es sich ergebe, aber nicht Nein sagen, träumt er vor sich hin.

Für alle Ruderinteressierten bietet der Seeclub Küsnacht am Samstag 17. Juni von 10 bis 14 Uhr einen Tag der offenen Tür an. Neben Vorträgen bietet sich die Gelegenheit für erste Ruderversuche. Nähere Informationen werden auf der Website des Seeclub Küsnacht in den kommenden Tagen aufgeschalten.

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