Zollikon

Polizeihund hat sich ins Pensioniertenleben verabschiedet

Sieben Jahre hatte die Gemeindepolizei Zollikon einen ausgebildeten Diensthund. Nun ist der Belgische Schäferhund seit Kurzem in Pension. Während seiner Dienstzeit hat der Rüde Age viel erlebt.

Diensthundeführer Marco Wyss mit seinem Belgischen Schäferhund Age, der nun das Leben eines Pensionärs geniessen darf.

Diensthundeführer Marco Wyss mit seinem Belgischen Schäferhund Age, der nun das Leben eines Pensionärs geniessen darf. Bild: Michael Trost

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So unbeschwert der Anblick auch scheinen mag, Hund Age gefällt er gar nicht: Kinder. Einander zurufend, lachend, ungestüm in ihrem Bewegungsdrang. Wie an diesem Nachmittag, als die Zolliker Schulhäuser ihre Schützlinge nach Hause entlassen. Der Belgische Schäfer, ein so genannter Malinois, hebt zum Gebell an, fordert Respekt: Komme ihm die quirlige Schar nicht zu nahe. Besitzer Marco Wyss spricht mit ruhigen Worten auf ihn ein. Und sogleich hält Age in seiner Unmutsbekundung inne. Nicht, ohne den Blick weiterhin auf die Kinder gerichtet zu halten, den Körper aufmerksam angespannt.

Vielleicht mehr wie für andere Hunde ist scharfes Beobachten der Menschen in seiner Umgebung ein Charakteristikum für Age. Denn, der 10-jährige Rüde ist Diensthund der Kommunalpolizei Zollikon. Beziehungsweise: Er war es. Seit einigen Wochen erfreut er sich nun seines Lebens als Pensionär.

Bereit sich unterzuordnen

Aus dem Zolliker Ortsbild verschwunden ist er deswegen nicht. Zwar begleitet er Wyss nicht mehr etwa auf Patrouillen mit dem Streifenwagen – von wo er denn auch vielen Dorfbewohnern bekannt sein dürfte. Aber nach wie vor ist er jeden Tag am Arbeitsplatz des stellvertretenden Polizeichefs mit dabei.

Ein Polizeihund, der fremde Kinder anbellt – kann das gut gehen? Es kann. «Wenn er gearbeitet hat, wusste Age genau zu unterscheiden.» Alle Ablehnung gegenüber Kindern habe er dann auf der Stelle abgelegt. Zudem sei die Fähigkeit, sich dem menschlichen Partner unterzuordnen, eine der Hauptanforderungen für einen Diensthund. Bei seinem Tier sieht sie Wyss als Stärke. «Er ist sehr führig und hört gut auf Befehle.» Er akzeptiere fremde Menschen oder Tiere als friedlich, sobald er dies von seinem Besitzer vermittelt bekomme. Zahlreiche mit Bravour bestandene Jahresprüfungen sagen einiges darüber aus.

Umfeld muss stimmen

Angefangen hat Ages Weg zum Polizeihund im Alter von acht Wochen. Genauer: zum Schutzhund, dem Allrounder unter den Diensthunden. Demgegenüber gibt es die spezialisierten Drogen-, Sprengstoff- oder Leichenspürhunde. Während gut drei Jahren wurde Age zusammen mit Wyss unter der Leitung von Instruktoren des Diensthundezentrums der Kantonspolizei Zürich zum Schutzhund ausgebildet. Zudem wurde vorgängig das familiäre Umfeld des heute 39-jährigen Wyss geprüft. «Es muss alles stimmen», erklärt er, «damit sich der Hund positiv entwickeln kann und täglich intensiv beschäftigt wird.»

«Jeder Einsatz war besonders, da man nie genau wusste, was einen erwartet.»Marco Wyss, Diensthundeführer Kommunalpolizei Zollikon

Unter anderem in Dübendorf lernten er und sein Hund Übungen, die dann täglich wiederholt, vertieft und erweitert wurden. Grob eingeteilt ging es dabei um die Haupteinsatzbereiche Flächen- und Fährtensuche, Suche von Gegenständen oder unfriedlichen Personen – wie gewaltbereite Personen bei der Polizei genannt werden – um Objektschutz und um weitere mehr. «Jeder einzelne Bereich umfasst unzählige Übungsschritte», sagt Wyss. Nach bestandenem Einsatztest war das Team für den Ernstfall zugelassen und konnte im ganzen Kanton angefordert werden – je nach Verfügbarkeit und Art des Einsatzes.

Kein Diensthund im Bezirk

Gegenwärtig hat wieder eine Reihe junger Hunde und deren Hundeführer die Einsatzprüfung abgelegt. Ein Nachfolger für Age ist jedoch nicht dabei: In Zollikon ist Wyss der einzige Hundeführer. Solange Age lebe, könne er sich nicht in der geforderten Intensität um einen zweiten Hund kümmern, sagt er. Auch andernorts im Bezirk gibt es aktuell keinen Diensthund. Dies sei abhängig von Interessenten als Hundeführer und ob deren Arbeitgeber beim Kanton das entsprechende Gesuch stellen, erklärt Wyss. Die Städte Zürich und Winterthur und die Kantonspolizei haben ihre eigenen Diensthundekorps.

Age sei wegen Rückenproblemen aus dem Einsatz genommen worden. Aber auch bei der «Nasenarbeit», die grosse Konzentration verlange, «war er diesen Sommer schnell auf den Felgen.» Einen Einsatz aus der siebenjährigen Laufbahn des Schäfers hervorzuheben, fällt Wyss schwer. «Es war jedesmal besonders, da man nie genau wusste, was einen erwartet.» So wie einmal, als Age ein eigenartiges Zaudern beim Betreten einer Villa zeigte: Ein Bärenfell auf dem Boden hatte ihn irritiert. «Eine solche Situation kann man natürlich nicht üben», lacht Wyss. Aber auch hier habe er einmal mehr auf die gute Führigkeit seines Hundes zählen können.

Erstellt: 05.11.2018, 15:26 Uhr

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