Bundesgericht

Radrennfahrer nach tödlichem Unfall endgültig freigesprochen

Ein tragischer Unfall an einem Velorennen bleibt für einen Sportler aus dem Bezirk Meilen ohne Strafe.

Ein 54-jähriger Schweizer, der an den Radsporttagen Gippingen 2014 im Kanton Aargau einen tödlichen Unfall verursachte, ist von Schuld und Strafe freigesprochen.

Ein 54-jähriger Schweizer, der an den Radsporttagen Gippingen 2014 im Kanton Aargau einen tödlichen Unfall verursachte, ist von Schuld und Strafe freigesprochen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Der Unfall im Juni 2014 im aargauischen Gippingen hat die Schweizer Radsportszene erschüttert. Bei einem Überholmanöver in der Spitzengruppe eines Rennens von Hobby- und Amateurvelofahrern kamen vier der fünf Beteiligten zu Sturz. Einer verstarb an seinen Kopfverletzungen, drei Velosportler wurden verletzt. Sowohl das Todesopfer als auch der vermeintliche Verursacher des Unfalls, der nicht zu Fall kam, stammten aus dem Bezirk Meilen. Der Verstorbene hätte ein paar Tage nach dem Rennen geheiratet.

Im Herbst 2016 stand der damals über 50 Jahre alte Mann, der die Gruppe von im Windschatten dicht hintereinanderfahrenden Sportlern überholte, vor dem Bezirksgericht Zurzach. Es verurteilte ihn wegen fahrlässiger Tötung und mehrfacher fahrlässiger Verletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und einer Busse von 2000 Franken. Zudem sollte er Schadenersatz und Genugtuungszahlungen an die Verletzten sowie die Erbengemeinschaft des Getöteten leisten.

Widersprüchliche Aussagen

Auf Berufung des Verurteilten sprach ihn das Obergericht des Kantons Aargau ein Jahr später von allen Vorwürfen frei. Dieses Urteil fochten sowohl die Aargauer Oberstaatsanwaltschaft, als auch die Unfallgeschädigten vor Bundesgericht an. Die Beschwerdeführer kritisierten, das Obergericht habe die Beweislage und Zeugenaussagen falsch gewürdigt. In der Tat widersprechen sich die Angaben der gestürzten Fahrer wie auch eines Streckenpostens. Während die einen von Schlenkerbewegung und Rempler des damals 50-Jährigen gegen den Führenden in der Gruppe sprachen, sahen andere kein solches Vorgehen.

Das Bundesgericht folgte dem Urteil der Vorinstanz. Es sei weder erwiesen, ob der Überholende seine gerade Fahrlinie verlassen und sich dem Überholten genähert habe, noch ob dies absichtlich und gar mit einer Stossbewegung begleitet erfolgt sei. Auch könne der fehlende Sturz des Mannes nicht als Beweis gedeutet werden, wonach von ihm die Krafteinwirkung zur Kollision ausgegangen sei.

Zu reden gab vor allem, ob alleine schon ein Überholmanöver bei 70 km/h auf der abschüssigen Strecke bei maximal 50 Zentimeter Seitenabstand den Strafbestand der fahrlässigen Gefährdung erfüllt. Hier nimmt das Bundesgericht frühere Urteile zu Unfällen in Sportwettkämpfen zur Hand. Dort urteilte es sinngemäss, dass im Rennsport die Eigenverantwortung der Teilnehmer gilt, welche die Sorgfaltspflicht der anderen Teilnehmer einschränkt.

Anders als Strassenverkehr

«Jede Sportart birgt in sich ein unterschiedlich hohes sportartspezifisches Grundrisiko», schreibt das Bundesgericht Schweiz im gestern veröffentlichten Urteil. «Für den Radrennsport gilt, dass unter rennmässigen Bedingungen und bei sportlich ambitionierten Radfahrern ein höheres Verletzungsrisiko besteht.»

Auch, dass der Beschuldigte sich nicht an die Vorschriften des Strassenverkehrsrechts gehalten habe, wird verneint. Radrennen auf gesperrten Strassen, wie im Fall der Radsporttage Gippingen, unterschieden sich vom normalen Strassenverkehr. «Es vermag den Gegebenheiten des Radrennsports nicht gerecht zu werden, von einem Radrennteilnehmer im Rahmen eines Überholmanövers dieselbe besondere Rücksichtsnahme wie von einem regulären Strassenverkehrsteilnehmer zu erwarten.» Zudem begründe ein renntechnischer Fehler nicht zwangsläufig ein schuldhaftes Verhalten, spricht die oberste Gerichtsinstanz der Schweiz den Hobbyvelorennfahrer frei von einer Schuld am Unfall. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.02.2019, 16:51 Uhr

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