Meilen

Reformierte geben grünes Licht für gemeinnützigen Wohnraum

Die Mitglieder der reformierten Kirche haben dem Baurechtsvertrag für das Grundstück Stelzen zugestimmt. Damit ist der Weg für die Gemeinnützige Wohnbau Meilen AG frei, eine Überbauung mit 30 Wohnungen zu realisieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit 1953 befindet sich die Stelzenwiese hinter dem Bahnhof Meilen im Besitz der reformierten Kirche. Ursprünglich wurde es mit der Absicht erworben, darauf ein Kirchgemeindehaus zu erstellen. Doch daraus wurde nichts. Ein erstes Bauprojekt scheiterte 1965, ein zweites, zusammen mit der Gemeinde und der Schule, wurde 1990 abgelehnt. Im dritten Anlauf soll nun alles gut werden. Vor allem auch darum, weil die Kirche nicht selber bauen will.

Statt der Grundstückseigentümerin soll die Gemeinnützige Wohnbau Meilen AG (Gewomag), deren Hauptaktionärin die Gemeinde ist, als Bauherrin und Immobilienmaklerin auftreten. Möglich wird dies dank einem Baurechtsvertrag, dem die 63 anwesenden Stimmberechtigten am Mittwochabend im Rahmen einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung grossmehrheitlich zugestimmt haben.

60 000 Franken pro Jahr

Die Dauer des Baurechtsvertrags zwischen der reformierten Kirchgemeinde und der Gewomag wurde auf 60 Jahre festgelegt, mit der Möglichkeit einer zu vereinbarenden Verlängerung. Der Baurechtszins beträgt 60 000 Franken pro Jahr und basiert auf dem Grundstückswert von knapp 4 Millionen Franken und dem Basisreferenzzinssatz des Bundesamts für Wohnungswesen von 1,5 Prozent. Der Vertrag zwischen Kirchgemeinde und Gewomag fusst ausserdem auf der Projektstudie des Büros Gmür & Geschwentner AG, welches als Sieger aus einem Studienwettbewerb hervorgegangen ist.

Das Bauprojekt
Die reformierte Kirchenpflege Meilen und die Gemeinnützige Wohnbau Meilen AG (Gewomag) haben einen Architekturwettbewerb durchgeführt. Am meisten überzeugte das Projekt des Zürcher Büros Gmür & Geschwentner. Dieses sieht für insgesamt 30 Wohnungen zwei Baukörper vor: einen Ersten längs der Bruechstrasse mit einer Abwinkelung auf der Ostseite und einen Zweiten längs der Stelzenstrasse. Geplant sind unterschiedliche Wohnungen ab 2,5 bis 4,5 Zimmer. Alle Wohnungen sind hindernisfrei über einen Innenhof sowie über das Treppenhaus mit Lift zu erreichen. Vorgesehen ist zudem eine Unterniveaugarage mit 52 Parkplätzen. Das Ziel der Gewomag ist ein generationenübergreifendes Wohnen zu moderaten Preisen. Zwar gäbe es noch kein Vermietungsreglement oder genauere Angaben zu den Mietpreisen, wie Gemeinderätin Irene Ritz (SP), die gleichzeitig als Verwaltungsratspräsidentin der Gewomag amtet, erklärte. Einheimische Familien sollen bevorzugt behandelt werden. Im Erdgeschoss des Baus sollen Nutzungen von öffentlichem Interesse Platz finden, etwa Arztpraxen, Kitas oder ein Betreuungsangebot für Senioren.(fse)

Weil Bodenuntersuchungen eine Belastung ergeben hatten, muss die Kirchgemeinde vor einem Baubeginn zunächst das betroffene Erdmaterial entsorgen. Hierfür will sie 120 000 Franken ins Aufwandbudget 2020 aufnehmen.

Rekurs angekündigt

An der Kirchgemeindeversammlung zeigten sich jedoch nicht alle erfreut über das Projekt. «Jeder grüne Fleck wird verbetoniert», meinte etwa Werner Weibel. Das Meilemer Zentrum sei heute schon derart «verbockt», dass sich über Jahrzehnte nichts mehr schlaues machen liesse. «Nun sind wir im Begriff auf dem Stelzen das selbe zu tun», warnte Weibel.

Statt neuer Wohnungen sähe es der Rentner lieber, es würde etwas für die kommenden Generationen getan. «Die Schule braucht bestimmt bald mehr Raum», argumentierte Weibel. «Hierfür wäre die Stelzenwiese ein idealer Standort.» Er stellte deshalb den Antrag, die Kirchgemeinde solle sich mit der politischen Gemeinde und der Schule zusammensetzen, um einen allfälligen Landabtausch zu prüfen. Bei den übrigen Anwesenden fand Weibels Idee jedoch keinen Anklang, er wurde mit 62 zu 1 Stimme abgelehnt.

Ganz geschlagen gab sich Weibel damit aber noch nicht. Bereits unmittelbar nach der Abstimmung über den Baurechtsvertrag kündigte er einen Rekurs gegen den Beschluss an. Der Grund: Als die Kirche die Stelzenwiese erwarb, wurde der Wunsch des dannzumaligen Verkäufers festgehalten. Dieser wollte das 3000 Quadratmeter grosse Areal einer gemeinnützigen öffentlichen Nutzung zukommen lassen. «Den genauen Wortlaut dieser Vereinbarung hat man uns verschwiegen», sagte Weibel. «Wir wissen also gar nicht, über was wir hier befunden haben.»

Erstellt: 19.09.2019, 17:11 Uhr

Artikel zum Thema

Meilemer Kirchenglocken bleiben still

Meilen Bis Ende Oktober werden Glockenstuhl und Glockenmechanik der reformierten Kirche saniert. Danach sollen die Glocken wärmer und auch leiser läuten. Mehr...

Neben dem Kirchturm entstehen 30 neue Wohnungen

Meilen Die reformierte Kirche Meilen plant auf der Stelzenwiese hinter dem Bahnhof gemeinnützige Wohnungen. Nun ist klar, wie diese aussehen könnten. Das letzte Wort haben aber die Stimmberechtigten. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben