Zürichsee

Rote Schlieren im Zürichsee beschäftigen die Seepolizei

Das milde Frühlingswetter lockt nicht nur die Menschen nach draussen. Auch die Burgunderblutalge zeigt sich in diesen Tagen wieder an der Wasseroberfläche.

Dieses Bild bot sich einer Meilemerin am Dienstag. Die Burgunderblutalge heisst wissenschaftlich Planktothrix rubescens, was im Griechischen «im Wasser treibendes rötliches Haar» bedeutet.

Dieses Bild bot sich einer Meilemerin am Dienstag. Die Burgunderblutalge heisst wissenschaftlich Planktothrix rubescens, was im Griechischen «im Wasser treibendes rötliches Haar» bedeutet. Bild: PD

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Sie kam, sah und handelte. Als eine Meilemerin am Dienstagmittag in der Nähe des Meilemer Hafenbeckens am See entlang ging, stachen ihr die rötlichen, schleimigen Schlieren an der Wasseroberfläche sofort ins Auge. Die ölige Substanz in der Kombination mit der auffälligen Farbe, liessen bei der Frau sofort die Alarmglocken läuten. Umgehend benachrichtigte die aufmerksame Bürgerin die Seepolizei. Diese gab kurz darauf Entwarnung. Beim rotbräunlichen Teppich handelte es sich nicht etwa um eine gefährliche Wasserverschmutzung, sondern um ein Naturphänomen.

Beim rötlichen Teppich handelte es sich nicht um eine gefährliche Wasserverschmutzung, sondern um ein Naturphänomen.

Was die Meilemerin als chemische Verunreinigung deutete war ein Cyanobakterium, das gemeinhin als Burgunderblutalge bezeichnet wird. Die Alge, die gar keine ist, sondern eine fotosynthetische Mikrobe steigt dank selbst gebildeter Gasbläschen in die sogenannte Sprungschicht (im Zürichsee 5 bis 15 Meter unter der Wasseroberfläche) auf. Dieser Bereich trennt die durch Wind in Bewegung gehaltene durchmischte Wasserschicht von der Tiefenschicht in der das Wasser mehr oder weniger konstant 4 Grad kalt ist. Im Bereich der Sprungschicht lebt und vermehrt sich die Burgunderblutalge den Sommer über.

Wenn es im Herbst kälter wird, passt sich die Wassertemperatur der durchmischten Schicht derjenigen der Sprungschicht an. Die Fäden der Burgunderblutalge kommen dann bis an die Oberfläche. Wind kann die nur wenige Milimeter langen Fäden in eine Bucht oder einen Hafen treiben, wo sie als Ansammlung dann die Wasseroberfläche purpurrot färben.

«Wir rücken gerne aus»

Die Blaualge taucht typischerweise ab dem Spätherbst auf. Wenn der See im Laufe des Winters zusehends abkühlt, wird das Wasser immer tiefer durchmischt und die Alge sinkt ab und stirbt. Sind die Temperaturen jedoch zu mild, bleibt das Bakterium weiter oben hängen. Eine längere Schönwetterperiode, wie wir sie derzeit erleben, lässt die Fäden dann wieder an die Oberfläche steigen.

Gefährlich ist die Planktothrix rubenescens, wie ihre wissenschaftliche Bezeichnung lautet, vor allem für Kleinkrebse. Für den Menschen ist sie indes nicht wirklich gesundheitsschädigend. Zwar bildet die Alge Peptid - eine chemische Verbindung, die vor allem aus Aminosäuren besteht. Um akute Symptome zu entwickeln müsste ein Mensch aber eine sehr grosse Mengen des Bakteriums verzehren. Hautkontakte sind harmlos.

«Wir begrüssen es, dass die Leute mit offenen Augen durch die Welt gehen und uns Auffälligkeiten melden.»Florian Frei, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich

Trotzdem sorgt die Burgunderblutalge immer wieder für Aufregung. So wurde die Kantonspolizei Zürich am 5.Dezember etwa gleich mehrfach wegen vermeintlicher Ölflecken im Zürichsee aufgeboten. «Wir begrüssen es, dass die Leute mit offenen Augen durch die Welt gehen und uns Auffälligkeiten melden», sagt Florian Frei, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. «Wir rücken gerne zur Sicherheit der Bevölkerung aus.» Und wenn sich eine Umweltverschmutzung, wie im Fall von Meilen, als Alge entpuppe, sei dies umso besser. (Züritipp)

Erstellt: 20.02.2019, 16:13 Uhr

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