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Regierungsrat soll Luxus-Entzugsklinik überprüfen

In der privaten Entzugsklinik The Kusnacht Practice werden seit 2007 schwerreiche Patienten aus der ganzen Welt behandelt. Nun wollen zwei Kantonsräte vom Regierungsrat wissen, wie seriös das Zentrum ist und wie es kontrolliert wird.

Die Behandlungen in der Einrichtung erfolgen in luxuriösen Appartements und Villen in und um Küsnacht.
Die Behandlungen in der Einrichtung erfolgen in luxuriösen Appartements und Villen in und um Küsnacht.
David Baer

Seit zehn Jahren gibt es in Küsnacht eine Einrichtung, die sich «als exklusivste Klinik auf der Welt» bezeichnet: The Kusnacht Practice. Hier sollen Patienten aus der ganzen Welt von diversen Süchten und psychischen Störungen kuriert werden. Auch der verstorbene Popstar George Michael sowie Stardesigner John Galliano sollen in Küsnacht einen Entzug gemacht haben.

Zu verifizieren ist das nicht: Die Klinik garantiert ihren Klienten absolute Diskretion. Gründer der Kusnacht Practice ist der kanadische Suchttherapeut Lowell Monkhouse, der bis heute der geistige Vater der privaten medizinischen Institution ist.

Luxus im Quadrat

Eine Behandlung in der Luxuseinrichtung erfolgt auf den jeweiligen Patienten massgeschneidert und einzeln in luxuriösen Appartements und Villen in und um Küsnacht. Nebst einem Team aus Ärzten, Psychotherapeuten, persönlichem Berater und Ernährungsberatern steht auchein Komplementärtherapie-Team mit zahlreichen Angeboten zur Verfügung.

Ein Steckenpferd des Zen­trums sind individuell hergestellte orthomolekulare Nahrungsergänzungsmittel. Diese sollen das biochemische Gleichgewicht der Patienten wiederherstellen. Ein persönlicher Butler, Gourmetkoch, Fahrer sowie ein Zimmermädchen versprechen jeden erdenklichen Service. Während des Aufenthalts wohnt ein persönlicher Berater mit dem Kunden in einem Appartement. Die Klinik zählt über 50 Mitarbeiter. Wie viele es genau sind, will das Unternehmen auf Anfrage nicht verraten.

Die luxuriöse Behandlung hat ihren Preis: Auf der Website von The Kusnacht Practice werden die wöchentlichen Kosten mit 80 000 bis 120 000 Franken be­ziffert. Da das Zentrum von einer durchschnittlichen Behandlungsdauer zwischen sechs und zwölf Wochen ausgeht, ist anzunehmen, dass die Kundschaft hier ein Vermögen liegen lässt. Zum Vergleich: Sieben Tage stationärer psychiatrischer Aufenthalt in der Clienia Schlössli in Oetwil werden von der Krankenkasse mit rund 5250 Franken vergütet.

Streitpunkt Finanzen

Die hohen Beträge, welche in Küsnacht verlangt werden, stossen den Kantonsräten Kaspar Bütikofer (AL) sowie Kathy Steiner (Grüne) sauer auf. In einer Anfrage bitten sie den Regierungsrat um Beantwortung etlicher Fragen rund um die Klinik. In dem Schreiben äussern sie die Befürchtung, dass leidende Patienten zu unverhältnismässig kostenintensiven Behandlungen verführt werden könnten.

Bütikofer ist laut eigenen Angaben von zwei Psychiatern auf The Kusnacht Practice aufmerksam gemacht worden. Sie behandeln ehemalige Kunden der Klinik. «Die Patienten hatten negative Erfahrungen finanzieller ­Natur gemacht», erzählt der Kantonsrat. Ihre Erlebnisse würden den Eindruck erwecken, dass für sehr viel Geld sehr viel versprochen werde. «Aber der Nutzen war in diesen Fällen klein.»

Bütikofer will deshalb in seiner Anfrage an den Regierungsrat wissen, ob die Kosten-Nutzen-Relation der Behandlungen einer kritischen Bewertung unter­zogen werde. Und ob die Gesundheitsdirektion die Qualität des Personals sowie die Behandlungsmethoden prüft.

Ambulant oder stationär?

Bei der kantonalen Gesundheitsdirektion ist nur zu erfahren, dass The Kusnacht Practice über eine Bewilligung als ambulante ärzt­liche Institution verfügt. Weiter kann der Mediensprecher sich nicht äussern, solange der Regierungsrat keine Stellung zu der Anfrage genommen hat.

Eine weitere Frage der beiden Kantonsräte, nämlich ob die Klinik mit ihren intensiven Angeboten nicht eher eine tagesklinische oder gar stationäre Behandlung anbietet, bleibt deshalb von dieser Seite unbeantwortet. Die Frage ist deshalb relevant, weil es für ein stationäres Angebot eine Spitalbewilligung braucht.

«Patienten haben negative Erfahrungen finanzieller Natur gemacht.»

Kaspar Bütikofer,Kantonsrat (AL)

Dafür nimmt Frank Weyermann, Finanzchef und Geschäftsleitungsmitglied von The Kusnacht Practice, Stellung: «Wir sind keine stationäre Einrichtung.» Die Kunden würden in einem ambulanten Setting behandelt. «Wir bieten Kost und Logis, aber keine Spitalbetten.» Bei einem Entzug von Drogen oder Alkohol verbringen die Patienten die ersten Tage in einem der umliegenden Spitäler, bevor sie in eine Residenz des Behandlungszentrums wechseln. Diese Kooperationen seien der Gesundheitsdirektion bekannt.

Im Übrigen verfügen laut Weyermann sämtliche therapeutischen Mitarbeiter der Privatklinik über qualifizierte Abschlüsse und die entsprechenden Bewilligungen des Kantons. Angewandt werden nebst traditionellen ­Therapieformen auch weniger bekannte: etwa transkranielle Magnetstimulation, bei der mittels Magnetfeldern gewisse Nervenzellen im Gehirn zur Depressionstherapie stimuliert werden.

«Spezielle Methoden»

Kaspar Bütikofer sind solche Angebote nicht ganz geheuer: «Ich finde einige Behandlungsmethoden etwas speziell.» Er frage sich, ob das nicht in Richtung Kurpfuscherei gehe. Bütikofer räumt aber ein: «Es kann auch sein, dass die Verantwortlichen eine supergute Büez machen.»

Frank Weyermann von Kusnacht Practice sagt dazu: «Wir arbeiten mit aktuellen und anerkannten medizinischen Methoden der Psychiatrie und der Psychotherapie.»

Auf die hohen Behandlungskosten angesprochen, stellt der Finanzchef klar: «Wir behandeln ausschliesslich Selbstzahler.» Die Privatklinik erhalte weder Krankenkassen- noch Steuergelder und auch keine Steuererleichterungen. Die grosse Mehrheit der Kunden komme aus dem Ausland, sagt der Vertreter der Einrichtung. Und ja, selbstverständlich halte er die Kosten für vertretbar im Verhältnis dazu, was der Patient bekomme. Zu negativen Feedbacks von Kunden in Sachen Finanzen, die etwa im Internet kursieren, will Weyermann keine Stellung nehmen.

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