Uetikon

Prämierte naturnahe Oasen – von Gärtnern erklärt

Das Naturnetz Pfannenstil hat 2016 den Wettbewerb zum Thema «Naturnaher Garten» durchgeführt. Am Samstag konnten zwei prämierte Gärten in Uetikon besichtigt werden.

Wo früher Rasen war, ist heute ein vielfältiges Biotop. Thomas Müller gibt Auskunft in dem Garten, den er gestaltet hat.

Wo früher Rasen war, ist heute ein vielfältiges Biotop. Thomas Müller gibt Auskunft in dem Garten, den er gestaltet hat. Bild: Michael Trost

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Gesucht waren die schönsten Naturgärten der Region. Und zwar Gärten, in denen sich sowohl Menschen wie auch Tiere und natürlich Pflanzen wohlfühlen und gedeihen. Das Projektteam vom Naturnetz Pfannenstil hatte für seinen Wettbewerb zwei Kategorien festgelegt: Prämiert werden sollten je drei Gärten aus den Sparten «Bestehende Gärten» sowie «Beste Aufwertung».Drei Garten- und Naturlieb­haber aus Uetikon haben mitgemacht, alle drei sind vergangenen Herbst in den beiden Kategorien ausgezeichnet worden. Bei den bestehenden Gärten belegte der Landschaftsgärtner Thomas Müller von der Gartengestaltungsfirma Kobel mit seinem Schaugarten an der Mühlestrasse den zweiten Platz. Gefolgt wurde er von der Drittplatzierten Christine Carigiet, deren paradiesisches Refugium sich oberhalb des Dorfes in der Nähe des ehemaligen Schützenhauses befindet.

Vielfalt gab den Ausschlag

Diese beiden Gärten konntenam Samstagvormittag besichtigt werden. Da sie weit auseinanderliegen, hatte die den dreistündigen Anlass mitorganisierende Gemeinde für die rund 40 Interessierten sogar einen Car aufgeboten.

Ausschlaggebend für die beiden ausgezeichneten Gärten war deren Biodiversität, wie Felix Rusterholz vom vierköpfigenBewertungskomitee einleitend orientierte. Damit meinte er sowohl die Artenvielfalt der Pflanzen als auch die Vielfalt an Lebensräumen etwa für Wildbienen, Schmetterlinge, Libellen, Reptilien und Amphibien.

Keine Wildnis

Thomas Müller hatte aus eigener Initiative und mit der Einwilligung seines Arbeitgebers vorvier Jahren aus einem Stück Land, das der Firma Kobel gehört, ein kleines Biotop geschaffen. «Hier war vorher ökologisch praktisch alles tot, es gab nur Rasen», erzählte der Zürcher Gärtner, der sich stark für den Naturschutz engagiert. Ein Naturgarten, hielt Müller fest, müsse keine Wildnis sein, auch er habe dem wuchernden Kriechenden Fingerkraut, dem Hahnenfuss, dem Löwenzahn und der Gänsedistel Einhalt gebieten müssen, damit sie nicht andere Pflanzen verdrängten.

Da er von Anfang an einen Schaugarten anlegen wollte, hat der Gärtner eine lauschige Sitzecke ebenso miteinbezogen wie auch einen Bauerngarten mit Blumen- und Gemüsebeeten. Schattige Bereiche mit feuchten Böden hat er mit entsprechendem Hochstaudenflor bepflanzt und in den Zwischenräumen der Ackerflora mit Natternkopf, Alpenziest, Mohn und Pfennigkraut Raum gelassen.

Dass Christine Carigiet Farben liebt, bewies ihr verwinkelt angelegter Garten, der an die Landwirtschaftszone grenzt und zwischen zwei Ökowiesen liegt. Ihr Vater, der Schauspieler Zarli Carigiet, habe vor über 70 Jahren das Gartenhäuschen gekauft, hier auf dem Uetikerberg sei sie aufgewachsen und hierhin sei sie vor zwölf Jahren zurückgekehrt.

Mit 14 Bienenvölkern

Gleichzeitig mit der Neugestaltung eines Teils des Gartens, wo vorher nur Wiesland war, hat sie mit der Zucht von Honigbienen angefangen. Inzwischen hat sie 14 Völker. In diesem Teil des Gartens wachsen Heilkräuter wie Mariendistel und Johanniskraut neben Königskerzen, Malven, Kartäusernelken, Wildrosen und verschiedenen Weidenarten. Die blühende Mandelweide ziehe ganzjährig Insekten an und sie selber habe 20 Schmetterlings­arten gezählt.

Christine Carigiet, die regelmässig Führungen durch ihr blühendes und duftendes Pflanzenreich macht, hat wegen ihrer Liebe zur blauen Wegwarte gleich einen Wegwartehügel angelegt und einen Nussbaum selber gezogen. «Die Gelbe Salbei und wilde Rüebli sind jedoch selber gekommen», sagte sie.

Im Gegensatz zu Thomas Müller, der für einheimische Pflanzen plädiert, toleriert Carigiet Neophyten, zu denen neben Thymian und Zitronenmelisse auch ihr Walnussbaum gehört. «Wal bedeutet fremdes Volk, und so haben vor 2000 Jahren die Römer aus Palästina uns die Walnuss gebracht», sagte sie zu ihrer Besucherschar. Wenn mit der Klimaveränderung einheimische Pflanzen verschwinden würden, blieben wenigstens die Neophyten, lautet die Philosophie der zierlichen Naturliebhaberin, die mit Herzblut bei der Sache ist und dank der Gartenarbeit kein Fitnesscenter brauche.

Der obere, ältere Gartenteil entzückte wegen der prächtigen Seerosen und der gelben Sumpfdotterblumen im Teich und der darüberflitzenden blau schimmernden Libellen. Zuletzt wies Christine Carigiet voller Stolz auf den vor Vögeln mit einem feinen Gitter geschützten Teefenchel hin: Auf seinen zierlichen Stielen lagen unzählige Raupen, die sich demnächst in wunderschöne Schwalbenschwänze verwandeln werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.06.2017, 19:10 Uhr

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