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Regierungsrat lehnt Seezonen ab und hält an Schiffszuschlag fest

Der Regierungsrat lehnt ein dringliches Postulat dreier Kantonsräte ab. Diese fordern, auf dem Zürichsee Seezonen einzuführen statt eines Zuschlags von 5 Franken.

Die Diskussion spitzt sich zu, wie der Zürichsee-Schifffahrt zu einem höheren Kostendeckungsgrad verholfen werden kann.

Die Diskussion spitzt sich zu, wie der Zürichsee-Schifffahrt zu einem höheren Kostendeckungsgrad verholfen werden kann. Bild: Archiv ZSZ

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Die SP-Kantonsräte Rosmarie Joss (Dietikon), Felix Hoesch (Zürich) und Ruedi Lais (Wallisellen) wollen mit ihrem Postulat den Schiffszuschlag versenken. Diesen möchte der Regierungsrat ab Fahrplanwechsel im Dezember einführen. Für alle Fahrten mit der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) müsste ein Zusatzticket von 5 Franken pro Tag gelöst werden.

Das widerspreche dem Prinzip im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV), der «ein Ticket für alles» vorsieht, argumentieren die Kantonsräte. Statt des Aufpreises seien eine oder mehrere Seezonen einzuführen, die ebenfalls Mehreinnahmen generierten. Um nicht Kurzfahrten unverhältnismässig zu verteuern, sollten aber alle Anlegestellen in der Stadt Zürich sowie jene, wo Querkurse die Ufer verbinden, in den jeweiligen Landzonen belassen werden.

Touristischer Mehrwert

Der Regierungsrat will mit dem Schiffszuschlag zur Sanierung der Kantonsfinanzen beitragen. Er erhofft sich 1,5 Millionen Franken im Jahr. Diese Mehreinnahmen sollen nicht mit einem Postulat bachab gehen. Das zeigt die gestern versandte Stellungnahme des Regierungsrats. «Die angestrebten Mehrerträge können nur mit dem Schiffszuschlag erreicht werden», schreibt die Behörde. Schiffsfahrten auf dem Zürichsee seien im Vergleich zu anderen Schweizer Seen günstig. Da die ZSG an die ZVV-Tarife gebunden ist, könne das Unternehmen «nicht wie andere Anbieter touristischer Angebote marktgerechte Preise verlangen».

Mit einer wie von den Kantonsräten vorgeschlagenen Seezone könnten durchschnittlich zusätzlich 1,3 Millionen Franken eingenommen werden, schätzt der Regierungsrat. Voraussetzung wäre, dass die Seezone bei der Preisgestaltung doppelt zählen würde (wie die Zonen 110 und 120) und dass die Fahrgäste neben der Seezone weiterhin auch die benötigten Landzonen lösen müssten.

Diese Rechnung geht jedoch nicht auf, meint der Regierungsrat. Denn anders als bei einem Schiffszuschlag wäre die Seezone bei Fahrausweisen, die in allen Zonen gültig sind (Netzpässe, ­Tageskarten sowie 9-Uhr-Pässe, Generalabonnemente usw.), bereits eingeschlossen. Noch tiefer würden die Mehreinnahmen, wenn auch der Seeanteil der Stadt Zürich als eine einzige Zone zählte und kurze Querfahrten von der Seezone ausgenommen würden.

Komplizierter Ticketkauf

Der Regierungsrat hält zudem die Lösung mit einer oder mehreren Seezonen für zu kompliziert. Wer für einen Weg die S-Bahn, für die Retourfahrt aber das Schiff wählen möchte, müsste schon beim Ticketkauf die Option «Seezone» berücksichtigen – und bezahlen. Das könnte zu Missverständnissen beim Selbstbezug der Billette an Automaten, im Internet oder via Handy-App führen. Das Verkaufspersonal an Schaltern müsste sich erst darüber erkundigen, welche Fahrausweise die Kunden bereits besitzen und welche Reise sie konkret planen. «Der Kauf beziehungsweise der Verkauf eines Tickets für die Seezone würde somit deutlich mehr Zeit, Kommunikation und Information erfordern als ein allgemein gültiger Schiffszuschlag, der in jedem Fall zu lösen ist, immer gleich viel kostet und praktisch keine Gefahr für Missverständnisse in sich birgt», schreibt der Regierunsrat.

Auch die Mehrbelastung für Pendler zwischen den Ufern sieht die Behörde für verkraftbar. Die angebotenen Monats- und Jahresabos für die Zuschläge reduzieren den Aufpreis auf unter einen Franken. «Aus den dargelegten Gründen beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat, das dringliche Postulat nicht zu überweisen.» Kantonsrätin Rosmarie Joss ist nicht überrascht über die Antwort. «Das war zu erwarten.» Die Urheberin des Postulats bedauert, «dass sich der Regierungsrat nicht auf andere Varianten als den Schiffszuschlag einlassen will». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.09.2016, 17:07 Uhr

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Postulat im Parlament

Debatte erst nach den Herbstferien

Der Kantonsrat hat am 22. August das Postulat «Seezonen antatt Schiffszuschlag» mit 109 Stimmen deutlich über den erforderlichen 60 Stimmen für dringlich erklärt. Allerdings unterstützten viele Parlamentarier den Vorstoss ausdrücklich nicht wegen der Idee einer Seezone. Vielmehr geht es ihnen darum, dass dank des dringlich erklärten Postulats nun eine öffentliche Diskussion über den umstrittenen Schiffszuschlag im Parlament stattfindet, wie sie gegenüber der ZSZ erklärten.

Die Debatte im Kantonsrat und die Entscheidung, ob das Postulat überwiesen wird, sollte nach den Herbstferien noch im Oktober stattfinden. (di)

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