Prozess

Rote Badehose und Tätowierung bringen ihn in die Bredouille

Ein Schwimmer wehrt sich gegen einen Strafbefehl. Er soll zu nahe an einen Schiffsteg gekommen sein.

Auf dem Zürichsee kommen sich Schwimmer und ZSG immer wieder in die Quere.

Auf dem Zürichsee kommen sich Schwimmer und ZSG immer wieder in die Quere. Bild: Symbolbild/Michael Trost

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Bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) gilt Wollishofen als Brennpunkt. So springen Jugendliche in die Heckwelle von ZSG-Schiffen oder klettern aufs Dach der Schiffe, um gleich wieder runterzuspringen.

Ein heisser Tag im doppelten Sinne war offenbar der 1. August 2018. Die ZSG rief die Polizei, weil sich gegen 13.30 Uhr viele Schwimmer im gesperrten Bereich beim Steg befanden und mehrere Personen in die Heckwelle der Schiffe sprangen. Die Polizei machte Fotos, mehrere Personen wurden überführt und mit Strafbefehlen und Bussen abgestraft.

«Schwimmen ist ein Leistungssport. Da kann es passieren, dass ich wegen eines Krampfs früher an Land muss.»Angeklagter

Ein 30-jähriger Stadtzürcher mochte sich damit nicht abfinden. Er erhob Einsprache gegen den Strafbefehl und eine Busse von 100 Franken. Seine Argumente hat er am Mittwoch am Bezirksgericht Zürich dargelegt. Er schwimme regelmässig in Wollishofen, sagt er. Aber er steige bei der Roten Fabrik ins Wasser, das Ziel sei das Strandbad Mythenquai.

«Schwimmen ist ein Leistungssport. Da kann es passieren, dass ich wegen eines Krampfs früher an Land muss», hält er fest. Bei der Station sei die erste Möglichkeit rauszugehen. Genauer bei einem Kiesstrand nach der Haltestelle. Ob er an diesem 1. August einen Krampf hatte, könne er aber nicht genau sagen. Er wisse nicht mehr, ob er an diesem Tag im Zürichsee war.

Willkürliche Kontrollen

Der sportliche 30-Jährige kritisiert aber auch die Polizei und die aus seiner Sicht mangelnde Signalisierung. Jedes Jahr würden sich Hunderte in der Umgebung der Station Wollishofen im Wasser befinden. Ihm ist es offensichtlich schleierhaft, warum genau an diesem Tag Schwimmer gebüsst wurden. Dass nur eine weisse Boje die Schwimmer darauf hinweist, wo sie nicht mehr hindürfen, empfindet er als ungenügend.

Der Richter erinnert ihn daran, dass es am Prozess nicht um diese Frage geht, sondern nur um seinen Fall. Es gebe Beweisfotos. Darauf ist ein Mann in roter Badehose und einem Tattoo auf dem Oberarm zu sehen. Er besitze eine rote Badehose, gibt der Beschuldigte zu. Die Tätowierung auf dem Foto sehe seiner ähnlich, er glaube aber nicht dass er auf dem Bild zu sehen ist.

«Wenn Sie wirklich einen Krampf gehabt hätten, würden Sie sich genau an den Tag erinnern.»Richter

Der Richter sieht keinen Grund, dem Beschuldigten zu glauben. Er belässt es bei der Verurteilung und der Busse von 100 Franken. Die Geschichte mit dem möglichen Krampf ist ihm zu unkonkret. Er sei selber Schwimmer, sagt der Richter. «Wenn Sie wirklich einen Krampf gehabt hätten, würden Sie sich genau an den Tag erinnern», hält er fest.

Die Fotos würden den 30-Jährigen zeigen, ist der Richter überzeugt. Die Tätowierung, das Aussehen, die Badehose – alles spreche dafür. Die fotografierte Person befand sich im verbotenen 100-Meter-Umkreis um den Steg. Also sei die Verurteilung wegen Übertretung des Binnenschifffahrtgesetzes korrekt, schliesst der Richter.

Der Beschuldigte muss nun zusätzlich 600 Franken Gebühren bezahlen. Noch im Gerichtssaal fragt er, ob er einen Anwalt mit der Berufung beauftragen könne. Der Schuldspruch scheint ihn nicht zu beeindrucken.

Erstellt: 11.09.2019, 17:13 Uhr

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