Männedorf

Regierungsrat stützt Entscheid zur Schliessung der Tagesklinik

Der Regierungsrat hält den Beschluss der Clieniagruppe, die Tagesklinik sowie das sozialpsychiatrische Angebot in Männedorf aufzuheben, für vertretbar. Dies zeigt die Antwort auf die Dringliche Anfrage von 74 Kantonsräten. Zwei regionale Politiker geben sich damit aber noch nicht zufrieden.

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Ende November sorgte eine Ankündigung der Clienia AG für Unruhe: Die Privatklinikgruppe will Mitte Jahr die Tagesklinik sowie das sozialpsychiatrische Angebot des Psychiatriezentrums Männedorf (PZM) schliessen. Betroffene Patienten aus dem Bezirk Meilen sollen sich künftig in den Tageskliniken der Clienia in Wetzikon und Uster behandeln lassen. Gegen dieses Vorhaben wehrten sich Hunderte Personen — mit offenen Briefen sowie einer Dringlichen Anfrage an den Regierungsrat. Darin verlangte der Meilemer Hanspeter Göldi (SP) gemeinsam mit 73 weiteren Kantonsräten vom Regierungsrat Antworten.

Unter anderem wollten sie wissen, ob die Gesundheitsdirektion sich zum Versorgungsgrundsatz ambulant vor stationär bekenne. Das bedeutet, dass zuerst alle Möglichkeiten der ambulanten Versorgung ausgeschöpft werden, bevor ein Patient in einer Klinik behandelt wird. Die Gesundheitsdirektion verfolge dieses Ziel seit Jahren, heisst es in der Antwort. Entsprechend werde das Angebot an Ambulatorien sowie Tageskliniken ausgebaut.

30 bis 60 Minuten Reisezeit

Die Schliessung der Psychiatrischen Tagesklinik Männedorf hält der Regierungsrat dennoch für vertretbar. Grundsätzlich sei den Patienten eine Reisezeit von 30 bis 60 Minuten bis zur entsprechenden Einrichtung zuzumuten. Patienten des rechten Seeufers würden innerhalb dieser Zeit mit dem ÖV zur Tagesklinik Wetzikon gelangen. Auch entsprechende Angebote in Zürich seien gut erreichbar. Der Regierungsrat teilt deshalb die Befürchtung der Kantonsräte nicht, dass durch den Wegfall der Tagesklinik Männedorf mehr Patienten stationär in Kliniken eintreten.

Die Unterzeichnenden wollten weiter wissen, ob der Regierungsrat über Zahlenmaterial verfügt, mit welchem die Clienia die Schliessung der Männedörfler Klinik begründet. Man verfüge über Daten zu Belegung und Auslastung der Tageskliniken in Wetzikon, Uster und Männedorf, heisst es in der Antwort. Diese würden eine durchschnittliche Auslastung von lediglich 80 Prozent ergeben. Damit ist für den Regierungsrat der unternehmerische Entscheid zur Reorganisation nachvollziehbar.

Plätze für Notfälle

An diesem Punkt will Kantonsrat Hanspeter Göldi (SP) nachhaken: «Wir wollen explizit wissen, wie hoch die Auslastung in Männedorf ist.» Eine Vollbelegung des Tagesangebotes könne ohnehin nicht das Ziel sein. «Es müssen ja Plätze für Notfälle zur Verfügung stehen.» Für den Kantonsrat geht der Regierungsrat in seiner Antwort zudem zu wenig auf die Thematik der Vernetzung ein. «Die Menschen brauchen dort ein tagesklinisches Angebot, wo sie ihre Ärzte und ihr Bezugsnetz haben.» Der Weg nach Wetzikon sei psychisch schwer kranken Menschen nicht zuzumuten.

Diese Auffassung teilt der Männedörfler CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid nicht. «Ich halte eine Zentralisierung der Angebote für zulässig.» Dennoch will er weitere Fragen geklärt haben. So hält er es für relevant, wie viele Patienten zur Behandlung in Männedorf bleiben können und wie viele nach Wetzikon wechseln müssen. Schmid will ausserdem wissen, weshalb ausgerechnet die Tagesklinik Männedorf geschlossen wird und nicht eine der Kliniken in Wetzikon oder Uster. «Diese Orte liegen ja örtlich nahe beieinander.»

Die beiden Kantonsräte treffen sich deshalb nächste Woche mit dem CEO der Clienia-Gruppe, David Bosshard. Sie behalten sich weitere politische Massnahmen vor. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.01.2018, 21:25 Uhr

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