Uetikon

Postkartenblick zurück auf ein ländliches Uetikon

Mit einer neu aufgebauten Ansichtskartensammlung macht das Uetiker Museum Veränderungen und Konstanten im Ortsbild augenfällig. Zugleich dokumentiert die Ausstellung die Entwicklung des Mediums Ansichtskarte.

Die Wäckerling-Stiftung mit ihrem Park und die Kirche über dicht stehenden Obstbäumen illustrieren den Postkartengruss aus Uetikon.

Die Wäckerling-Stiftung mit ihrem Park und die Kirche über dicht stehenden Obstbäumen illustrieren den Postkartengruss aus Uetikon. Bild: Sabine Rock

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Still und leise sind sie verschwunden. Heute gibt es keine Ansichtskarten mehr zu kaufen, auf denen Uetikon zu sehen ist, stellt Armin Pfenninger fest. Seit man mühelos selber Fotos machen und versenden kann, sind die per Post verschickten Bilder und Kurzmitteilungen hier überflüssig geworden.

Pfenninger ist Präsident des Uetiker Museums und hat eine Ausstellung von historischen Uetiker Ansichtskarten konzipiert, die heute eröffnet wird. Er konnte auf einige wenige private Alben zurückgreifen, vor allem aber verfolgte er drei Jahre lang Auktionen im Internet und griff im Rahmen seines Budgets zu. Von der Ausbeute sind nun etwas über hundert Karten im Ortsmuseum im Haus zum Riedsteg zu sehen.

Alteingesessene Uetiker können in der Ausstellung Erinnerungen aufleben lassen, etwa an die heute verschwundene hölzerne Badanstalt, die eine Frauen- und eine Männerabteilung aufwies. Neu-Uetiker bekommen einen Eindruck davon, wie ländlich sich die Gemeinde vor wenigen Generationen präsentierte.

Drohne steigen gelassen

Fotograf Erwin Ramseier hat zu ausgewählten Bildern der Ausstellung die entsprechende heutige Situation abgebildet, so dass der Museumsbesucher sehen kann, wo Uetikon erstaunlich gleich geblieben ist und wo sich die Gemeinde verändert hat. Um den gleichen Ausschnitt zu erreichen wie bei Flugaufnahmen, liess Ramseier die Kamera mit einer Drohne steigen.

Die Ausstellungsmacher Armin Pfenninger (links) und Erwin Ramseier. Bild: Sabine Rock

«Etwas vom Erstaunlichsten war», erläutert Pfenninger über den Vergleich Alt-Neu, «wie viele Gebäude heute von Bäumen umgeben sind.» Früher standen sie meistens frei, weil direkt vor den Häusern Gärten angelegt waren.

Typisch sichtbar ist das beim Restaurant Baumgarten, das für den eigenen Bedarf Gemüse zog. Restaurants und Hotels sind überhaupt häufige Sujets auf den Ansichtskarten. Teils stellten diese Betriebe selbst werbewirksame Karten bereit für ihre Kunden, die Grüsse oder Mitteilungen versenden wollten, teils erscheinen die Gastronomiegebäude als Bestandteil von markanten Dorfpartien, wie das längst abgebrochene Restaurant Seethal an der Seestrasse.

«Ihre Hochblüte hatte die Ansichtskarte vor gut 100 Jahren», erklärt Pfenninger. Um die 20 Millionen Stück pro Jahr wurden anfangs des 20. Jahrhunderts allein in der Schweiz verkauft. Stahlstich und Lithografie waren damals gängige Verfahren für die Massenproduktion von Bildern, später boten Lichtdruck und der Offsetdruck bessere Möglichkeiten.

Spezialisierter Verlag

Auch Uetikon samt See und prächtigem Alpenkranz wurde mit den jeweils aktuellen graphischen Techniken auf den Kartonvierecken wiedergegeben, damit Reisende und Kurgäste ihren fernen Angehörigen illustrieren konnten, an welch toller Location sie sich gerade aufhielten. Wenn es um einzelne Gebäude ging, waren neben den Restaurants auch die Kirche, der Bahnhof, Kurhäuser und Schulhäuser beliebt als Sujets, um dem Empfänger etwas Charakteristisches aus Uetikon zu zeigen.

Von Unternehmergeist zeugt der Vermerk «Verlag des A.C.V.U. Uetikon» auf einer Farblithografie-Karte. Den «Ansichts-Carten-Verlag Uetikon» gibt es nicht mehr. Die Ausstellung im Riedsteg-Haus erinnert an ein Kommunikationsmittel, das in Uetikon untergegangen ist.

Vernissage: Freitag, 19.30 Uhr, Bergstrasse 109. Geöffnet jeweils sonntags 14 bis 17 Uhr. Bis 5. Januar 2019. Geschlossen 23. Dezember bis 5. Januar.

Erstellt: 30.08.2018, 16:00 Uhr

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