Stäfa

Rosen und Dornen im Seegärtli, Stäfa

Eine Interessengemeinschaft will das Seegärtli beim ehemaligen Altersheim Rudolfheim als Treffpunktausschliesslich für Senioren erhalten. Der Stäfner Gemeinderat dagegen will eine breitere Nutzung.

Ein erholsames Plätzchen mit langer Geschichte ist das Seegärtli in Stäfa. Um die Nutzung ist ein Streit entbrannt.

Ein erholsames Plätzchen mit langer Geschichte ist das Seegärtli in Stäfa. Um die Nutzung ist ein Streit entbrannt. Bild: Patrick Gutenberg

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Ruhe herrscht an einem sommerlichen Vormittag auf dem kleinen Grundstück des Seegärtlis in Stäfa. Die Stühle sind leer. Eine Frau hat Sonne und Seeluft genossen und geht nach Hause. Im untiefen Wasser vor dem Seegärtli zieht ein Stand-up-Paddler eine Badehose an, bevor er in die zivilisierte Welt der nahe gelegenen Stäfner Haab zurückkehrt. Ein Kormoran startet vom Ufer zu einem Jagdausflug.Nicht ganz so ruhig ist es um das Seegärtli auf politischer Ebene. Unlängst geriet es sogar in den nationalen Abstimmungskampf um die Asylgesetzrevision. Ein Beitrag in der «Weltwoche» vermittelte den Eindruck, dass das nahe gelegene Altersheim Rudolfheim samt dem zugehörigen Seegärtli den Senioren weggenommen worden sei, um Platz für Asylbewerber zu schaffen. Die Schliessung des Heims hatte sich allerdings schon vor der jüngsten Asylbewerberwelle abgezeichnet (die ZSZ berichtete verschiedentlich). Seit März dieses Jahres steht es leer, die Verwendung als Asylunterkunft ist vorgesehen.

Nur für Senioren zugänglich?

«Aus der Konkurrenz zwischen politischen Parteien wollen wir uns heraushalten», sagt dazu Cornelia Wagner von der im Frühling gegründeten Interessengemeinschaft «Pro Seegärtli für ältere Menschen in Stäfa» (IGPS). Ihr geht es beim Grundstück am See darum, dass es weiterhin «uneingeschränkt» für Senioren zur Verfügung steht. So sei es ja vor der Schliessung des Rudolfheims über 100 Jahre lang (siehe Kasten) gewesen.

Die Stäfner Behörden sehen die Zukunft des Areals etwas anders. «Der Gemeinderat will das Seegärtli niemandem exklusiv vergeben», sagt Andreas Utz (GLP), als Hochbauvorsteher zuständig für die Immobilien der Gemeinde. «Das machen wir mit keinem öffentlichen Areal am See.» Alle öffentlichen Institutionen der Gemeinde könnten das Seegärtli nutzen, Altersvereine würden dabei sogar bevorzugt.

Die Freiwilligen von der IGPS führen im Seegärtli seit letztem Sommer den «Kafiplausch» für Senioren jeweils am Montagnachmittag durch. Diesen Betrieb möchten sie auf mehrere Nachmittage in der Woche ausdehnen. «Die älteren Menschen schätzen die Ruhe im Seegärtli sehr», sagt Wagner. «Für andere Bedürfnisse gibt es in der Gemeinde ja bereits zahlreiche attraktive öffentliche Orte am See.»

Verschlossene Türen

Mit dem Café-Angebot hatten die Freiwilligen neues Leben in das zuvor weniger benutzte Grundstück gebracht. Sie mobilisierten auch einmal kräftige Männer vom Turnverein, welche Steine auf dem Seegrund umplatzierten, damit der Einstieg für die älteren Badelustigen komfortabler wurde. Das Seegärtli war samt dem dortigen Gebäude täglich geöffnet, denn das Personal des damals noch in Betrieb stehenden Rudolfheims ennet der Seestrasse hatte ein Auge auf das Areal.

Diese Präsenz ist inzwischen weggefallen, Pensionäre und Personal sind ins Alterszentrum Lanzeln umgezogen. Darum hat die Gemeinde beim Seegärtli Gartentor, Gebäude und See-Einstieg abgeschlossen. Für den «Kafiplausch» muss die IG jedes Mal den Schlüssel bei der Immobilienabteilung der Gemeinde holen, was Cornelia Wagner ärgert, sich aber vielleicht bald ändern könnte. «Für eine so regelmässige Nutzung einen Schlüssel permanent abzugeben, ist durchaus möglich», sagt Immobilienvorsteher Utz. In einem Schreiben an die IG Seegärtli von Ende Mai erklärte die Behörde, dass das Grundstück «allen (. . .) Einwohnern von Stäfa gleichermassen offensteht». Allerdings nicht für private Feste, präzisiert Utz. Nur schon wegen der Nachbarn; die Problematik von Lärm und Abfall auf öffentlichen Seegrundstücken sei den Behörden sehr bekannt.

Keine Partymeile

«Das Seegärtli wird weder zur Partymeile noch zum Drogenplatz oder zum Jugendhort», sagt der Gemeinderat. Die Behörde wolle das Seegärtli auch nicht veräussern – selbst wenn die Gemeinde das gegenüber an der Seestrasse liegende Rudolfheim einst verkaufen sollte, was sie aber nicht vorhabe. «Das Seegärtli würden wir nicht mitverkaufen.»

Einen Verkauf will auch die IGPS, zu der unter anderem der Verein für Altersfragen gehört, verhindern. Zum gegenwärtigen Nutzungskonzept des Gemeinderates führt sie Bedenken an (siehe Kasten). Sie verfolgt weiter die Idee «Seegärtli 60+» und will dazu demnächst eine Internetseite lancieren.

Erstellt: 12.06.2016, 21:15 Uhr

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