Hombrechtikon

Schulausflug mit Panzern im letzten Moment gestoppt

Am Donnerstag hätte in einer 5.Klasse ein Ausflug mit vier Panzern stattgefunden. Der Anlass wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Schule und Eltern sind enttäuscht.

Es hätte ein ganz besonderer Morgen werden sollen: Am Donnerstag um neun Uhr wären vier Panzer der Schweizer Armee in Hombrechtikon vorgefahren. Der Kommandant der «Mechanisierten Brigade Stabsbataillon 11» hätte einer 5. Klasse im Schulhaus Dörfli einen Besuch abgestattet, sie über das Schweizer Wehrsystem informiert und anschliessend eine Panzerfahrt mit ihnen unternommen.

Das Vorhaben war in Zusammenarbeit mit der Schule geplant worden. Der Kommandant hat ein Kind in der betreffenden Klasse. In einem Infoschreiben waren die Eltern über den Anlass informiert und angewiesen worden, ihren Kindern warme Kleidung und einen Velohelm für die Fahrt im Armeefahrzeug mitzugeben.

Ausbildung Priorität

Doch dazu ist es nicht gekommen: Der Ausflug wurde am Vortag gestoppt – möglicherweise aufgrund von Recherchen der Gratiszeitung «20 Minuten». Diese fragte gemäss einem Artikel vom 5. Dezember am Mittwoch bei der Schweizer Armee und der Schule Hombrechtikon nach dem Zweck des Ausflugs, seinen Kosten und der Absicht dahinter.

Noch am gleichen Tag entschied der Kommandant, den Abstecher in die Primarschule abzusagen, heisst es im Artikel. Als Grund nannte Armeesprecher Stefan Hofer unter anderem, dass der Ausbildung der WK-Soldaten am betreffenden Tag mehr Priorität beigemessen worden sei, als der «ebenfalls wünschenswerten Präsentation der Armee in der Öffentlichkeit». Einen Zusammenhang mit dem Bericht in «20 Minuten» dementiert er.

Dieser löste indessen grosses Echo aus: Bis die Kommentarfunktion beendet wurde, waren bereits über 500 Kommentare eingegangen. Während einige Leser die Präsentation des Militärs an einer Schule als «Gehirnwäsche» bezeichnen, äussert die Mehrheit der Leserschaft ihr Unverständnis darüber, dass der Termin abgesagt wurde.

Rolf Huber (FDP) ist Schulpräsident der Einheitsgemeinde. Er sei vor einiger Zeit an einer Geschäftsleitungssitzung über den geplanten Anlass informiert worden, sagt er auf Anfrage. «Solche Projekte planen unsere Schuleinheiten grundsätzlich selber.» Bis am Mittwoch habe das Thema keine Kontroversen ausgelöst. Huber betont, dass der Entscheid zur Absage des Besuchs von Seiten des Militärs gefällt wurde.

«Von unserer Seite her bestand kein Grund, den Anlass abzusagen.»Rolf Huber, Schulpräsident von Homrechtikon

Unter anderem hätten die Verantwortlichen technische Ausfälle geltend gemacht. «Von unserer Seite her bestand kein Grund, den Anlass abzusagen.» Beim Ausflug hätte es sich laut dem Schulpräsidenten nicht um eine Militärdemonstration, sondern um «einen sorgfältig abgestimmten und pädagogisch begleiteten Einblick in die Lebenswelt Schweiz gehandelt, zu der auch die Schweizer Armee gehöre». So steht es auch in einer Medienmitteilung, welche die Gemeinde auf ihrer Website aufschaltete.

Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) hat laut eigenen Angaben via Presse vom abgesagten Anlass erfahren. Er bedauere es ausserordentlich, dass der Ausflug nicht stattgefunden habe, sagt er auf Anfrage. «Die Fünftklässler hätten sicher den Plausch gehabt.» Zudem hätten sie einiges lernen können. «Etwa, dass die Panzer ohne Lenkrad und nur mit Bremse und Gaspedal gesteuert werden.» Odermatt bezeichnet sich als Befürworter der Armee. «Sie schützt im Notfall unsere Familien.» Er sieht denn auch nichts Negatives daran, wenn Schüler militärische Einrichtungen näher kennen lernen.

Keine Militarisierung

Auch eine Mutter, deren Kind die betreffende Klasse besucht, hat sich nicht am Vorhaben der Schulklasse gestört. Die Hombrechtikerin, die anonym bleiben möchte, findet nichts Schlechtes dabei, «wenn ein Vater den Schülern seinen Beruf vorstellt». Schliesslich würden Kinder am Zukunftstag auch Einblick in die unterschiedlichsten Berufe erhalten. Der Vater habe es nur gut gemeint, und die anderen Eltern seien früh genug über die Pläne informiert worden. «Wenn jemand ein Problem damit gehabt hätte, hätte er sich melden können.»

Sie persönlich habe nicht den Eindruck, dass Kinder durch den Anblick eines Panzers militarisiert oder zu Gewalt angestachelt würden. «Bei unserer Armee geht es ja vor allem um Schutz und Verteidigung.» Auf die Frage, ob sie die Situation anders beurteilen würde, wenn kriegstraumatisierte Flüchtlingskinder in der Klasse wären, sagt die Mutter: «Ich gehe davon aus, dass die Lehrperson dies bei der Planung berücksichtigt hätte.»

Mit solchen Schützenpanzern hätte der Ausflug stattfinden sollen. Bild: Keystone

Wie das Volksschulamt des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilt, liege es in der Kompetenz der Schulgemeinden, über Anlässe wie den geplanten Besuch der Armee in Hombrechtikon zu entscheiden. «Die Schulpflegen üben die allgemeine Aufsicht über die Schulen und die Tätigkeit der Lehrpersonen und Schulleitungen aus», sagt Amtschefin Marion Völger.

Der unterrichtsergänzende Einsatz Dritter, wie er in Hombrechtikon geplant war, könne vor dem Hintergrund der allgemeinen Bildungs- und Erziehungsaufgaben der Schule durchaus sinnvoll sein. Etwa, um die Schulkinder mit politischen und gesellschaftlichen Fragen und Auseinandersetzungen vertraut zu machen. Kontroverse Themen oder religiöse Fragen seien nicht aus dem Unterricht auszuklammern, sagt Völger. «Die Lehrkräfte sind jedoch verpflichtet, unparteiisch zu bleiben und für eine ausgewogene Darstellung und Diskussion zu sorgen.

Mirjam Bättig-Schnorf / Francesca Prader

Erstellt: 05.12.2019, 19:38 Uhr

Die Armee reagiert auf die Kritik: «Das gehört zur normalen Öffentlichkeitsarbeit»

Sich der Bevölkerung zu präsentieren gehöre zur normalen Öffentlichkeitsarbeit der Armee und ihrer einzelnen Bataillone, erklärt Armeesprecher Stefan Hofer gegenüber dieser Zeitung. «Wir bekommen immer wieder Anfragen für eine Präsentation der Armee.» So auch im Fall der Hombrechtiker Primarschule Neues Dörfli, der die «Mechanisierte Brigade Stabsbataillon 11» am Donnerstagmit vier Schützenpanzern M113 einen Besuch hätte abstatten sollen. Dieser Panzertyp wird im Kriegsfall für den Truppentransport genutzt.

Die Entscheidungskompetenz über die Durchführung eines Anlasses, wie er in Hombrechtikon geplant war, liege weitgehend beim jeweiligen Bataillonskommandanten, sagt Hofer. Das Departement für Verteidigung, Bevölkerung und Sport (VBS) rede erst ab einer bestimmten Anlassgrösse und einer gewissen Kostengrenze mit.

Das Vorgehen im Fall Hombrechtikon sei insofern ungewöhnlich, als dass die Armee Schulen normalerweise auf den Waffenplatz einlade, statt ihnen selber einen Besuch abzustatten. «Auf dem Waffenplatz haben wir die nötige Infrastruktur und es gibt mehr zu sehen», sagt Hofer. Zudem könne auch die Sicherheit besser gewährleistet werden. «Ein Besuch auf dem Waffenplatz lag für die Schule aber nicht drin», sagt Hofer. Deshalb habe man eine andere Lösung gesucht. Dass der Besuch des Bataillons so kurzfristig abgesagt wurde, hat laut Hofer verschiedene Gründe. «Der Kommandant hat im Laufe des Mittwochs festgestellt, dass der Ausbildungsstand seiner Soldaten hinter den Ausbildungszielen her hinkte und die Zeit besser in die Ausbildung als in die Öffentlichkeitsarbeit zu investieren sei.» Weiter habe man entschieden, dass es keinen Sinn mache, ohne zwingenden Grund mit Panzern in der Gegend herumzufahren, Lärm zu verursachen und vielleicht sogar den Strassenbelag zu beschädigen, sagt Hofer.

«Völlig daneben»

Kein Verständnis für die geplante Aktion des Militärs in Hombrechtikon hat derweil die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA). Wie Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA), gegenüber 20 Minuten sagte, handle es sich dabei um eine Verschwendung von Steuergeldern. «Auf der Primarstufe Kinder zu militarisieren, geht nicht.» Wenn die Armee nichts Besseres zu tun habe, als mit Panzern Primarschulen zu besuchen, müsse man sich fragen, was ihr Sinn sei. «Eine solche Armee-Propaganda hat in der Schule nichts zu suchen – erst recht nicht, wenn der Zivildienst und die GSoA keinen Raum erhalten.» Dass die Hombrechtiker Schulleitung den Besuch des Militärs bewilligt habe sei «völlig daneben», findet Lempert.

Francesca Prader

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